Moral und Ethik als Erfolgsfaktor für das Recruiting der Zukunft?

23. November 2012 | Von | Kategorie: Gesellschaft, Recruiting

Wir erleben einen Umbruch im Denken und Handeln der neuen Arbeitnehmergeneration – so lesen wir zumindest überall. Ist das wirklich so? Und was heißt das für die Unternehmensleitung und das Recruiting?

Ok, ich nenne sie auch Generation Y, weil es einfacher ist. Die mischt also die Arbeitswelt auf. Lese ich zumindest überall. Zum Beispiel in der FTD (bitter bitter, dass mir bald diese großartige Zeitschrift fehlen wird!). Die FTD hat eine kleine Reihe zu diesen, von ihr genannten „Smart Talents“, verfasst. Diese Generation strebt „nach Sinn und Verantwortung. Geld und Status sind zweitrangig“. Und die Unternehmen müssen sich umstellen, um diese Generation für sich zu gewinnen.

Natürlich pocht diese Generation auch auf eine bessere Work-Life-Balance. Wobei das sicher zu allgemein ist. Auch hier gibt es Unterschiede. Es gibt natürlich auch immer noch die Berufsorientierten, die vor allem Karriere machen wollen. Aber lt. FTD hat sich eine neue Spezies entwickelt, in dem Artikel „die Vereinbarer“ genannt. Sie bekommen alles unter einen Hut: Work-Life Balance, Partnerschaft, ethisches Handeln, Familie, Beruf und was weiß ich noch alles. Sicherlich zu dem, bewusst in Kauf genommenen Preis, eben nicht ganz schnell die Karriereleiter hochzuklettern und Millionär zu werden. Aber wer will das schon?

Parallel zu dieser Entwicklung der „Arbeitnehmer“ entwickelt sich offensichtlich auch der Verbraucher weiter. Macht ja auch Sinn, sind ja dieselben Personen. Laut dem Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) schwindet das Vertrauen der Verbraucher in das Management der Unternehmen erheblich. Kein Wunder, oder? Was ist die Lösung? Die Wiederentdeckung der Moral und des ethischen Handelns. Empfohlen wird den Unternehmen, unabhängig vom Kerngeschäft in soziale Projekte zu investieren. CSR ist ja ein neuer Hype. Wohl gemerkt, die Empfehlung ist nicht, sein Kerngeschäft auf Ethik und Moral hin zu hinterfragen. Sondern, mit meinen Worten: Im Zweifel sich mit unmoralisch erworbenem Geld einen weißen Anstrich zu verpassen. Und spätestens jetzt ist allen klar: Das kann es nicht sein, oder?

Jetzt ist das hier kein blog für Weltverbesserer und die Zusammenhänge und Hintergründe unserer Globalisierung können andere viele besser erläutern. Auf das Eis wage ich mich nicht. Ich bleibe beim Thema HR. Das IW empfiehlt „Führungskräfte müssten für moralische Fragen sensibilisiert werden. Und es gelte, geeignete Wege aufzuzeigen, wie Zielkonflikte zwischen Gewinn und Gewissen gelöst werden können.“

Na, vielleicht können ja die Führungskräfte etwas von der Generation Y lernen? Zumindest von den „Vereinbarern“. Wenn Gewinnmaximierung nicht mehr oberste Maxime ist, werden vielleicht mehr Entscheidungen getroffen, mit denen niemand Bauchschmerzen hat. Kann der Mitarbeiter ohne schlechtes Gewissen pünktlich nach Hause gehen. Brauche ich meinen Zulieferer nicht auf den letzten Cent auszupressen. Und dann packe ich das in meine Employer Branding Botschaft und alles wird gut.

Aber ist das in unserem globalen Wettbewerb realistisch? China kümmert sich nicht um Wohnungen, die im Weg stehen. Die meisten Mitarbeiter dort arbeiten bis zum Umfallen, um es einmal besser zu haben. Wir haben es in der Regel schon sehr gut. Da lässt sich leicht sagen, „mach mal langsamer“. Hat die Nachkriegsgeneration Deutschlands auch nicht gesagt, oder? Werden die „gnadenlosen Gewinnmaximierer, die es irgendwann mal besser haben wollen“ also uns „Satte“ überholen und dann übernehmen? Und uns dann ihren Stempel aufdrücken? Wie weit darf Moral gehen? Werde ich dann zum Spielball fremder Mächte anstatt selber die Spielregeln zu bestimmen?

Da möchte ich doch mal den weisen Prediger Salomo aus Prediger 7, 16-18 zitieren „Sei nicht zu fromm, und übertreib es nicht mit deiner Weisheit! Warum willst du dich selbst zugrunde richten? Sei aber auch nicht gewissenlos und unvernünftig! Warum willst du sterben, bevor deine Zeit gekommen ist?“ Es ist gut, wenn du ausgewogen bist und die Extreme meidest.“

Also bleibt doch alles wie es war? Nein, es war ja nie alles so, es hat sich immer alles irgendwie verändert. Mal langsamer, mal schneller.

Das Problem ist, dass wir Moral nicht von heute auf morgen verordnen können. Ich glaube, dass eine feste eigene Wertvorstellung und Moral eine grundlegende Eigenschaft einer guten Führungskraft ist. Und echter Unternehmer. Nicht umsonst gibt es die Prinzipen des „ehrbaren Kaufmanns“. Sehr spannend finde ich die Ausführungen dazu auf Wikipedia mit den großen Lücken, die es noch gibt. Ein hoch komplexes Thema, wie „Ehrbarkeit“ in unserer heutigen Gesellschaft funktionieren kann – oder auch nicht.

Auch „Der Personalkongress 2012“ nimmt sich dieses Themas an und ich bin gespannt auf den Vortrag vom Zukunftsforscher Erik Händeler zum Thema „Soziale Verantwortung als Wachstumsmotor“.

Wenn ich mir meinen aktuellen Arbeitgeber anschaue, dann haben die Gründer schon 2001 auf Nachhaltigkeit und verlässliches Handeln gesetzt. Und das bis heute durchgezogen. Warum? Einfach weil es der gesunde Menschenverstand empfiehlt. Wenn ich langfristig am Markt bestehen will, muss ich ein paar Grundsätze beachten. Z. B. „Zieh keine Kunden über den Tisch, schmeiß das Geld nicht aus dem Fenster, sichere deine Arbeitsplätze zum Wohl der Arbeitnehmer.“ Sicherlich muss das jeder für sich selbst beurteilen und es werden auch „Fehler“ dabei gewesen sein, keine Frage. Aber die Verlässlichkeit des Geschäftsführers, einen Eindruck davon zu bekommen, wofür er steht und wie er „tickt“, war für mich der entscheidende Punkt für meine Zusage. Am Ende war es der Mensch, der das Unternehmen prägt, der für mich den Ausschlag gab.

Und damit kommen wir wieder auf die Bedeutung der Führungskräfte im Recruiting. Und da Ethik und Moral von ganz oben vorgelebt (oder verordnet) werden müssen, wird wieder mal klar, dass das Top Management die alles entscheidende Rolle spielt. Ich muss als Management für etwas stehen. Und ich muss das vermitteln können und glaubhaft leben. Mit Blick auf die Generation Y hilft mir vielleicht ein wenig mehr Moral. Aber am Ende gilt: Die Welt ist bunt. Und es wird auch immer Mitarbeiter geben, die eher auf den schnellen Euro aus sind. Und das ist grundsätzlich auch ok. Ich muss es halt nur wissen.

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