HR schlägt zurück – oder: Wie Bewerber 2.0 die Recruiter in den Wahnsinn treiben

4. April 2014 | Von | Kategorie: Recruiting

Henrik Zaborowski HR schlägt zurück! Das liest sich kämpferischer als es ist. Dahinter verbirgt sich aber der Versuch einer „Gegendarstellung“ von HR. Denn zugegeben (wie auch ich mir schon öfters anhören musste): Auf andere „draufhauen“ ist einfach. Auch wenn ich von mir behaupte, dass ich ja auch konstruktive Vorschläge mache, wie es besser geht. ABER richtig ist auch: Es gibt auch noch andere „Spieler“ in diesem Tauziehen um die besten Jobs bzw. Mitarbeiter: Nämlich die Bewerber. Und die, liebe Leser, sind auch keine Heiligen. Was Sie gleich lesen, ist kein Artikel von mir. Denn vor ein paar Tagen erreichte mich die mail von „Anonymouse Blogger“ einer Recruiterin, die anonym bleiben und trotzdem von ihren Erfahrungen mit „den lieben Bewerbern“ berichten möchte. Und da ich alle ihre Beispiele aus eigener Erfahrung kenne, gebe ich dem natürlich gerne Raum. Viel Spaß beim Lesen!

„Hallo Herr Zaborowski,
ich lese regelmäßig Ihre und andere HR-Blogs. Was mir aufgefallen ist, ist die Tatsache, dass häufig auf HRlern, Recruitern, Marketing oder sonstigen Unternehmensvertretern rumgehackt wird. Zurecht (in den meisten Fällen)! ABER! Ich würde gerne mal die Unternehmenssicht von HR auf die Bewerber 2.0 beisteuern. Ein Thema das ich die letzten Jahre schmerzlich vermisst habe. Da anonymes bloggen nicht möglich ist (zu mindestens hat sich mir keine Möglichkeit gezeigt) bin ich so frei, mich an Sie zu wenden. Meine Gedanken zum Thema finden Sie anbei. Wenn Sie die Diskussion anstoßen wollen, können Sie meine perönlichen Eindrücke gerne nutzen.

Ich bin bisher nur Passivblogerin, d.h. konsumieren ohne zu produzieren. Das geht auf Dauer nicht, habe ich mir gesagt und den Stift die Tastatur in die Hand genommen. Der Grund ist relativ schnell erklärt: In jedem zweiten (gefühlt sogar in jedem) HR-Blog liest man, dass sich die Unternehmen doch bitte „anständig“ den Bewerbern (Kunden) gegenüber verhalten sollen. Alles klar, alles richtig, habe ich kapiert. Will ich auch nicht widersprechen. Gehört für mich zum normalen zwischenmenschlichen Umgang, also dass mit dem Respekt und dem Anständig und so.

Aber warum schreiben immer alle über den HR-Manager/Recruiter 2.0. Es gibt auch den Bewerber 2.0. Das sind Bewerber die den Fachkräftemängel in vollen Zügen leben und genießen. Oder wie Frau Nahles singen würden: „Ich mach‘ mir die Welt – widdewidde wie sie mir gefällt …“. Es gibt sie längst und meiner Meinung nach zu viele Bewerber 2.0. Die sich so verhalten, als hätten sie 5 Jobs parallel zu Auswahl! Prinzipiell schön für die Bewerber, aber muss man sich deshalb verhalten wie das letzte A…?

Ich will an dieser Stelle anonymisiert, aber ungeschminkt aus der Unternehmensrealität berichten. Und zwar die Realität die sich mir als HR-Verantwortliche bietet, aus einem KMU Dienstleistungsunternehmen im technischen Umfeld. Mit ein paar Beispielen aus der Praxis, möchte ich zeigen das Respekt und fairer Umgang keine Einbahnstraße ist (sein sollte). Vielleicht verbirgt sich da hinter ein trauriges Einzelschicksal, aber vielleicht gibt es auch andere Betroffene HRler die von Bewerbern 2.0 zum Wahnsinn getrieben werden. Zum besseren Verständnis habe ich mir erlaubt Kategorien bzw. Schubladen zu öffnen, die ich jetzt vor Ihren Augen füllen werde…

Kategorie 1 – Huch, mir ist da was dazwischen gekommen

Kennt jeder und kann auch jedem passieren. Aber was man da so erlebt, lässt mich ernsthaft zweifeln, ob da nicht doch gelegentlich ein bisschen flunkern dabei ist. Absage einen Tag oder wenige Stunden vor einem Bewerbungsgespräche mit Aussagen wie: spontane Hochzeit eines Freundes, Trauerfall, Auto gestohlen, Krankheit, muss doch arbeiten, Projekt braucht mich. Und wenn nur 10% davon erfunden ist, ist das trotzdem eine Sauerei. Wir nehmen uns Zeit, bereiten uns vor und dann sowas. Es kann immer was dazwischen kommen und wir sind die letzten, die keinen Zweit- oder Dritt oder X-Termin anbieten. Aber schlecht erfundene Ausreden zeugen von mangelnder Wertschätzung gegenüber dem Unternehmen.

Kategorie 2 – Der Termin passt mir nicht

Auch das mag man nicht glauben. Da will ein Unternehmen einen Bewerber unbedingt kennen lernen und dann findet der Umworbene keine Zeit für einen Termin. Weder früh, noch spät, weder in der Woche noch am Wochenende. Das Ergebnis: Fünf Terminvorschläge später liegen dann zwischen Bewerbung und noch nicht erfolgtem Gespräch 8 Monate (in Worten: acht Monate). Interesse wird seitens des Bewerbers kontinuierlich beteuert, aber das mit dem gemeinsamen Termin finden ist schon so eine Sache.

Wieso schicke ich meine Unterlagen an Unternehmen, wenn ich doch offensichtlich nicht wirklich ernstes Interesse habe an einer Veränderung. Natürlich habe die meisten dieser Bewerber einen sicheren Job und keine Not zu wechseln. Aber dann spare ich doch allen Beteiligten die Arbeit und lasse es. Meine Vermutung: Viele wollen nur mal Ihren Marktwert testen. So nach dem Motto: „Also, wenn ich wolle, dann könnte ich, aber ich will ja eigentlich nicht.“ Schöne Zeiten sind das, in denen man sich zum Spaß bewirbt.

Kategorie 3 – Ich bin dann mal weg

Manchmal läuft dann doch alles glatt. Unternehmen und Bewerber wollen den Bund fürs Leben eingehen und haben einen Arbeitsvertrag geschlossen. Super in 1,2,3 oder X Monaten kommt der neue Mitarbeiter zu uns. Aber wehe dem, der glaubt in Deutschland sind rechtsverbindliche Verträge heilig. Weit gefehlt, es wird gekündigt wie es gefällt. Im Zweifelsfall auch, wenn die Tinte trocken ist, um es mal deutlich zu formulieren. Auch hier ist eine Ausrede lächerlicher als die Andere, warum der Vertrag dann noch direkt in den Shredder soll.

Die Freundin im Ausland die dringend Unterstützung braucht, die überforderte Frau zu Hause oder einfach nur der Ex-Arbeitgeber der jetzt doch zukünftig alles besser machen und die wertvolle Fachkraft nicht gehen lassen will. Toll! Noch toller, wenn man die „Fast-Mitarbeiter“, dann bei Xing bei einem anderen Arbeitgeber schaffen sieht, anstatt sich im Ausland um die Freundin zu kümmern, die doch so dringend Hilfe brauchte.

Diese Mentalität Arbeitsverträge zu unterzeichnen wie den Kassenbeleg im Supermarkt und dann wegzuschmeißen ist echt ein Unding. Was soll das? Ich kann ja suchen und vergleichen, aber wenn ich mich entschieden habe, sollte ich doch Rückgrat haben und zu meiner Entscheidung stehen oder absagen, wenn ich zu Unternehmen X nicht will. Oder sind meine Wertevorstellungen seit dem Mittelalter veraltet? Wir als Unternehmen sind dann natürlich auch nachsichtig und bringen dafür Verständnis auf; „kein Problem, dann machen wir den Arbeitsvertrag halt rückgängig Herr Müller.“

Kandidat 4 – The anwser my friend is blowing in the wind

Kennen Sie das auch? Sie treten (meist aktiv, z.B. über Social Media Kanäle) mit einem Interessenten in Kontakt. Sprechen telefonisch miteinander, schreiben sich Mails, alles läuft „normal“ und dann von heute auf morgen – Funkstille. Was ist passiert mit meinem Gesprächspartner. Diese Frage habe ich mir schon öfters gestellt. Meistens ist sicher nicht Unfall oder Krankheit im Spiel, welche die Rückmeldung verhindern. Vermutlich ist einfach kein Interesse mehr dahinter sich beruflich neu zu orientieren.

Aber ist es tatsächlich zu viel verlangt, dass seinem Gegenüber mitzueilen anstatt sich tot zu stellen und auf nachfragen nicht zu reagieren. Ich rede hier wohlgemerkt von Personen mit denen ich teilweise über eine Stunde persönlich gesprochen haben, die mir zugesagt habe: „Ich melde mich nächste Woche bei Ihnen“ oder „Ich mache meine Unterlagen fertig und schicke Sie Ihnen zu“. Da kommt das Thema mit dem Respekt noch mal deutlich zum tragen. Man kann doch sagen: „Danke für die Gespräche, aber zum jetzigen Zeitpunkt sehe ich keinen Anlass diese fortzuführen“ oder „Ich habe es mir anders überlegt und doch kein Interesse mehr“. Ist in 5 Sekunden getippt und abgeschickt. Ich will ja keine Romane und Erklärungen warum nicht, aber wenigstens ein: „Nein (Danke).“

So, Schubladen zu und Tränen aus den Augen gewischt. Aber so sieht meine Realität aus. Die HR- Managerin, die von Bewerben 2.0 zum Wahnsinn getrieben wird. Gut so schlimm ist es jetzt auch nicht (ist ja der komprimierte Wahnsinn), aber es musste mal raus.

Fazit: Nicht immer auf den Unternehmen rumhacken, die den Bewerben nicht mit Kusshand begegnen, sondern auch mal die andere Seite zeigen. Die Bewerber 2.0 die den respektvollen Umgang mit HRlern, Unternehmen, Personaldienstleistern und anderen Lebewesen offensichtlich verlernt haben. Aber mein Glaube an eine gute Welt in der sich Unternehmen und Bewerber (oder einfach nur Menschen) auf Augenhöhe begegnen und fair miteinander umgehen ist noch nicht gestorben. Dafür mache ich den Job zu gerne.

In diesem Sinne, Danke fürs zuhören. Ich freue mich über Resonanz jeder Art. Vor allem interessiert mich natürlich, ob es Erlebnisse mit Bewerbern 2.0 gibt, die meine Erlebnisse als Kindergartengeburtstag dastehen lassen.“

(hier endet der Brief, Hervorhebungen von Henrik Zaborowski)
So, liebe Leser! Wie sieht es aus? Machen Sie ähnliche Erfahrungen? Ich gebe gerne zu, auch ich kenne alle Beispiele aus der eigenen Recruiterpraxis. Und kann darüber auch nur den Kopf schütteln. Aber wie ist es mit Ihnen? Wir = Anonymouse Blogger und ich, freuen uns auf Kommentare.

Herzlichen Gruß,
Ihr Henrik Zaborowski

P.S. Wenn Sie später dazugekommen sind: Hier geht es weiter HR schlägt zurück – ein Zwischenfazit.

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66 Kommentare auf "HR schlägt zurück – oder: Wie Bewerber 2.0 die Recruiter in den Wahnsinn treiben"

  1. HRBlogerin sagt:

    Hallo Herr Zaborowski,

    es freut mich zu lesen, dass Sie meinen Beitrag mit dem Rest der Welt teilen. Bin gespannt, ob wir die zwei die Einzigen sind, die von Bewerbern 2.0 in den Wahnsinn getrieben werden. Vielleicht liest ja auch der ein oder andere Bewerber da draußen Ihren Blog. Dann haben wir die Welt vielleicht schon wieder etwas besser gemacht. 😉

    In diesem Sinne, herzlichen Dank und ein schönes Wochenende
    Ihre HRBlogerin

    • Hallo HRBlogerin, sehr gerne! Und ja, der Blog wird auch von Bewerbern gelesen. Es gibt also Hoffnung. Für beide Seiten 🙂
      Herzlichen Gruß und ebenfalls ein schönes WE, Henrik Zaborowski

    • Natürilich finde ich den Blogeintrag von der HR-Bloggerin sehr interessant.
      Was es auch noch schwieriger macht sind die Möglichkeiten sich relativ einfach und schnell mit Hilfe von Web 2.0 Technologien bei den Unternehmen zu bewerben (z.B. LinkedIn oder Xing Profil wird genutzt um Bewerbung zu generieren — Buddybroker, etc.).
      Es ist einfach eine Bewerbung einzureichen mit Hilfe der digitalen Möglichkeiten. Oder andere System erlauben es einem sein Profil aufzuschalten …. um dann mal zu sehen wer sich interessiert.

      Das Resultat ist vielleich was hier beschrieben wird. Ein gewisser Prozentsatz (wieviele – weiss ich nicht) der BewerberInnen ist gar nicht so interessiert (hat Stelle, ist glücklich, will nur mal schauen). Das Resultat ist dann eben, dass sich kein Termin finden lässt oder der Kandidat nicht erscheint.

      Aergerlich aber leider ein Trend.
      Urs
      DrKPI

      • Hallo Urs, herzlichen Dank für den Kommentar. Ja, moderne Systeme machen es deutlich einfacher, sich „mal eben“ zu bewerben. Die Angst vor unpassenden Bewerbungsfluten beherrscht(e) auch die Diskussion ums Mobile Recruiting. Ich sehe die Gefahr aber als sehr gering. Die meisten Bewerber, mit denen ich spreche, betreiben lieber einen Riesenaufwand, anstatt beim Personaler in Ungnade zu fallen. Das erklärt auch die hoch emotionalen Reaktionen auf den gefühlt schlechten Umgang mit den Bewerbungen. Bewerber, die nur ihren Marktwert testen wollen, gab es schon immer. Die Gefahr, dass dieser Trend zunimmt, ist aber sicherlich gegeben. Herzlichen Gruß, Henrik Zaborowski

  2. Ich bin zwar nicht direkt im Recruiting beschäftigt, kümmere mich aber unter anderem auch um die Darstellung des Unternehmens als Arbeitgeber. Daher kenne ich die oben beschriebenen Situationen recht gut und frage mich da auch immer, ob „wir damals auch so waren“? Ich würde behaupten, nein. Da gab es noch einen gesunden Respekt als Bewerber vor dem Unternehmen und dem Personaler. Da war man noch aufgeregt, wenn man mit dem potentiellen Arbeitgeber kommuniziert hat. Heute scheint das alles selbstverständlich. Heute sitzen viele (wohlgemerkt beileibe nicht alle) Bewerber auf einem imaginären hohen Ross. „Was ich soll zu Ihnen zum Gespräch kommen? Das ist mir zu weit. Geht es nicht auch per Skype?“ „Fragen? Nein, Fragen an Sie habe ich keine und ihre Website kenn ich eigentlich auch nur dem Hörsensagen nach“. „Egal was Sie bieten, ich will das Doppelte + plus Provision + Dienstwagen + 5 Tage Homeoffice“ …. da fehlen einem schon manchmal die Worte 😉

    In diesem Sinne

    • Vielen Dank, das geht ja voll in die Richtung von HRBlogerin. Ich muss sagen, so extrem kenne ich es nicht. Aber darum gab/gibt es ja auch diesen Artikel! Herzlichen Gruß, Henrik Zaborowski

  3. Dazu fällt mir spontan ein: Die Geister, die ich rief…

    In den vergangenen Krisenjahren zwischen 1999 und 2009 haben diverse Arbeitgeber hinlänglich und überzeugend dokumentiert, dass es keine Loyalität mehr gibt. Im Krisenfall wurde entlassen, mal netter, mal weniger und im Bedarfsfall auch ohne Rücksicht. Im Aufschwung dann gab es keine unbefristeten Verträge mehr, sondern nur noch befristete – und teils miese Einstiegsgehälter. Home-Office? Schwieriges Thema. Auszeiten? Familienfreundlichkeit? Alles nachrangig.

    Wer aber so agiert, konditioniert. Der Nachwuchs hat gelernt: Die Mär vom „Human Kapital“ ist blanker Hohn. Kapital ist man selbst als Talent nicht, sondern höchstens eine Kostenstelle. Loyalität, soziale Verantwortung, echte nachhaltige Personalentwicklung kennen Unternehmen nur noch aus der Managementliteratur – oder imagebildender Employer Branding Rhetorik.

    Und jetzt folgt eben die Quittung: Die Bewerber verhalten sich so, wie sie es vorgelebt bekommen – unverbindlich und opportun bis in die Haarspitzen.

    Ganz ehrlich: Wer sich darüber beschwert, möge sich zuerst an die eigene Zunft wenden – und vorleben, was er oder sie von anderen verlangt. Das alles ist doch kein Akt einer Generation, sondern schlicht eine Reaktion.

    • Jochen, vielen Dank. Das nenne ich mal eine klare Meinung. Sehr gut.

      Als Akt einer Generation sehe ich das auch nicht. Die „jungen“ schauen ja doch eher nochmal in die Karriereratgeber und halten sich mehr oder weniger daran. Bei den Professionals würde ich Deine These „der gerufenen Geister“ bestätigen. Die sind wirklich konditioniert.

      Was machen wir jetzt? Wie kriegen wir da wieder Vernunft rein? Ich denke, die Unternehmen müssen anfangen und ehrlicher/besser werden.

      Abgesehen davon kann ich beiden Seiten nur raten, vernünftig miteinander umzugehen. Denn da wir alle noch lange arbeiten müssen, werden wir uns immer wieder über den Weg laufen. Wohl dem, der sich dann noch offen in die Augen schauen kann.
      Herzlichen Gruß, Henrik

  4. Liebe Bewerber2.0 – Bloggerin, lieber Henrik,

    ich stimme dem ausführlichen Bericht zum Bewerber2.0 zu.
    Solche Dinge habe ich auch zur Genüge erlebt und auch von anderen vernommen…

    Aus meiner subjektiven Sicht möchte ich noch einige Dinge hinzufügen,
    die in letzter Konsequenz Martin Gaedt’s zentrale These: ‚Selber schuld‘ unterstützen.
    Meine persönliche Schlüsselstelle aus ‚Mythos Fachkräftemangel‘ habe ich in meinem Blog verewigt (1):
    ‚Bewerben Sie sich inkognito in Ihrem eigenen Unternehmen. Sie werden überrascht sein‘
    Die Besten und Kreativsten kommen nicht mal ins Vorstellungsgespräch!
    Die computer-unterstützte Schubladenbildung & Ähnlichkeitsfalle führt dazu,
    daß /immer/ ein- und dasselbe Durchschnittsprofil an Mensch gesucht wird.
    (Wir vergessen: Diesen Durchschnittsmenschen, eine Kreuzung zwischen Angela Merkel, Horst Seehofer, Sigmar Gabriel, Katrin Göring-Eckardt, Thorsten Wirth und Katja Kipping gibt es in der Realität nicht)

    Außerdem werden immer nur 30 jährige gesucht, deren einzige Chance darin besteht sich möglichst schnell wegzubewerben um Karriere -und Geld- zu machen bevor sie als ‚zu alt‘ gelten.
    Sehenden Auges werfen die Personalabteilungen eben wieder die recruiting-Durchlauferhitzer an
    um vorne Leute reinzuholen, und die zu substituieren, die hinten schon wieder rausgehen.

    Betrachten wir mal den Arbeitsmarkt so fällt auf:
    Es gibt einige HR-Staubsauger (’20 Bekannte Firmen und 10 bekannte Städte‘).
    Die Bewerber finden nicht zu den Stellen und umgekehrt.
    Brigitte Pothmer schreibt:
    „Obwohl rund 60 Prozent der Teilnehmer am Programm „Perspektive 50plus“ eine abgeschlossene Berufsausbildung, einen Meisterbrief oder gar ein Hochschuldiplom haben, waren sie zwischen 2003 und 2013 etwa 4,5 Jahre arbeitslos…
    „Die Diskrepanz zwischen Sonntagsreden und tatsächlicher Einstellungspraxis der Arbeitgeberseite,
    die die älteren Menschen einfach links liegen lässt, ist erheblich – allen Rufen nach Fachkräften zum Trotz“ (2)
    Und der Rekord an sog. Frühpensionierungen war 2012(!), obwohl wir seit über 20 Jahren darüber /reden/, daß an dieser Praxis dringend etwas geändert werden muss.

    Natürlich gibt es (m.E. recht logische) Ursachen dafür.
    Die wichtigsten drei stelle ich kurz vor.
    a) Frank Schirrmacher hat dies schon vor Jahren in seinem Buch ‚Methuslaem-Komplott‘ präzise auf den Punkt gebracht:
    „Das Jahrzehnt zwischen 50 und 60 ist jener Zeitraum, in dem …
    Lebenserfahrung in unvorstellbarem Ausmaß verschwendet wird.
    Man kann, etwa bei Männern in Führungspositionen, studieren, wie viel Energie
    in die unablässige Abwehr einer gefühlten Gefahr investiert wird“ (3)
    Die älteren Herren (auf Arbeitgeber- und Arbeitnehmer-Seite!) sind also in der Regel unflexibel und beratungsresistent und DESHALB nicht mehr zu gebrauchen – nicht unbedingt wegen fehlender fachlicher Kenntnisse.

    b) Die Innovationsgeschwindigkeit ist überall sehr hoch.
    Doch das Erfahrungswissen fehlt gerade in jenen Unternehmen, die es dringend bräuchten.
    Was das für unsere Gesellschaft heißt, die von ‚unbedarften kids‘ ohne Technologiefolgenabschätzungs-Kompetenz geprägt wird, kann man sich an 5 Fingern abzählen.
    Facebook etwa wird von einem 27 jährigen Multimilliardär geleitet.
    Die MA haben mit durchschnittlicher Betriebszugehörigkeit von 3 Jahren, das Durchschnittsalter ist unter 30.
    Die venture capital Firmen handeln ebenfalls ohne Sinn und Verstand.
    35 jährige gelten als zu alt (sic!) /obwohl/ die 30-, 40-, 50-plus Jährigen für 85 % (sic!) der Innovationen verantwortlich sind (4).

    c) Zwergen-Gesellschaft & Autoritäts-Verlust
    Wir haben ‚panische Angst‘ vor guten Mitarbeitern, weil die Führungskräfte (in HR) schlecht ausgebildet sind und ‚keine Zeit‘ haben, bzw. keinen Ratschlag von Personalern hören wollen.
    In den meisten Firmen bringt die Personalabteilung nicht fachliche Kompetenzen ein,
    die dem Vorstand und Geschäftsführer fehlen,
    sondern handelt als CEO-Erfüllungsgehilfe nach strikter Vorgabe derjenigen, die eben fachlich weder die Vorbildung noch die Zeit haben sich mit ‚Gedöns‘ wie #Diversity, #OE und #Demographie etc. auseinanderzusetzen.
    Dies haben völlig unabhängig voneinander u.a.(!) Michael Diekmann / Allianz, Stephan Scholtissek / accenture, David Ovilgy / Werbeagentur, Guy Kawasaki und auch Utz Claassen festgestellt…
    Wer sich wirklich ausführlich dafür interessiert, Zitate dieser Personen finden Sie hier im Blog (5).

    Es ist das #mindset, was uns alle wahnsinnig macht. Fehlendes Grundlagenwissen (der 27-jährigen-G8-Multimilliardäre) in Philosophie!
    Thomas Sattelberger hat es einmal so formuliert. Die Kandidaten sollten schon wissen warum Sokrates den Schierlingsbecher nehmen musste…
    Zitat: „Bedeutende Persönlichkeiten Athens (und solche, die sich dafür hielten) fühlten ohne Zweifel ihre Autorität in Frage gestellt.
    Sie reagierten gekränkt, aggressiv und rachsüchtig. Sokrates, so meinten sie, gefährde die Jugend Athens, weil er mit seinen Fragen lehre, die Autoritäten der Stadt nicht anzuerkennen“, aus: Michael Bordt: Platon

    Ein umfassendes Demographie-Management mit Sinn und Verstand ist dringend erforderlich sonst
    werden die Frühpensionierungszahlen weiter steigen und die geistlosen recruiting-Durchlauferhitzer weiter auf Hochtouren laufen
    – trotz Fachkräftemangel und wider besseres Wissen.

    EF, 04.04.14

    1) http://ed.iiQii.de/gallery/KeyPerformance/MartinGaedt_younect_de
    2) http://ed.iiQii.de/gallery/VictimsOfGroupThink/BP_pothmer_de

    3) http://ed.iiQii.de/gallery/Die-iiQii-Philosophie/FrankSchirrmacher_wikipedia_org

    4) http://ed.iiQii.de/gallery/VictimsOfGroupThink/NoamScheiber_twitter_com
    http://ed.iiQii.de/gallery/Die-iiQii-Philosophie/BingGordon_kpcb_com

    5) http://ed.iiQii.de/gallery/search.php?searchstring=zwergengesellschaft
    http://ed.iiQii.de/gallery/search.php?searchstring=erfahrungswissen

    • Wow, lieber Erich, da ziehe ich jetzt meinen Hut vor. Da schöpfts Du ja aus dem Vollen! Die links muss ich mir erst mal in Ruhe anschauen. Vielen Dank auf jeden Fall. Deinen Zitaten / Einschätzungen kann ich auf jeden Fall jetzt schon zustimmen. Herzlichen Gruß, Henrik

  5. Markus Väth sagt:

    Wenn Sie erlauben, steuere ich meine Sicht der Dinge als Karriereberater (und ehemaliger Personaler) bei: http://mensch-chance.de/blog/sind-bewerber-nur-ein-sprechendes-stueck-fleisch

    Am Ende des Artikels finden sich übrigens Leitfragen, mit denen ein Unternehmen sein Bewerbermanagement deutlich verbessern könnte. (Damit man nicht nur meckert.) 🙂

  6. Chris Pyak sagt:

    Ein sehr schöner Beitrag. Mir ist auch aufgefallen wie schwer einigen Menschen ein ehrliches „Nein, Danke“ fällt. Im Grunde genommen können Sie aber zufrieden sein: Stellen Sie sich vor Sie hätten diese Leute eingestellt…

    Mir selbst ist das bei Bewerbern noch nicht passiert. Stattdessen rufen manchmal Menschen an, die vom (deutschen) Arbeitsamt geschickt werden.

    Die erklären mir dann, dass sie anrufen weil sie ja gar nicht auf die Stelle passen, die Qualifikation schon Jahre her sei und sie überhaupt gar nicht geeignet seien. Ich würde ihnen doch sicher zustimmen, dass eine Bewerbung in diesem Fall gar keinen Sinn machen würde…?

    Das ist (bisher) das einzige Negative was ich von Kandidatenseite erlebt habe. Aber ich habe ja noch 25,30 Jahre in diesem Beruf vor mir… 😉

  7. Maik sagt:

    Ich kann hier nur zustimmen, was da von Bewerberseite geboten wird, ist nicht in Ordnung. Warum machen sie es so? Weil es so von den Arbeitgebern vorgelebt wird. Da wird gemauert, nichtssagende Floskeln verwendet und Unwissenheit wird erkennbar. HR kann oft nichteinmal erzählen, was die Schwerpunkte der neuen Stelle sind.

    Wenn eine Absage nach der Bewerbung kommt, habe ich jetzt erst bei einem Unternehmen erlebt, dass ehrlich die Entscheidung begründet wurde. Die Personalabteilung weiß es oft selbst nicht, andere Kandidaten waren „besser geeignet“. Auf die Frage, in welchem Bereich besser geeignet kommt Schweigen. Zusagen zum zeitlichen Ablauf werden ohnehin nicht mehr eingehalten, Hinweise dazu gibt es nicht.

    Und dann kommen noch die Suchkriterien hinzu: Berufserfahrung, Auslandsaufenthalt, beste Noten für eine Elternzeitvertretung von 1 Jahr. Ist ein Bewerber flexibel und würde für die Stelle umziehen, gibt es eine Absage aus Angst, dass wieder zurückgezogen wird. Hat der Bewerber genau die relevanten Erfahrungen, wird an der Motivation gezweifelt. Fehlt eine Erfahrung, wird am Können gezweifelt.

    Fazit: Die Arbeitgeber erfahren jetzt, wie sie selbst Arbeitnehmer behandeln.

    • Sini sagt:

      Mir gefällt Ihr Kommentar sehr gut, weil Sie mir aus dem Herzen sprechen. Ich bin selbst „wieder“ Personalerin im Recruitingbereich, nachdem ich 6 Monate arbeitslos war. Ich habe ca 70 Bewerbungen verschickt und wurde in den wenigen, ernst gemeinten Vorstellungsgesprächen immer wieder gefragt: „Wie kommt es, dass sie noch arbeitslos sind? Sie haben doch einen guten Lebenslauf.“ Tja, das dachte ich auch… Aber scheinbar gibt es im Personalbereich mehr Bewerber als offene Stellen (also KEINEN Fachkräftemangel), und es gab immer einen anderen Kandidaten, der doch wenig geeigneter war als ich. Die Jobsuche war teilweise sehr frustrierend, hier ein paar Auszüge:
      Um herauszufinden, ob ich meine Qualifikation überschätze und wie ich mich verbessern kann, habe ich nach den Absagen immer sehr freundlich um ein Feedback gebeten. Raten Sie mal, wie oft ich eines bekommen habe: 5 Mal! Entweder wurden meine wiederholten Anfragen ignoriert oder ich bekam Ausreden zu hören. Der Knaller: „Ich habe die Unterlagen zum Gespräch schon vernichtet“. Entschuldigung?! Dieses Gespräch lag nicht lange zurück, hatte über 2 Stunden gedauert und es gab nur wenige Bewerber. Hatte der Personaler zusammen mit den Unterlagen auch gleich jede Erinnerung vernichtet?!
      Platz 2 auf meiner Frust-Rangliste: Im Vorstellungsgespräch versprechen die Unternehmensvertreter, dass sie sich bis zu einem bestimmten Zeitpunkt melden. Aber dann verstreicht der Zeitpunkt und die Wochen gehen ins Land. Auf meine Rückfrage 4 Wochen später erhalte ich diese Antwort: Wir haben die Anforderungen an die Stelle geändert und Sie kamen nicht weiter in Betracht. Für geänderte Anforderungen habe ich absolutes Verständnis, aber keine Absage oder Rückmeldung zu geben, ist nicht die feine Art. Dieses Unternehmen hat übrigens schon mehrfach Auszeichnungen für seine vorbildlich gestalteten Kariereseiten erhalten….
      Auf Platz 3 ist der Absagegrund, dass ich ja keine Erfahrung in den gewünschten Bereichen habe. Äh, wie bitte? In meinem Lebenslauf ist eindeutig zu lesen, dass ich diese und jede Aufgaben, die in der Anzeige beschrieben sind, schon gemacht habe. Besonder ärgerlich, da ich die Key-Wörter aus der Anzeige übernommen hatte, um eindeutig dazustellen, dass ich mich mit den Themen auskenne.
      Die Könige der Nicht-Bescheidgeber sind übrigens die Personalvermittler. Ich wurde gerne zu Kennenlerngesprächen eingeladen und mein Lebenslauf wurde an Unternehmen weitergeleitet, von denen sie einen Suchauftrag hatten. Also keine Kaltakquisen. Was habe ich gelernt? Rechne niemals mit einer Absage und oder einem Status-Feedback, wenn sich der Recruitingprozess beim Kunden verzögert. Nachfragen von den Bewerbern zum aktuellen Stand verbitten sich einige Personalvermittler ausdrücklich, sei es durch Hinweise in den Eingangsbestätigungen oder auf der Webseite. Mir ist bewusst, dass die Personalvermittlung ein hartes, schnelllebiges Geschäft ist und die Vermittler ständig zu wenig Zeit haben. Aber das Produkt, das sie vermitteln, ist ein Mensch, der denkt und fühlt.
      Dieser Mensch ist irgendwann frustriert und ist es leid, sich immer devot und hochmotiviert zu präsentieren. Damit bin ich beim Punkt: Ich wurde von der Mehrheit der Unternehmen respektlos, manchmal auch erniedrigend behandelt. Nach ca. 5 Monaten wurde ich nachlässig bei meinen Bewerbungen und bspw. habe die Unternehmenswebseiten nur noch selten angeschaut, weil nur in 1 von 20 Gesprächen danach gefragt wurde.
      Aber ich stimme auch zu, dass gewissen Nachlässigkeiten von Bewerbern nicht akzeptabel sind….

      • Hallo Sini, vielen Dank für diesen Einblick in die eigenen „Leidenszeit“. Ich kann/will hier nicht auf jeden Kommentar eingehen, das würde den Rahmen sprengen. Aber ich sehe schon, da ist viel Frust „in der Luft“. Auf beiden Seiten. Das werde ich auf jeden Fall noch einmal aufgreifen. Auf jeden FAll müssen wir es hinkriegen, dass beide Seiten aus dieser Spirale rauskommen. Das wird noch ein langer Weg … Herzlichen Gruß, Henrik Zaborowski

  8. Vielen Dank für den interessanten Beitrag, gerade auch für den offenen Brief. Jedoch muss ich ehrlich sagen, dass sich mein Mitleid in Grenzen hält. Natürlich gibt es Dinge die passieren, die nicht nett oder auch nicht wertschätzend sind. Aber ich denke, es ist eben der Job der Personaler mit diesen neuen Herausforderungen umzugehen.

    Es ist meiner Ansicht nach auch das Recht der Bewerber, sich die für sie beste Stelle auszusuchen. Dabei kann es auch zu Verschiebungen kommen, so dass einem Arbeitgeber, dem man eigentlich zugesagt hat, eben etwas später im Prozess wieder abgesagt wird. Das ist nicht unverschämt, sondern Ausdruck der Suche nach einem passenden Job. Andersrum treffen Verantwortliche in den Unternehmen bei Entlassungen ja auch ihre für sie rationalen Entscheidungen. Da sehe ich es wie Jochen Mai.

    Natürlich bin ich sehr dafür, dass beide Seiten wertschätzend und ehrlich miteinander umgehen. Unhöflichkeiten muss man nicht unwidersprochen hinnehmen. Aber der Wandel im Einstellungsprozess ist wohl Tatsache und gehört zum Job dazu. Wegen Schwierigkeiten zu jammern hilft nicht weiter.

  9. Gerade in der Jobfindungsphase und im Recruiting müssen beide Beteiligte sich fair und offen verhalten. Dazu gehört es als Arbeitgeber natürlich authentisch zu sein und zu wissen, wen man will. Gleiches gilt für den Bewerber (obwohl der Begriff in 2.0 ja überholt sein soll).
    Als Berater für meine Kunden haben ich derartiges noch nicht erleben dürfen. Allerdings wundere ich mich, dass man dann dem Kandidaten acht Monate hinterherläuft. Das gilt eigentlich nur bei Spitzenpositionen (Head Hunting).
    Noch glaube ich auch nur bedingt an den Fachkräftemangel in der Generation Y. Ich denke, dass die jungen Absolventen sich selbst überschätzen. Und die Unternehmen auch selbst voreingenommen sind, ob ihrer Rolle. Mein Beitrag dazu war der folgende: http://www.scheidtweiler-pr.de/anneli-botz-kotzt-sich-mal-so-richtig-ueber-die-medienbranche-aus/

  10. Mario Loosch sagt:

    Danke für den Debattenbeitrag. Ich glaube gerne, dass Sie all diese Charaktere schon erlebt haben, möchte aber trotzdem widersprechen.

    Ich bin selbst ein Vertreter der jungen Generation und habe zu verschiedenen Gelegenheiten bereits dutzende Bewerbungen geschrieben, mich mit vielen Bewerbern ausgetauscht, mich in einschlägigen Foren und Blogs informiert, war auf Recruiting-Events und Jobmessen, habe eine zeitlang mit einer Karriereberatungsstelle zusammen gearbeitet und hatte selbst einmal die Gelegenheit, einen Bewerbungsprozess aus der Perspektive der HR-Abteilung zu begleiten. Ich habe also diverse Erfahrungen mit dem Bereich der Bewerbungen gesammelt und möchte einmal eine Lanze für den Bewerber selbst brechen. Vor allem für den Bewerber der jungen Generation – Schüler, Auszubildende, Studenten und Absolventen.

    Jan Pötzscher schrieb in einem Kommentar, dass die Bewerber heutzutage den Respekt verloren hätten, den die Bewerber früher gehabt hätten. Meine Beobachtung ist das genaue Gegenteil. Der Arbeitsmarkt ist härter geworden und unberechenbarer. Die Anforderungen sind gestiegen und die Bewerber müssen sich darauf einstellen? Wir haben keinen Respekt mehr? Wir haben eine Heidenangst, einen Fehler zu machen und bemühen uns um Perfektion.

    Wer sich heute bewirbt, der stößt erst einmal auf Tausende Ratgeber zum Bewerbungsprozess. Wir sind bemüht, uns daran zu halten, die Formalia einzuhalten. Das fängt schon bei der Anrede an. Die Stellenanzeigen, die häufig unpräzise und allgemein sind, enthalten oft nicht einmal den Namen des Ansprechpartners, aber wir Bewerber müssen ihn unbedingt kennen. Uns wird eingeredet: Fehlt der richtige Name, werden wir aussortiert. Also durchforsten wir die Internetseiten nach dem richtigen Ansprechpartner. In manchen Fällen werden wir dann aber auch nicht fündig. Vermutlich sollen wir dann bei dem Unternehmen anrufen und uns den Namen geben lassen. Schade nur, dass zum Teil noch nicht einmal eine Telefonnummer angegeben wird. Wir müssten also erstmal die Infohotline wählen, um hoffentlich irgendwann zu jemandem durchgestellt zu werden, der uns den Namen des Ansprechpartners verraten kann. Ich habe einmal eine halbe Stunde lang am Telefon gesessen, um diese eine Information zu bekommen. Ich kann den anderen Vertretern meiner Generation dann nicht verübeln, dass einige sich dieser Tortur nicht hingeben.

    Wir recherchieren also den Namen des Ansprechpartners, nur um dann festzustellen, dass das zwar eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung ist. Denn es kommt auf viel mehr Dinge an. Zumindest wird uns das immer eingeredet. Und so verbringen wir Stunden damit, herauszufinden, ob wir schreiben sollen „Ich würde mich über eine Antwort freuen“ oder ob wir schreibens ollen „Ich freue mich auf Ihre Antwort“. Wir verbringen Stunden damit, herauszufinden, ob wir uns nur freuen oder ob wir uns sehr freuen.
    Soll der Einleitungssatz ein Eye-Catcher sein? Wie kreativ soll ich sein? Kommt ein Foto auf den Lebenslauf oder auf das Deckblatt? Aufkleben oder aufdrucken? Lieber die rote Krawatte oder die Blaue? Schließen wir mit freundlichen Grüßen oder mit einem freundlichen Gruß ab?

    Wenn wir die formalen Vorgaben auswendig gelernt haben, geht es ans Inhaltliche. Denn wir haben längst gelernt, dass ein Bewerber heutzutage fließend Englisch, Französisch, Spanisch, Russisch und Mandarin sprechen muss, seinen Master in der Regelstudienzeit abgeschlossen, viele mehrmonatige Praktika absolviert, einen einschlägigen Werkstudentenjob gehabt und den Zivildienst abgeleistet haben müssen. Nebenbei wird noch mindestens ein Ehrenamt erwartet, idealerweise haben wir noch zwei Stipendien vorzuweisen, die Noten sind top und im Übrigen sind wir am Besten nicht älter als 23.

    Die Erwartungen an die Bewerber sind quasi unerfüllbar, aber wir versuchen uns anzupassen. Wir machen uns krumm. Ich war selbst im Vorstand einer studentischen Initiative und jedes Semester kamen die Erstsemester und fragen, was sich bei uns denn im Lebenslauf besonders gut verkaufen lässt. Wir versuchen, die eierlegende Wollmichsau zu sein, die die Personaler erwarten. Und häufig sind wir nah dran. Wir bewerben uns. Und werden abgelehnt. Wieso? Das werden wir nie erfahren.

    Hinzu kommt, dass die Erwartungen an uns widersprüchlich sind. Das zeigt sich auch in dem Text der anynoymen Personalerin. Denn, egal wie wir es machen, wir machen es falsch. Wenn wir einen Termin absagen, dann wird das als respektlos aufgefasst, wenn wir uns gar nicht mehr zurückmelden ebenfalls. Was, zum Teufel, sollen wir denn tun, wenn wir einen Termin nicht einhalten können? In jedem Fall ist der Personaler wütend und wir sind für die Stelle verbrannt.

    Also bemühen wir uns, alle anderen Termine zu verschieben. Der lang geplante Zahnarzttermin? Der muss leider zurücktreten. Geburtstag der Mutter? Unwichtig! Das Bahnticket kostet (hin und zurück) 100 Euro? Es ist ja wohl zu erwarten, dass wir die mal eben vorstrecken – für jedes Vorstellungsgespräch, das wir in den nächsten Monaten führen werden. Wenn man zu fünf Gesprächen eingeladen ist, dann läppert sich das schnell mal auf 500 Euro oder mehr. Die man aus der Portokasse mal eben beisteuern soll, während die Unternehmen sich oft genug davor drücken, die Kosten zu übernehmen.

    Ich habe für ein Vorstellungsgespräch einmal Bahntickets für 80 Euro kaufen müssen. Das Unternehmen ist verpflichtet, das zu übernehmen. Das Gespräch war vor einem Jahr. Ich versuche noch immer, mir das Geld zurück zu holen. Vermutlich werde ich wohl klagen müssen. Soviel zum Thema Respekt.

    Der Bewerber 2.0 tut alles, was er kann, um eingestellt zu werden, und scheitert dann doch an der Arroganz und dem Starrsinn der HR-Abteilungen, die sich nicht die Mühe machen, sich um die Bewerber zu kümmern. Ihnen springen die Bewerber ab? Dann fragen Sie sich besser einmal, wieso. Denn nach meinem Eindruck versucht oft genug der 1. FC Bad Kötzting einen Manuel Neuer oder Lukas Podolski zu verpflichten. Und wundert sich dann, dass dieser lieber die Champions League gewinnen will, als seine Talente in der Landesliga zu verschwenden. Ich bin mir sicher: Die besten Unternehmen bekommen die besten Bewerber. Wenn Sie gute Leute wollen, dann müssen Sie aus der Amateurliga aufsteigen und sich unter den Profis behaupten.

    Liebe Personaler,

    während meine Elterngeneration oft schon nach einem kurzen Telefonat zum Vorstellungsgespräch eingeladen wurde, müssen wir heute durch die Bewerbungs-Hölle. Und das viele, viele Male, bevor wir irgendwann einmal einen Treffer landen. Wir zeigen mehr Einsatz, als alle Generationen zuvor und uns wird nur mit noch mehr Arroganz begegnet. Wenn ihr ein Problem mit uns habt, dann ist das eure Schuld und nicht unsere!

    • Vielen Dank für diesen, auch wieder sehr betroffen machenden, Kommentar. Ich teile Ihre Erfahrung/Sicht bzgl. der „jungen Generation“. Da ist vor allem erst einmal sehr viel Anpassung im Spiel. Oft ohne Gegenleistung seitens der Unternehmen. Ich glaube, ich muss dieses Thema nochmal in den nächsten Wochen vertiefen! Vielleicht auch mit Ihnen? Herzlichen Gruß, Henrik Zaborowski

    • Sini sagt:

      Hallo Mario! Danke für den Beitrag. Er beschreibt genau meine Erfahrung, nur in schönere Worte gefasst. Noch eine Ergänzung: nachdem das Anschreiben steht und der Lebenslauf auf die offene Stelle angepasst wurde, muss man sich durch Online-Bewerbungsformulare quälen, die gerne 3 Stunden oder mehr schlucken. Was daran so zeitfressend ist? Das Anlegen der einzelnen Einträge für alle Stationen, Fähigkeiten und Kenntnisse. Das summiert sich bei mir auf 30 Einträge, gerne auch mit taggenauem Start- und Enddatum. Außerdem muss man sie Kategorien zuordnen, die man teilweise nicht versteht und von den Unternehmen auch nicht erläutert sind. Selbstverständlich der Texte nach dem Einfügen immer neu formatiert werden. Das ist eine Fleißarbeit.
      Natürlich ist mir klar, dass Unternehmen mich mit den Eingabemasken nicht ärgern wollen und diese entwickelt haben, um Bewerbungen selbst effizient verarbeiten zu können. Aber es ist verdammt zeitraubend und ermüdend. Daher bin ich nach 5 Monaten Vollzeit-Jobsuche (also Arbeitslosigkeit) dazu über gegangen, die Datenbanken nicht mehr richtig auszufüllen. Aber ich weiß selbst, dass ich als Recruiterin genau diese Bewerber als erstes aussortiere, weil sie sich offensichtlich keine Mühe geben… Meine Lösung war dann, mich nur noch bei Unternehmen zu bewerben, denen ich meine Unterlagen per eMail oder direktem Upload schicken konnte.

      Herr Zaborowski, ich finde es großartig, dass Sie den Brief der anonymen Bloggerin veröffentlicht haben. Eine schöne Möglichkeit, unsere Erfahrungen auszutauschen. Vielen Dank dafür.

      • Hallo Sini, ich bin überrascht über die emotionalen Reaktionen – und freue mich, dass sich das so entwickelt. Von daher: Sehr gerne 🙂 . Schade, dass sich nicht noch mehr „Personaler“ finden, die Anonymous Bloger zur Seite treten. Vielleicht nächste Woche?! Herzlichen Gruß und ein schönes WE, Henrik Zaborowski

  11. Hier bin ich und trete Anonymous Bloger zur Seite. Eine umfangreiche Sammlung von Erlebnissen mit Bewerbern der “dritten Art”, wie sie Anonymous Bloger schildert, habe ich in meinem Buch “So bleiben Sie erfolgreich arbeitslos” verarbeitet – und zwar einmal von ganz anderer Seite beleuchtet. Bitte beachten: Das Buch könnte Spuren von Ironie enthalten.

    Aber Spaß beiseite: An einem Konflikt ist niemals nur eine Seite schuld. Es gibt auf beiden Seiten Licht und Schatten, auf seiten der Bewerber wie auf seiten der Unternehmen. Auch die Klienten, die ich als Outplacement- und Karriereberaterin betreue, erleben manchmal respektloses und sogar “erniedrigendes” Verhalten (Kommentar von “Sini”). Aber häufiger erleben sie das genaue Gegenteil:

    Eingehende Absageschreiben sind offensichtlich individuell abgefasst und vermitteln Wertschätzung. Der Geschäftsführer eines Unternehmens ruft den Bewerber persönlich an, um sein Bedauern darüber auszudrücken, dass er im Moment keine passende Stelle frei hat. (Ja, das passiert tatsächlich öfter.) Zusammen mit der Absage erhält der Bewerber einen Tipp, bei welchem anderen Unternehmen er es einmal versuchen könnte. Und in den allermeisten Fällen erstattet das einladende Unternehmen anstandslos die Fahrtkosten, zumindest wenn man danach fragt …

    Ganz sicher hängt diese respektvolle Behandlung damit zusammen, dass meine Klienten sich eben nicht so verhalten wie die Beispiele der anonymen HRBlogerin. Sie geben sich mit ihren Bewerbungen die allergrößte Mühe und werden auch nach Rückschlägen nicht nachlässig. Das fängt bei der Auswahl der angeschriebenen Unternehmen an und hört bei der gründlichen Vorbereitung des Vorstellungsgesprächs nicht auf.

    Anlässe zu berechtigter Frustration gibt es auf beiden Seiten, bei den Personalern ebenso wie bei den Bewerbern. Aber da wir andere Menschen nicht ändern können, wäre es vielleicht ein guter Schritt, wenn jeder bei sich selbst anfängt …

    • Wunderbar, vielen Dank! Und das an einem Samstagabend 🙂 Schön zu lesen, dass es auch positive Unternehmensbeispiele gibt. Ich kenne ja auch ein paar … Ob es allerdings daran liegt, wieviel Mühe sich die Bewerber geben? Es sollte ja eigentlich unabhängig davon sein. Sie haben Recht: Es ist immer meine Entscheidung, wie ich meinem Gegenüber begegne. Auch wenn er/sie mich nicht genauso behandelt.
      Schönen Abend, Henrik Zaborowski

  12. […] überfällige Diskussion findet im Blog von Henrik Zaborowski statt, unter der Überschrift: „HR schlägt zurück“. Die Recruiterin „Anonymouse Blogger“, genervt von der stetigen Kritik an HR, schildert das […]

  13. Hallo Henrik,

    da wurde ja eine spannende und längst überfällige Diskussion angestoßen, die mich denn auch zu einem längeren Blogbeitrag animiert hat.

    http://blog.helge-weinberg.de/2014/hr-tauziehen-was-recruiter-von-hamburger-wohnungssuchenden-lernen-koennen/

    Mehr davon!

    Beste Grüße aus Hamburg, Helge

  14. Lieber Bewerber 2.0,

    nach der ‚Angewandten Philosophischen Betrachtung systemischer Zusammenhänge‘
    noch an ein paar Worte an Dich, über den es hier geht bzw. gehen soll (1).
    Nachdem du sorgfältiges individuelles Anschreiben formuliert hast und Dutzende an immergleichen Formularfeldern im Online-System über Dich ergehen liesst, kommt folgendes Antwort-Schreiben:

    „Vielen Dank für die Zusendung Ihrer Bewerbung und das damit verbundene Interesse an /XYZ/ in unserem Hause. Die Prüfung und Beurteilung wird etwas Zeit in Anspruch nehmen. Aus diesem Grund bitten wir um Ihr Verständnis und etwas Geduld. Wir werden uns schnellstmöglich wieder mit Ihnen in Verbindung setzen“

    Normalerweise kommt dann wochen- oder gar monatelang nichts mehr – trotz sog. Fachkräftemangel und der erklärten Absicht jemand einzustellen,
    *weil* die Mitarbeiter die Arbeit nicht mehr alleine bewältigen können.

    Unser Änderungs-Vorschlag um Dir zu zeigen, daß wir Dich ernst nehmen, lautet:
    Der Personalsachbearbeiter öffnet in 2 min(!) deine Bewerbung und schickt Dir eine *personalisierte* Mail:
    „Danke für Deine Bewerbung. Wir freuen uns über Deine Kenntnisse in /XYZ/ und Erfahrungen bei /XYZ/. Erfahrungsgemäß haben wir viele Bewerber und es dauert bis zu 4 Wochen bis wir eine Entscheidung treffen können.
    Ich bin Dein persönlicher Ansprechpartner und stehe Dir jederzeit unter der Tel.Nr. 123456 für Auskünfte zur Verfügung.
    Solltest Du nach spätestens 4 Wochen noch nichts von uns gehört haben, haben wir uns leider für eine Mitbewerberin entschieden“

    Die Handlungsaufforderung und -Vollmacht wird an den Kandidaten zurückdelegiert und entlastet die Personalabteilung massiv.
    Vor allem aber werden die Bewerber als Individuum wahrgenommen und auf Augenhöhe behandelt.
    Die ’natürliche Scheu und Hürde‘ bei der Personalchefin anzurufen ist aufgehoben (2).

    Der Recruiting-Kindergarten geht aber meist anders weiter.
    Nach Monaten kommt unvermittelt ein Schreiben von einer Firma /XYZ/ bei der man sich irgendwann mal beworben hat:
    „Es ist uns nicht leicht gefallen, unter der Bewerbervielzahl eine Entscheidung zu treffen.
    Insbesondere im Hinblick auf die nahezu gleichwertigen Qualifikationen der Einzelnen.
    Nach intensiver Prüfung und langer Diskussionen haben wir uns jedoch für einen anderen Bewerber entschieden, der unseren Anforderungen und Vorstellungen im besonderen Maße entspricht.
    Die Tatsache, dass unsere Entscheidung nicht auf Dich fiel, bedeutet kein Werturteil über deine persönlichen oder fachlichen Qualifikationen.
    Bitte habe Verständnis dafür, dass aufgrund der vielen qualifizierten, hochwertigen Bewerbungen oft nur Details enscheidend sind.
    Für deine weitere berufliche Entwicklung wünschen wir Dir alles Gute und viel Erfolg“

    Natürlich sind die Argumente prinzipiell richtig. Die Beleidigung liegt darin, daß erneut eine langweilige, lächerliche Standardantwort kommt, die political correct erscheint, welche jedoch die Bewerber ’natürlich‘ in ihren Qualifikationen abwertet.
    Allerdings aus einem ganz anderen Grund als gemeinhin vermutet wird.
    Das weit verbreitete Unvermögen, eine qualifizierte Personalauswahl jenseits des Ähnlichkeits-Prinzips zu treffen, heißt unverblümt: Alle sind etwa gleich gut, aber die eine Nase hat uns besser gefallen, sprich:
    /Nichts als der reine Zufall/ hat zu unserer Entscheidung geführt (3).
    Auf den Punkt gebracht: Betriebswirtschaft ist eine Gabe, die leider bei Unternehmern(sic!) gar keine Rolle spielt.
    Nicht Deine Qualifikation und Deine Kenntnisse und Erfahrungen in XYZ oder Dein Engagement
    und Deine Leidenschaft spielt eine Rolle sondern die erhoffte Durchschnitts-Persönlichkeit des
    ‚extrovertierten Försters und des TEAM-orientierten Leuchtturmwärters‘.

    1) Angewandtes Talentmanagement in Abwesenheit des Hauptdarstellers:
    http://ed.iiQii.de/gallery/Die-iiQii-Philosophie/TalentManagement_personalmesse_nord

    2) Daily Dueck 212:
    http://www.omnisophie.com/dd212-unnoetige-angst-des-schuechternen-vor-dem-alphatier-maerz-2014/

    3) Tüftler, NERDS, Innovation – „Wir wissen, daß es diese Gruppen gibt“:
    http://ed.iiQii.de/gallery/Die-iiQii-Philosophie/NERDS_worldcat_org

    Inkognito – Bewerbung im eigenen Unternehmen:
    http://ed.iiQii.de/gallery/KeyPerformance/MartinGaedt_younect_de

    „Wie er das tun würde. Wann er damit anfangen und wann er damit fertig sein könne“:
    http://ed.iiQii.de/gallery/KeyPerformance/HomoHeidelbergensis_sciencedaily_com

    Effektive Arbeitszeit – 20 min am Tag:
    http://ed.iiQii.de/gallery/Querdenkerinnen/SH_svenja_hofert_de

  15. Liebe Leser und Blogger-Community,

    ganz herzlichen Dank für die zahlreichen Reaktionen auf diesen Artikel. Ich konnte & kann aktuell aufgrund anderer Termine nicht unmittelbar auf alle eingehen. Sorry dafür. Spannend aber auch zu sehen, wie andere HR Blogger das Thema aufgreifen. Herzlichen Dank für dieses Engagement. Ich werde das alles noch mal zusammenfassen.

    Eines möchte ich aber ganz deutlich hier und jetzt betonen: Es gibt einen Weg aus diesem Desaster! Und der hat vor allem mit dem mindset jedes einzelnen zu tun. Ich bin selber ein Freund deutlicher Worte, darum schätze ich es sehr, dass hier (auch in manchen Forumlierungen) die „Seele ein wenig überschäumt“. Nur so kommen ja die echte Probleme ans Tageslicht. Und die liegen in der Regel weder beim einzelnen Bewerber noch beim einzelnen Recruiter. Wir haben ein Problem im System und sind ja selber „Kinder“ dieses Systems. Darauf werde ich in den nächsten Tagen mal genauer eingehen. Es ist mir schlicht zu „billig“, mit dem „wie du mir so ich dir“ zu argumentieren. Das können wir besser.

    Also. bleiben Sie „dran“. Ich mache ich bald an die Arbeit!

    Herzlichen Gruß,
    Ihr Henrik Zaborowski

  16. HRBlogerin sagt:

    Hallo, da melde mich auch noch mal zu Wort. Wer hätte das gedacht 15 Wortmeldungen auf Grund eines „Jammerschreibens“ einer HR-Managerin. Danke dafür! Da habe ich wohl offensichtlich einen wunden Punkt getroffen.

    Ich will nicht jeden Beitrag hier kommentieren, aber eine kurze Anmerkung habe ich dann noch:
    Aussagen wie „die Geister die ich rief“ oder „selber Schuld Ihr Unternehmen, die Bewerber schlagen jetzt zurück“ erinnern mich doch stark an „Sippenhaft“. Oder um es noch pauschaler zu sagen: “Unternehmen zeigen keinen Respekt, also zeige ich Bewerber kein Respekt dem Unternehmen.“ (und umgekehrt). Wollen wir diese Aussage beispielhaft auf unseres tägliches Lebens übertragen? Die
    Fleischwarenfachverkäuferin heute im REWE war nicht freundlich zu mir, ergo alle Fleischwarenverkäuferinnen sind unfreundlich und werden ab morgen entsprechend respektlos behandelt, egal ob REWE, EDEKA, ALDI, LIDL und Co.

    Ist das die Aussage? Sippenhaft für Alle? Ich hoffe nicht wirklich! Ich dachte Sippenhaft ist abgeschafft!

    Ich habe konkretes respektloses Verhalten von Bewerbern beschrieben, mit denen ich bzw. wir als Unternehmen im direkten PERSÖNLICHEN Kontakt standen. Sich tot stellen, unterzeichnete Verträge kündigen, kurzfristig Termine absagen oder nie einen gemeinsamen Termin finden wollen – stellen für mich einen Ausdruck von Geringschätzung meiner Person bzw. meines Unternehmens dar.

    Und genau wie ich am nächsten Tag NICHT alle Fleischwarenfachverkäuferinnen respektlos behandle, erwarte ich dass auch von Menschen die mit mir/uns im persönlichen Kontakt stehen. Ihre Wut auf dutzende erfolglose Gespräche, Standardabsagen, nicht nutzerfreundlichen Bewerbungsformularen, inkompetente HR-Manager, Wollmichsaulebenslauf fordernde Unternehmen können Sie anderweitig Luft machen. Am besten bei denen, die Ihre Wut verursachen. Damit wäre dann allen geholfen.

    Liebe Grüße
    HR-Bloggerin

    • Hallo HR-Bloggerin, schön von Ihnen zu lesen. Wäre ja schade, wenn Sie was anstoßen und wir dann nie wieder von Ihnen „hören“. Ja, wie ich selber gerade kommentierte: Dass „wie du mir so ich dir“ oder wie Sie es nennen „die Sippenhaft“ ist mir auch zu billig. Aber es zeigt (und auch Ihre Reaktion gerade tut das), wie verletzt offensichtlich die meisten Beteiligten sind. Und wenn wir „Schuldige“ suchen, müssten wir eigentlich gleich auch alle Autoren von Karriereratgebern mit in den Sack tun. Denn die haben in den Jahren den Bewerbern immer nur das Gefühl vermittelt, die Unternehmen seien perfekt und die Bewerber müssten alles richtig machen. Was völliger Quatsch ist. Aber wie auch immer … ich muss jetzt los und mache mich die Tage an die Aufarbeitung des Themas! Allen bei der Gelegenheit nochmal vielen Dank – und jetzt nicht verschwinden, sondern dran bleiben und weiter diskutieren. Demnächst hier. Herzlichen Gruß, Henrik Zaborowski

    • Maik sagt:

      Ich nochmal: Zu unterscheiden ist auch, die Menschen von HR werden dafür bezahlt, mit Bewerbern umzugehen. Die Bewerber nicht.

      Und wie Andreas Bersch schon schrieb: Natürlich muss ich einen Arbeitsvertrag zuerst unterschreiben und dann weiterschauen. Die Unternehmen pokern so sehr, dass nach einem ersten Gespräch noch alles offen ist. Selbst nach einem zweiten Gespräch ist oft noch mehrere Wochen unklar, wie sich das Unternehmen entscheiden wird. Außerdem wollen die Unternehmen ganz oft eine lange Probezeit, am Besten ist auch noch, den Vertrag auf zwei Jahre (vorerst) zu befristen. Bloß nicht an einen Bewerber binden. Da ist es nur natürlich, dass die Bewerber hiervon lernen.

      Auch hat es Mario Loosch gut erfasst: Wer in der Landesliga spielt, aber CL-Spieler sucht, wird langfristig kaum Erfolg haben und immer wieder neue Leute benötigen.

  17. […] “Generation X – geboren zwischen 1965 und 1978: ambitioniert, individualistisch, ehrgeizig”. Der Artikel ist von 2011 – aber bei mir hat sich daran nichts geändert. Im Gegenteil. Work-Life-Balance zu realisieren, fordere ich eher nicht vom Unternehmen ein – obwohl bestimmte Angebote natürlich wünschenswert sind – sondern ich sorge selbst dafür. Jedenfalls bisher. Liebe Unternehmen, wenn Ihr also noch nicht so weit seit, macht nichts. Ich mache das schon. Mein Leitspruch: “Loyalität ist Verantwortungslust, gewachsen aus Freiheit”. Ich habe Kapazitäten und ich komme garantiert zum Vorstellungsgespräch! […]

  18. Andreas Bersch sagt:

    Eigentlich wollte ich erst gar nicht meine laienhafte Meinung hier abgeben, aber ich dachte mir, wer in dieser unseren Welt heute bereits über 30 Jahre mit offenen Augen herumirrt, hat auch ein wenig mitbekommen.

    Die kurze Antwort:

    Ich sehe es bei diesem Thema wie mit einem Stück Fleisch, man kann es für 3,-, 5,-, oder 8,- Euro kaufen … wer erkundigt sich denn noch danach, wie es dem Tier in seinem Leben so ergangen ist, das als Spender diente? Es gibt diese Leute, aber es sind die wenigsten (so viel zum Thema ein Recruiter ist wie der ander, Ausnahmen gibt es immer), die meisten sparen lieber für den Porsche, nehmen das Stück für 3,- Euro. Wir leben ja bekanntlich in einer Geiz ist geil Zeit. Leider wird immer am falschen gegeizt. Genauso wird heute großteils doch auch bei Bewerbern etc. nur noch auf die Zahlen geachtet.

    Nun die lange Variante:

    Ich selbst gehöre zu den Bewerbern, das ist aktuell wieder akut, da ich studiert habe, nachdem eine Ausbildung als Industriekaufmann bei einem Firmen- / Stellenwechsel leider nicht mehr viel Wert ist, schon gar nicht wenn man durch einen Ausflug ins Beamtentum einen ungeraden Lebenslauf hat, und wer gibt schon freiwillig eine Beamtenstelle auf, fragen sich immer wieder viele Recruiter. Evtl. aus dem gleichen Grund, warum man mal schneller eine Stelle wechselt oder nicht super loyal zum Arbeitgeber ist. Nämlich aus dem Grund, das die Stelle zu einem nicht passt oder weil der Arbeitgeber nicht passt. Zum Glück vieler Arbeitgeber leben wir in einer Gesellschaft, in der ein großer Teil der Menschheit unter Druck und Angst lebt und daher häufig nicht leichtfertig die Stelle aufgibt, auch wenn sie denjenigen krank macht … ja hier wären wir im Burn-Out … aber warum ist das heute gefühlt oder tatsächlich schlimmer bzw. anders wie zu früheren Zeiten?

    Könnte es an einer mangelnden Wertschätzung etc, insbesondere von Seiten der Arbeitgeber liegen?

    Nunja, ich weiß es nicht genau und kann nur Vermutungen aufstellen.

    Jedoch zu meinen Erfahrungen. Ich kann etwas und tu mir äußerst schwierig einen Job zu finden. Ich vermute schwer, dass es am ungeraden Lebenslauf liegt, denn wenn man mit Personalern über die Qualifikationen spricht, stimmt alles. Alleine hier erkennt man doch schon, dass nicht Menschen gesucht werden, die man wertschätzt, sondern Maschinen, die nicht wechselwillig sind, auch wenn man am Maschinenöl spart.

    Aber wir waren ja beim Bewerbungsprozess. Ich kann hier nur den Vorrednern zustimmen, die das Fehlverhalten des Bewerbers beim Unternehmen sehen. Ich selbst würde mich als äußerst loyal einschätzen, jedoch schaue auch ich derzeit bei Bewerbungsprozessen eher auf meinen Vorteil. Nein, nicht weil ich das möchte, aber die Unternehmen lassen einem keine andere Wahl. Monatelange Wartezeiten, sei es bis man was hört, sei es zwischen hörne und Gespräch oder Absage, sei es zwischen Gespräch und Zusage, sei es zwischen Zusage und Vertragsversendung. Ich stelle fest, es dauert immer länger, wird immer unpersönlicher und man kann sich immer weniger auf irgendetwas in diesem Prozess verlassen. Wenn ich heute, genau den Job bei dem Unternehmen möchte, dann kann ich Monate lang keinen anderen Job annehmen, also muss ich gleich viel Bewerbungen losschicken, damit man irgendeinen Job (heute reden selbst Unternehmen vom Job und nicht mehr von dem Beruf = Berufung) bekommt. In diesem Moment kann ich doch gar nicht mehr nett zum Unternehmen sein. Würde der Bewerbungsprozess wie früher nur Tage bis wenige Wochen andauern, könnte ich viel gezielter nach einem Job suchen, wo der Bewerber zum Job und zum Unternehmen passt. Das kann ich heute nicht mehr. So nun bekomme ich 5 Tage vor dem Wunschgespräch einen Vertrag unter die Nase gehalten, also was machen? Darauf hoffen dass es klappt und wenn es nicht klappt, wieder monatelang warten auf Vorstellungsgespräche? Und in dieser Zeit mit dem Amt rumärgern, mit dem man eigentlich aus Stolz nichts zu tun haben will, aber irgendjemand muss die monatlichen Kosten zahlen? Nein, natürlich unterschreibe ich, obwohl ich denke dass es nicht optimal passt. Nun kann ich, wenn ich 5 Tage später den anderen Job bekomme doch nur den bereits unterschriebenen Vertrag absagen oder ich gehe das Risiko ein unglücklich zu werden … ich denke das Verhalten von Bewerbern ist größtenteils selbsterklärend …

    Natürlich gibt es auch wirklich unanständige Bewerber, es ist doch vielmehr ein gesellschaftliches Problem. Auch mir fiel zuletzt unter den Wirtschaftsstudenten auf, dass bei der Generation 18-24 Jahre nicht mehr sehr viele über gute Werte verfügen. Es ist dann wohl die Elterngeneration 40-55, die sicherlich auch häufig heute die Einstellungen vornimmt, die die Werte vermittelt hat. Es geht um Status und Zahlen. Menschlichkeit? Braucht man das? Menschlichkeit geht doch Hand in Hand mit der gegenseitigen Wertschätzung und mit nachhaltiger Unternehmensentwicklung, oder nicht?
    Genau diese junge Generation ist nur noch auf Leistung und Erfolg getrimmt. Einen Kaffee gemeinsam abends in der Stadt mit Freunden? Nein, sie müssen doch lernen und sich künstlich Stress machen, lieber zwischendrin ein wenig Cyber-Freundschaften pflegen.
    Und die Unternehmen? Die unterstützen das großzügig. Jede Bewerbung soll ein Unikat sein. Man nimmt sich viel Zeit. Aber gerade größeren Unternehmen reicht das nicht mehr. Man muss über mehr oder weniger gute, mehr oder weniger komplizierte Onlinebewerbungsbögen im kleinsten Detail alles was im Lebenslauf steht nochmals in kleine Fenster tippen. Es wird automatisiert nach Noten, nach bestimmten Kriterien schon mal vorweg aussortiert, wahrscheinlich auch, wenn der Bewerber schon mehr als 2 Arbeitgeber hatte. Also ist der ideale Bewerber eine Maschine, dessen gesamte Jugend für einen 1er Schnitt und das Ausfüllen von Onlinebewerbungsformularen für jeden einzelnen Job, bei dem das Auswahlverfahren Monate dauert und nur bedingt zum Erfolg führt, drauf geht. Hauptsache ist, die Zwischenmenschlichkeit bleibt vor der Türe. Es ist ja nicht, dass man den größten Teil seiner Zeit im Job lässt. Weitergespielt wird das ja später im Berufsleben, in dem Kollegen Kollegen sind, Freundschaften und persönliche Begegnungen sind häufig nicht gern gesehen …
    Nun gut, das war nun viel Geschriebenes von einem Laien ohne wirkliche Antwort, jedoch wünsche ich mir wieder mehr Menschlichkeit und schnelleres Arbeiten von HRlern. Bewerber werden mit kurzen Fristen unter Druck gesetzt und im Job muss man schenll und sauber arbeiten, mit hoher Qualität. Ich frage mich häufig, trifft das gerade in Großunternehmen auf die Personaler, welche eigentlich auch Angestellt und somit frühere Bewerber sind denn nicht zu? Oder sind diese überlastet mit dem vorfertigen von Standardabsagen? Wie wird denn genau gearbeitet? Gerade in großen Unternehmen?
    Ist das Bewerberanschreiben überhaupt noch das wichtigste?
    Am liebsten würde ich meine Bewerbung direkt persönlich vortragen, so soll das zu früheren Zeiten ja gewesen sein, und dann bekommt man zu hören, du gefällst mir, red weiter bzw. wann kannst du anfangen oder eben du gefällst mir nicht … apropos du gefällst mir nicht … das mit der Gesetzgebung ist auch so eine Sache, wobei hier HRler mehr Charakter zeigen sollten. Wenn ich eine Absage bekomme, würde ich doch gerne wissen, was nicht gefallen hat. Als Aussage den Standardsatz zu erhalten, ein anderer Bewerber wäre besser geeignet, kann man nicht so viel anfangen. Man sollte mal vor Gericht erfragen, ob Standardabsagen nicht auch eine Diskriminierung darstellen 🙂

    Zum Schluss kann ich noch ein tolles Beispiel nennen. Ein in Frankfurt ansässiger italienischer Automobilkonzern schreibt direkt in die automatische Antwort auf eine Bewerbung die Absage mit rein, falls man sich nicht binnen einer gewissen Zeit melden würde.

    Warum schreibe ich so viel emotionales? Nein, nicht wegen mir und meinem Bewerbungsärger. Aber wo geht das alles hin? Es arbeiten überall massig intelligente Menschen miteinander, warum muss man aber Angst haben, dass diese es schaffen, dass die Person selbst bald gar nichts mehr zählt, sondern nur noch „mein Boot, mein Auto, mein Haus“?

    Können wir hier alle nicht menschlich miteinander das Leben leben und natürlich im Broterwerb ein wenig Leistung bringen ohne die Menschlichkeit zu vergessen? Es liegt doch an allen, Recruiter, Chefs, Bewerber, dass man als Firma gemeinsam ein Ziel erfolgreich verfolgt, dass man gerne aufsteht und sich freu montags die Kollegen zu sehen, man sich unterstützt etc.? Wir können natürlich auch immer mehr die Maschinen die Bewerber auswerten lassen, damit morgen nur aalglatte Karrieretypen mit Ellenbogen die Kollegen ausbremsen beim Spurt auf den Thron.

    Wen mein relativ persönlicher und emotionaler Kommentar interessiert hat, danke fürs lesen. An alle anderen, ich habe erwähnt, dass es ein laienhafter Kommentar ist, welcher auf persönlicher Erfahrung und nicht auf wissenschaftlicher Literatur aufbaut.

    • Andreas Bersch sagt:

      Aja, noch vergessen:

      Ich denke, egal ob im Job oder im privaten Leben:

      Wir müssen alle wieder lernen, selbst Leidenschaft zu haben und diese auch bei anderen zu sehen, bzw. den anderen Fragen, was seine Leidenschaft ist. Denn die Leidenschaft macht das Leben doch lebenswert und lässt einen im Job gut sein. Es muss prickeln. Die Erreichung der gestellten Aufgabe sollte Ansporn sein und Spaß machen, nicht aus Angst vor einer Kündigung.

    • Vielen vielen DAnk für Ihren persönlichen Kommentar. Und was heißt hier „Laie“. Sie sprechen doch aus Erfahrung! Und außerdem, sind wir das nicht alle? Der Eindruck entsteht bei mir zumindest. Sie sprechen die die richtigen Punkte an, es fehlt die Menschlichkeit. Und der Mut, die Neugier, die Offenheit. Aber es gibt Gründe, warum diese fehlen. Ein Mensch entscheidet sich ja i.d.R. nicht dafür, in den Personalbereich zu gehen, weil er ein „harter Hund“ ist. Sondern „die Personaler“ sind ja eher „die netten, menschenzugewandten“ unter uns. Da ist im weiteren Prozess was schief gelaufen. So kurz von mir als direkte Reaktion. Mehr folgt. Herzlichen Gruß, Henrik Zaborowski

  19. Markus Väth sagt:

    Ein Problem ist das offensichtliche Machtgefälle zwischen Unternehmen und Bewerber. Ja, es heißt immer: Begegnung auf Augenhöhe. Aber Hand aufs Herz: Welches Unternehmen – und welcher Bewerber! – folgen diesem Selbstverständnis? Die wenigsten. Das Unternehmen ist Herr über den Prozess, das Geld und die Entscheidung. Eine schlichte und offensichtliche Tatsache – erste Perspektive.

    Zweite Perspektive: Interessanterweise bloggt die Ausgangsautorin als Personalerin anonym. Damit distanziert sie sich von der offensichtlichen Machtposition des Unternehmens. Warum? Vielleicht aus Imagegründen und weil sie Angst hat, für diesen Post eins auf die Mütze zu bekommen. Falls dem so ist: Dann ist sie – und HR – nicht an der Macht im Unternehmen beteiligt, sondern ebenfalls Spielball der „echten“ Fachabteilungen – die die Gestaltungsmacht haben. Ergo haben wir im Bewerbungsprozess zwei machtlose Parteien, die miteinander Spielchen spielen und ihr Handeln auf die unsichtbare dritte Abteilung (Fachabteilung) ausrichten.

    Denn – dritte Perspektive – der Bewerber ist in diesem Szenario der am ehesten machtlose. Auch wenn wir gerade die „wählerische Generation Y“ hypen oder den Fachkräftemangel proklamieren – der Bewerber ist in der Regel nur der Bittsteller und nicht die gleichberechtigte Partei in einer Verhandlung „Geld gegen Leistung“. Diese Gleichberechtigung existiert nur auf dem Papier, nicht in den Köpfen der Leute.

  20. Anika sagt:

    Hallo Zusammen,

    ich habe jetzt noch nicht alle Kommentare (WOW, scheint ein wichtiges Thema zu sein) gelesen, möchte aber jetzt auch mal von gerade erlebter Kategorie 1 berichten. Wir haben heute insgesamt 6 durchgetaktete Vorstellungsgespräche für unser Trainee-Programm. Und gleich der erste Kandidat sagt heute morgen für das Gespräch um 09:00 per Mail ab…. Ich hab dann erst mal in die Tischkante gebissen, vor Fassungslosigkeit. Denn die so vielumworbene junge Generation hat doch Smartphones, oder? Da kann man doch bitte einen Tag vorher absagen, oder? Per Mail, per Anruf, per sms, von mir aus auch per Brieftaube oder Rauchzeichen…

    Ja, ich weiß, dass sich manche Personalabteilungen gerne verstecken: keine Ansprechpartner in den Anzeigen, wochen- ja sogar monatelang keine Antworten, AGG-rechtliche-(sinnlose) Absagen, usw…. Ich habe mich auch mehrfach bewerben müssen in den vergangene Jahren und habe mich über solche Gepflogenheiten geärgert, denn ich als Bewerber habe immer versucht, es den Personalern so einfach wie möglich zu machen: ich habe anstatt 17 einzelner Dokumente fein säuberlich eine einzige pdf-Datei geschickt mit allen meinen Unterlagen. Auch ich habe mich durch unzählbar sinnhafte und weniger sinnhafte Fragen in Bewerbungstools gequält, auch ich habe Einverständniserklärungen unterschrieben und zurückgeschickt und ich möchte nicht wissen, bei wie vielen Firmen ich in irgendwelchen Bewerbungsdatenbanken als passender Bewerber für eine Position vor mich dahindümpele….

    Ja, HR hat viele Jahre eine gewisse Arroganz vorgelebt, aber liebe Leute, sind wir denn im Kindergarten und so unmündig, dass wir gleiches mit gleichem vergelten müssen?!?

    Auf beiden Seiten muss etwas passieren. Viele Personalabteilungen, gerade in mittelständischen Unternehmen (wo ja kaum jemand hinmöchte, es rufen ja nur noch TOP-Arbeitgeber…), geben sich sehr viel Mühe, ohne Bewerbungstools, den Recruitingprozess so transparent wie möglich zu halten, denn wir wissen, der Bewerber erwartet ein schnelles Feedback. Aber heißt das denn, dass ich als Unternehmen/HR-Abteilung keine Erwartungen stellen darf? Erwartungen, die eigentlich etwas mit Benimm, Anstand und Tugend zu tun haben – zumindestenes für mich und dafür möchte ich mich herzlich bei meinen Eltern bedanken!

    Wir erhalten unvollständige Bewerbungsunterlagen. Wenn Unterlagen vollständig geschickt werden, dann in 37 einzelnen Dokumenten, so dass ich mir die Reihenfolge selber zusammensuchen kann/muss, im Anschreiben wir der Hesse/Schrader rauf- und runtergebetet (gäääähn) und es fehlen geforderte Angaben zum Gehalt und zur Verfügbarkeit. Aber da wir ja ganz arg an Fachkräftemangel leiden, nehmen wir uns natürlich auch solcher Bewerbungen an (man bemerke den ironischen Unterton). So habe ich mich noch nie in meinem Leben bei einem Unternehmen beworben! Wenn man den Hesse/schrader schon kopiert, dann sollte man sich vielleicht die Mühe machen und auch den Rest des Buches mal lesen und nicht nur die Textbausteine des Anschreibens mittels Copy&Paste verwurschteln.

    Aber wie bereits oben erwähnt, gibt es auf beiden Seiten schwarze Schafe und für manch meiner Kollegen muss ich mich einfach fremdschämen. HR muss flexibler und schneller und transparanter und moderner werden. Und mit moderner meine ich keine noch komplizierteren Online-Bewerbungstools!

    HR muss sichtbarer werden, denn HR sollte ein wichtiger Teil der Unternehmensstrategie sein. Und in einer strategisch ausgerichteten Abteilung braucht es Macher, Andersdenker und Umdieeckedenker!

    Ich danke meiner Kollegin für diesen wichtigen Ansatz, der zu dieser noch wichtigeren Diskussion geführt hat! Nur so kann ein Austausch beider Seiten stattfinden!

    Ich freue mich auf weitere Kommentare!

    Herzliche Grüße
    Anika Zeimke

    PS: Gerade erreicht mich ein Anruf von einem Kandidaten, der in der letzten Woche am Freitag im Gespräch war und heute nachfragt, wo denn die Überweisung seiner Bewerbungskosten bleibt! Ich mach dann mal ne Kategorie 5 auf! 🙂

    • Hallo Frau Zeimke, herzlichen Dank, dass Sie „Anonymous Blogger“ mit diesen Praxisberichten zur Seite springen! Wir müssen weiter diskutieren! Mein Zwischenfazit kommt jetzt gleich. Herzlichen Gruß, Henrik Zaborowski

    • Andreas Bersch sagt:

      Hallo Frau Zeimke,

      zu ihrem Kommentar möchte ich bezüglich meiner Erlebnisse noch beisteuern:

      Ich gehöre zu jenem Bewerber, der eigentlich schon Anstand hat, und der es dem Personaler einfach macht, da ich die beworbene Stelle schließlich haben möchte, also:
      – viel Mühe ins Anschreiben und natürlich auch den Rest gesteckt, schon regelmäßig durch kompetente Menschen kontrollieren lassen -> Check
      – auf die richtigen Stellen beworben, praktische und theoretische Erfahrung (ok, perfekt sind die wenigsten) -> Check
      – auch bei mittelständischen Unternehmen beworben (kleine brauchen selten BWLer) -> Check
      – anständiger Umgang, eigentlich ja, außer von der Gegenseite war es unanständig -> Check

      Erfahrunge? Wie geschildert, furchtbar !!! Habe ich jemals einen wirklich tollen Bewerbungsprozess durchlaufen mit entsprechender Wertschätzung (und es waren auch schon ein paar)? Nein !!! Ok, die Stellen, bei denen gleich eine Absage kam, kann ich nicht beurteilen. Vielleicht gab es 1 oder 2 mal eine Ausnahme, ja und das waren genau die beiden Unternehmen, die nur kurzfristig eine Notlösung brauchten, wegen Umstrukturierung o.ä., die eben nicht an einer langfristigen Zusammenarbeit interessiert waren, was man durch den Willen den Job zu machen, leider zu spät erkannt hat. Wobei, noch eine gute Erfahrung, ein 5-Personen-Betrieb. Super menschlich. Aber: Trotz aller Menschlichkeit, um Bürohilfskraft zu sein, macht man kein BWL-Studium. Und nein, das hat hier im Moment nichts mit Hochnäsigkeit oder Gehaltswünchen zu tun, sondern mit einer Tätigkeit, die einem einfach nicht gefällt, sprich ein Maurer hat auch keine Lust in einem Büro Briefe einzutüten, auch wenn er den Job bekommt und die Firma sonst super ist.

      Zugegeben, ich habe natürlich auch etwas negatives für Personaler, wie oben schon geschildert. Ich war nicht nur in einer Firma, da ich freiwillig gewechselt habe, sei es im Handel wegen akuter Unterbezahlung gewesen oder sonst, weil es nicht gepasst hat, menschlich oder von der Tätigkeit. Und dann auch noch dieser Schlimme Ausrutscher, einmal aus der kaufmännischen Karriere raus und in ein komplett anderes Feld als Beamter. Trotz des darauf folgenden Studiums ein rotes Tuch für Personaler, oder wie sehen Sie das?

      Insofern, obwohl ich bereit bin Leistung zu bringen, loyal zu sein, mit dem Arbeitgeber durch dick und dünn zu gehen (insofern natürlich auch etwas zurückkommt), dennoch kann ich behaupten, sehr sehr selten anständig behandelt worden zu sein.

      Die Krone ist natürlich, wenn man dann ein positives Bewerbungsgespräch hatte für eine Werkstudentenstelle um 8 Euro in der Stunde, danach besagter HR-Prozess weiterläuft, es waren für diese hochtrabende Stelle eh schon 3 Leute, davon 2 hoch bezahlt, mit im Gespräch, dann kommen danach neue Leute ins Boot, ein riesen Kommunikationschaos entsteht, dadurch, dass sich nicht wei versprochen jemand gemeldet hat und man plötzlich aber einen Termin in der Personalabteilung gehabt hätte, von dem man nichts wusste, ja dann sagt man halt ab, weil es einem stinkt, für 8 Euro in der Stunde so einen Blödsinn mitzumachen … dann ist natürlich sofort HR dieser Firma stinkend sauer auf den Bewerber, so dass man sich trotz aller Gesetze nie wieder dort auf eine vernünftige Stelle bewerben muss.

      Oder wenn man im Gespräch bei einem bekannten Autobauer, der als Premium-BWL-Arbeitgeber gilt, ein Ja für das Praktikum bekommt, dann kommt Wochen oder Monate der Vertrag nicht, dann ruft man an, weil man ja anständig und gut erzogen ist, und fragt höflich nach, wo der Vertrag sei, 2 andere kleine Firmen hätten einen ja schließlich auch gerne als Praktikant, dann heißt es, der müsse schon raus sein, wieder vergehen Wochen, also nicht 2 sonder eher 6 Wochen, die anderen 2 Angebote waren keine Fakes, aber halt nicht so ideal für BWLer, dann sagt man halt nach Anruf und nochmaliger ewiger Wartezeit ab …. obwohl ein Ja da war.

      Bin also ich dieser böse Bewerber, der viel Zeit für seine Bewerbungen investiert hat, wenn die Firma von einem unter Zeitdruck was wollte, sofort gesprungen ist und dann nicht genug leidensfähig war und nach viel Chaos und Wartezeit der Firmen einfach frech war und dann abgesagt hat? Kein noch so netter HRler würde so lange auf Informationen eines Bewerbers warten, die eingefordert wurden, nicht einmal annähernd so lange. Anrufen würden auch die wenigsten. Da müsste der Bewerber schon extremes Insider-Wissen, also bares Geld für die Firma, besitzen.

      Na gut, ich bin naürlich auch kein 1er Schüler/Student … nie gewesen … aber ich würde als Unternehmer auch nie einen von der Sorte einsetzen … ok, für stupide Tätigkeiten ohne Außenkontakt ja … denn das können die … aber leben, mit Menschen umgehen, einem Kunden etwas verkaufen, so dass der Kunde nach einem Jahr wieder kommt … dafür muss man Mensch sein … hier wieder zurück zur eigentlichen Diskussion.

      Nun dürfen Sie mir kontern Frau Zeimke.

      Andreas Bersch

  21. Andreas Bersch sagt:

    Eine Anregung:

    Wäre es nicht in irgendeiner Form möglich, ein Netzwerk oder ein Forum zu schaffen, in dem sich Unternehmen und Bewerber finden können, die ernsthaft an eben den bereits öfters genannten Werten interessiert sind? Eben Menschen, die fachlich etwas können und gleichzeitig auch Mensch sind.
    Natürlich ist es schwierig hier diejenigen wiederum richtig einzuordnen und klar sitzen nicht gerade die guten Menschen in der Kirche in der ersten Reihe (wie man so schön sagt), aber wenn dies jemand steuern würde, der Ahnung vom Personalwesen und gleichzeitig Ahnung von Menschen hat? Unter Umständen müsste der Anstoß bzw. die große Unterstützung von Unternehmen kommen, die so etwas interessieren würde, denn von Luft und Liebe kann der „Betreuer“ dieses Netzwerkes auch nicht leben.

    Gibt es solche Überlegungen in Personalkreisen schon?

    Klar es gibt Foren wie Xing, aber auch hier gibt jeder erst einmal sein Bestes angepasst auf das große Haifischbecken Arbeitsmarkt. Daher wäre ein spezielles Netzwerk evtl. besser.

    Kleine Anregung. Vielleicht realisierbar. Vielleicht notwendig.

  22. […] noch mal einen obendrauf! Was da für eine Lawine an emotionalen Reaktionen auf den Artikel “HR schlägt zurück – oder: Wie Bewerber 2.0 die Recruiter in den Wahnsinn treiben” losbrach, damit hatte ich nicht gerechnet. Dabei war dieser von mir veröffentlichte  Brief […]

  23. Anika sagt:

    Lieber Herr Bersch,

    da konter ich doch gerne… Obwohl es mir schwerfällt, denn auch ich teiel Ihre Erfahrungen ein zu eins!

    Ich habe auch keinen gradlinigen Lebenslauf, ich bezeichne mich selber gerne als „kariertes Maiglöckchen“ 🙂 und ich gebe Ihnen Recht, dass der – nennen wir ihn mal „allgemeine Personaler“ lieber einen gradlinigen, für ihn sinnmachenden, leicht erklärbaren Lebenslauf auf den Schreibtisch bekommt. Undmit meinem nächsten Kommentar lehne ich mich furchtbar weit aus dem Fenster und ich hoffe, dass sich nur die Personalerkollegen angesporochen fühlen, auf die es zutrifft: Personaler sind Schnarchnasen! Um die Ecke denken und auch mal zwischen den Zeilen lesen haben viele wahrscheinlich über die Jahre verlernt. DENN: Personalabteilungen wurden häufig dazu erzogen, administrativen Dinge zu erledigen. HR hat in vielerlei Hinsicht ihren Spirit und die eigentliche Aufgabe verloren: mit Fingerspitzengefühl und Menschenkenntnis die richtigen Menschen für das Unternehmen zu finden!

    Ich finde die Diskussion sehr anregend und spannend und scheinbar auch notwendig! Die jetzige Zeit ist sehr spannend, da sich das Blatt sowohl auf Bewerberseite als auch intern in der Personalabteilungen wenden wird. Sicher wird der Change noch Jahre dauern und bei einigen Unternehmen wird sich auch nichts verändern, aber wenn nicht einer anfängt, dann wird sich nie etwas tun.

    Ich bin Personalerin mit Herzblut! Ich habe schon Zeitarbeit verkauft (jaa, die böse Zeitarbeit, aber ich war bei einem der guten Dienstleister und habe viele von der Zeitarbeit überzeugt!) udn im Outplacement gearbeitet. Und ich gebe Ihnen Recht: Mensch muss man sein! Schade, dass Sie BWLer sind… Satteln Sie um auf SAP und ich nehme Sie mit Kusshand! 🙂

    Ich freu mich auf feedback!

    Herzliche Grüße

    Anika Zeimke

    • Andreas Bersch sagt:

      Hallo Frau Zeimke,

      danke für die Reaktion auf meinen Kommentar. Insofern sieht man, dass in dieser Diskussion doch wieder die Menschen zusammenlaufen, die gar nicht so verschieden denken, denn ich habe ja doch mit Kritik an meinen Zeilen gerechnet, da ich häufig einfach unverblümt losschieße. Letztendlich kann man doch das Fazit ziehen, es gibt gute Personaler, leider zu wenige, und andere gut sind eingeschlafen. Hoffentlich wird es eine Wende geben, denn meines Erachtens braucht man eine kunterbunte Mischung. Wir brauchen die, die nicht viel denken, die, die geradlinig sind und aber auch karierte Maiglöckchen sowie Quertreiber im gesunden Maße. Gerade wenn man sich die Dinge gern aus anderen Perspektiven ansieht, stellt man leider zu oft fest, wie viele es sind, die als Lebensmotto haben, das war schon immer so, deswegen soll es auch so bleiben …
      Wenn man die Charaktere schön kombiniert, könnte man davon profitieren, die einen machen das was immer gleichlangweilig ist (meine Sicht der Dinge), denn das können Leute mit immer neuen Ideen und dem Drang Dinge zu verbessern nicht immer so gut (geb ich ja wirklich zu), dafür können diese sich eben um Neuerungen, Veränderungen etc. kümmern … hier sollte auch in den Stellen selbst noch viel passieren … nicht nur gefühlt, das belegen glaube ich auch schon Untersuchungen, verschenken Unternehmen extrem viel Kapazität beim Personal …

      Insofern hoffen wir, dass alles einen positiven Ausklang findet, aber es häufen sich auch gefühlt die Gruppierungen, die immer mehr wieder das Nachdenken und die Menschlichkeit fördern. Hier kann ich nur aus meiner Erfahrung berichten, Ausbildung von 99 bis 01 … ich wurde zum Denken angeregt, man wollte auch sehen, dass die Auszubildenden nachdenken, eben auch in der Schule, es wurde von Seite der Lehrer oder Prüfer noch provokant gefragt, man konnte nicht Schema X wiedergeben … Heute im Studium: Auswendiglernen ist gefragt, selbst in Denkfächern wie Mathematik … das bestätigen oft auch Professoren wie auch Lehrer, das Schulsystem fördert das Nicht-Nachdenken … ich denke hier muss auch noch etwas passieren, und sei es nur von Seiten der Eltern. Wenn ich hier im BWL-Kommilitonenkreis sehe, welch praktische Kenntnisse und welch Bezug zu Leben und Geld hier häufig vorhanden ist … dann hab ich schon Sorgen, ob das große Umdenken noch kommen wird.

      Aber auch ich, wie man merkt, finde diese Diskussion sehr anregend, interessant und auch wichtig. Für das Wichtig, müsste eine solche Diskussion einmal den Erfolg bekommen, wie sie es verdient hätte.

      Danke für das Angebot mit dem SAP 🙂 … das freut mich sehr. Auch für BWLer ist SAP kein unbekanntes Feld. Aber bei SAP wäre ich mir für meine Person im Moment gar nicht sicher genug, ob es mir nicht zu theoretisch ist, so bin ich doch eher praktisch veranlagt, warum ich auch eher in typischen Handelsfunktionen mit anfassbaren Produkten, wie dem Einkauf, dem Produktmanagement oder dem Vertrieb zuhause bin. Aber auch hier gilt, ob einem ein Aufgabengebiet wirklich zusagt, weiß man erst wenn man es macht. Und einen großen Teil an der Leidenschaft oder dem Gefallen steuern natürlich das Unternehmen und das Betriebsklima bei.

      Ich selbst bin natürlich auch stets für interessante Kontakte offen, sogar dann, wenn es nur einen persönlichen und nicht geschäftlichen Vorteil mit sich bringt.

      Auf weitere interessante Diskussionen, eine neue auf Basis dieser wurde ja durch Hr. Zaborowski bereits angestoßen.

      Freundliche Grüße aus bayrisch Schwaben.

      Andreas Bersch

      • Andreas Bersch sagt:

        und ich entschuldige mich für meine durch die spontan vielen geschriebenen Zeilen flüchtig aufgetretenen Grammatik- und Rechtschreibfehler, ich versichere, ich könnte es besser und hätte sie ausgebessert, könnte ich meine Kommentare bearbeiten 🙂

  24. Ellen Kaiser sagt:

    Ich beobachte die in den einzelnen Beiträgen beschriebenen Prozesse bereits seit fast 3 Jahrzehnten aus verschiedenen Perspektiven heraus: Als angestellte Recruiterin in der Personaldienstleistung, als selbstständige Personalberaterin/Personalvermittlerin, und auch als Bewerberin, selbst immer wieder auf Stellensuche. Und ich stelle fest, es hat sich sowohl der Rekrutierungsprozess auf Seiten der Personaler als auch das Bewerberverhalten deutlich gewandelt.

    Die Tätigkeit der Personaler wurde und wird immer mehr zur Fließbandarbeit: Rationalisiert, optimiert, normiert, durchgetaktet. Bewerber werden in Massen „durchgeschleust“, am besten sie tragen sich auch gleich selbst online in die Datenbank ein, dann sparen sie dem Unternehmen nochmal einen Personaler ein bzw. dem die Arbeit. Arbeit muss messbar sein, das ist letztendlich auch im Personalbereich angekommen. Die Zahl der Telefonate, die Zahl der Bewerbungsgespräche, die Zahl der Onlinebewerbungen und was weiß ich, was sich die Unternehmen noch so alles an Controlling- und Bewertungsmechanismen haben einfallen lassen, um zuletzt auch ihre Personaler unter Kontrolle zu haben.

    Das nette Gespräch bei einem Kaffee in der Couchecke, das habe auch ich (Generation „Babyboomer“ oder auch „Methusalem“ genannt) schon nicht mehr erlebt. Bewerbungsgespräche haben Gesprächsleitfäden zu folgen und dienen immer mehr dazu Defizite aufzuzeigen und in die Enge zu treiben anstatt Interessen und Talente ans Licht zu bringen. Die Stellenanzeigen sind unpersönlich und standardisiert, genauso sind es auch die Empfangsbestätigungen oder Absagetexte. Und aus Angst vor dem AGG dürfen nicht mal mehr Absagegründe genannt oder gar Beratungsgespräche geführt werden, selbst wenn es von Kandidaten/innen gewünscht wird (obwohl man es sonst komischerweise mit dem AGG nicht so genau nimmt).

    Entsprechend wurde der Bewerbungsprozess angepasst. Die Bewerbungsunterlagen müssen perfektionistisch ganz bestimmten Normen entsprechen. Zusätzlich beißt man sich stundenlang durch Onlineformulare durch. Mario Loosch und andere haben den kompletten Bewerbungsstress sehr treffend beschrieben, der natürlich auf alle Altersgruppen zutrifft.

    Allen Warnungen vor „demographischem Wandel“ und „Brain Drain“ zum Trotz, aber der „Fachkräftemangel“ ist auch aus meiner Erfahrung heraus nicht existent bzw. nur in ganz bestimmten Bereichen vorhanden. Schon meine Generation studierte in den 70 er Jahren, was Staat und Wirtschaft angeblich so dringend brauchten, um dann als Generation der akademisch ausgebildeten Taxifahrer in die Annalen der Geschichte einzugehen.

    Bei all dem ist der Mensch als Individuum auf der Strecke geblieben. Und die enorme Zunahme der Zeitarbeitsfirmen als Arbeitgeber, die „Hire and Fire“ zum Prinzip erhoben haben (und ich weiß wovon ich rede, denn ich war selber lange genug Mitglied des Systems), hat meiner Meinung nach nicht unwesentlich dazu beigetragen. Ganze Beschäftigungsbereiche und Berufszweige werden inzwischen fast ausschließlich über Zeitarbeit abgedeckt. In der Zeitarbeit werden diese Mitarbeiter übrigens als „Köpfe“ bezeichnet, was schon alles sagt!!

    Die Folge der ganzen Entwicklung: Der respektvolle und faire Umgang ist auf beiden Seiten abhanden gekommen, bei Personalern wie bei Bewerbern, und wir alle miteinander sind nur noch gefrustet (Ausnahmen bestätigen natürlich wie immer die Regel!)

    Ich bin froh Herr Zaborowski, dass durch Sie und HRBlogerin hier mal eine Diskussion zu dem ganzen Irrsinn in Gang gekommen ist, bezweifle aber, dass sich in unserer auf Effizienz getrimmten Arbeitswelt eine Abkehr initiieren lässt. Was den Umgang miteinander betrifft da kann nur jeder für sich entscheiden, ob er mitmacht oder seinem eigenen Ethik-Kodex folgt, sich höflicher Umgangsformen bedient und andere mit Respekt und Empathie behandelt.

    Für mindestens genauso wichtig aber halte ich es, wenn auch wir endlich die anonymisierte Bewerbung bekämen. Das würde sowohl bei Personalern als auch Bewerbern schon viel Druck rausnehmen, den Blick auf Wesentliches lenken und mit Sicherheit zu überraschenden Ergebnissen führen.

    Herzliche Grüße

    Ellen Kaiser

  25. Micha sagt:

    Was die BewerberInnen hier beschreiben, habe ich alles leider schon erlebt. Ich habe im Ausland gearbeitet und mich dort auch beworben, und ich kann sagen: Es geht auch anders.

    Mein Tipp wäre, dass Sie Ihre Erfahrungen unter **https://www.kununu.com/bewerten/bewerbung** bei der entsprechenden Firma einstellen, damit die Firmen mal sehen, wie (un)professionell sie sich verhalten haben. Ich habe angefangen, dies zu tun, und habe neulich 5 Bewertungen — gut wie schlecht — eingestellt. 🙂

    Dieser Weg ist momentan der einzige, den Firmen direktes Feedback zu geben.
    Einige Personaler werden u. U. diesen Blog oder das Buch von Martin Gaedt lesen, aber sich dann denken „Das trifft ja bei uns nicht zu“ und dann das Buch zum Verstauben ins Regal stellen.

    Allen BewerberInnen – einschließlich mir 🙂 – wünsche ich viel Erfolg. Das ganze ist ein frustrierender und erniedrigender Prozess, vor allem, wenn man arbeitssuchend ist.

    • Hallo Micha, ja, Kununu und andere Portale sind auf jeden Fall ein Anfang bzw. eine Möglichkeit. Ich stehe dem Prinzip zwar etwas skeptisch gegenüber, aber gerade bei den Bewertungen des Bewerbungsprozesses dürfte so ein Feedback sehr hilfreich sein! Also, dann mal los! Herzlichen Gruß, Henrik Zaborowski

  26. P. sagt:

    Was mich persoenlich als Bewerber am meisten stoert sind standardisierte Antworten. Mein Lebenslauf ist weitab von gerade. Bei Unternehmen, die aus der Startup Phase raus sind bewerbe ich mich nur noch selten. Da dort in der Regel die Anforderungen und der Aufwand fuer die Bewerbung das Ergebnis bei weitem uebersteigt.

    Gluecklicherweise habe ich sehr frueh entschieden, dass das Geniessen meines Lebens mit einer maximalen Diversivikation mehr Bedeutung hat, als der formelle Lebenslauf. Umso mehr kann ich andere Bewerber verstehen, die sich Unternehmen genauso asozial verhalten, wie die Unternehmen selbst, wenn doch diese Bewerber alles auf den Lebenslauf ausgerichtet haben.

    Ich kann jedem Bewerber nur empfehlen, statt sich ueber Unternehmen zu aergern, sich die Produkte und Dienstleistungen anzuschauen und selbst mit verbesserten Versionen zu gruenden. Das mag nicht in jedem Segment passen, aber wer moechte schon sein ganzes Leben die Traeume und Visionen von anderen Menschen als Angestellter verfolgen, anstatt die Welt selbst zu veraendern?

    • Hallo P., vielen Dank. Die Empfehlung mit dem selber gründen ist gut. Nur hat (leider?) nicht jeder die richtigen Vorraussetzungen dafür. Aber die Mentatlität der deutschen Arbeitgeber treibt zumindest die unter uns mit „ungradem“ Lebenslauf immer stärker dahin. Vielleicht ganz gut so? Herzlichen Gruß, Henrik Zaborowski

  27. […] u.a. ausgelöst durch den offenen Brief einer Personalerin im Blog von Henrik Zaborowski: http://www.hzaborowski.de/2014/04/04/hr-schlaegt-zurueck-oder-wie-bewerber-2-0-die-recruiter-den-wah… Wenn man die diversen Blogbeiträge so liest, könnte man fast denken, mit HR und Bewerbern sei es […]

  28. […] Andere ziehen nach, so beispielsweise HR-Barcamp- und Runkelrüben-Miterfinder Jannis Tsalikis, Henrik Zaborowski, “Blind-HR-Battler” Stefan Scheller, Talent-o-Mat Bernd Konschak oder – schon […]

  29. […] dass wir uns falsch verstehen. Ich meine mit Candidate Experience keineswegs den Kniefall vor den Launen der Bewerberschaft, die z.T. sicherlich auch noch erst lernen muss, mit ihrer neu gewonnenen Verhandlungsmacht richtig […]

  30. […] auch nach wie vor. Naja, mehr oder weniger, wenn Sie sich mal die Kommentare zum Artikel “HR schlägt zurück – wie Bewerber 2.0 den Recruiter in den Wahnsinn treiben” anschauen. Aber es funktioniert im Sinne von: Da ist eine Instanz im Unternehmen, die sich […]

  31. […] gibt es auch Bewerber, die sich im HR-Prozess nicht korrekt verhalten. Henrick Zaborowski hat in seinem Blog vor kurzem eine Mail einer anonymen Recruiterin veröffentlich…, die bei Bewerbern ebenfalls haarstäubende Defizite […]

  32. […] “HR schlägt zurück – oder: Wie Bewerber 2.0 den Recruiter in den Wahnsinn treiben&#822… […]

  33. Andy sagt:

    Hi, ich mache seit 23 Jahren Personalarbeit – und muss sagen, der Blog gibt mir nichts Neues. Diese Menschen / Situationen gab es schon immer und wird es immer geben. Ärgerlich, aber kein Grund sich darüber aufzuregen, da es zum Glück nur ein geringer Prozentsatz ist, der so agiert. Das Gros der Bewerber verhält sich ebenso anständig und professionell, wie die HR’ler auf der anderen Seite. Ich lege noch einen drauf: Sollte mir das als Recruiter öfters passieren, sollte ich mal über meine Firma nachdenken und das, was ich tue … in diesem Sinne: Bewerber 3.0 – 12.0 können kommen…

  34. BerryLu sagt:

    Liebe Recruiter, liebe Mitbewerber,

    ich freue mich über diese Diskussion. Ich wende mich mit meinen konkreten Fragen an Sie:
    Wenn man mit dem aktuellen Arbeitgeber nicht zufrieden ist, sollte man sich trotzdem loyal verhalten, in dem man den Vertrag rechtmäßig kündigt und sich erst danach nach neuen Stellen umschaut oder gilt da die Regel, wie in den meisten Fällen geraten: „Überleg es dir lieber zwei Mal, bevor du kündigst!“ und „Bloß nicht kündigen, bevor die neue Stelle gesichert ist!“ Langsam kommt man sich ziemlich blöd vor, wenn man von allen Seiten angesprochen wird: „Aber normalerweise kündigt man, wenn man erst einen neuen Job gefunden hat.“
    2. Variante: Ich bewerbe mich noch in der Zeit, in der ich meine aktuelle Tätigkeit ausübe, so bin ich auf der sicheren Seite. Verschweige das Ganze vor dem bisherigen Arbeitgeber, denn was soll ich ihm sagen:“Ich bewerbe mich jetzt neu und sage jetzt schon, dass ich gehe, wenn ich was gefunden habe. Würdest du mich bitte solange hier behalten? 😀 😀 :D.“ Und so fange ich an. Andere Unternehmen sehen es sogar als positiv, wenn man in der Zeit beschäftigt und nicht arbeitslos ist. Alles super soweit. Und dann kommen die Einladungen zu den Vorstellungsgesprächen. Dann fragt man sich plötzlich, wann man denn die freien Termine für diese Gespräche finden soll, wenn es gerade im Projekt brennt. ***!Übrigens, die Anmerkung: „Ich werde im Projekt zur Zeit dringend gebraucht, kann leider den vereinbarten Termin nicht einhalten und bitte um einen neuen Termin.“ könnte man eigentlich auch ziemlich positiv ansehen, denn das zeigt, dass dieser Bewerber sich als loyal und zuverlässig gegenüber dem bisherigen Arbeitgeber zeigt und seine Arbeit gewissenhaft bis zum Schluss erledigt. Und man möchte natürlich mit dem bisherigen Arbeitgeber auch nicht in Streit gehen. Das wird ja natürlich auch geraten.
    Wie sollte man es also besser machen?

    Und gleich hätte ich auch einen Vorschlag:
    Ich finde, dass man die Fachliteratur über die Bewerbungsprozesse auch inhaltlich ändert. Recruiter möchten mehr Transparenz von der Seite der Bewerber. Dann sollte man die Bewerber auch dazu ermutigen.
    -Überall in den Büchern steht, wie ich am schlausten die Frage nach den Schwächen zu meinem Vorteil beantworte. Die Standardantwort: „Ich bin ungeduldig“ Das kann so aber auch so verstanden werden. So ist man am schlausten :D.
    -Das Wort „Be-Werbung“ enthält ja auch das Wort Werbung, also man macht eine Werbung von sich selbst. Ruhig auch ein bisschen übertreiben (natürlich in Grenzen). Das kann ich mittlerweile so gut. Und wie gut ich das gelernt habe 🙂 Wenn ich Recruiter wäre, würde mich so was verabscheuen, ehrlich. Außerdem, jeder weiß, was man macht, wenn Werbungen kommen – man schaltet eben um. Keiner will sie gern sehen.
    Man sagt mir aber dazu: „So sind halt die Spielregeln.“
    -Es ist völlig normal, dass man nicht alle Profilanforderungen erfüllt. Man muss die Fähigkeiten am meisten hervorheben, die man gerade besitzt. Und da kommt es: „Den Rest kann man aber schön ausschmücken.“ 😀 Möchtet ihr das wirklich haben? Ich würde es nicht mögen, wenn es sich am Ende herausstellt, der Bewerber kann die Sachen nicht, für die er „ausgeschmückt“ hat und mir die Zeit beim Bewerbungsgespräch vergeudet. Oder der schlimmere Fall, bei Interview Top Verkäufer, und im Alltagsleben nur ein großes Maul und mehr nicht. Warum besteht man nicht einfach auf eine ehrliche Antwort? : „Ich kann das und das aber das Andere KANN ICH NICHT. Ich möchte es aber lernen“ Also, wenn ich so eine Bewerbung vor mir sehe, würde sich diese von allen anderen „Be-Werbungen“ sehr unterscheiden und ich weiss dann ganz genau, wo ich bei diesem Bewerber bin.
    ……..Ich weiss, ich stelle mir die Welt zu gut vor… 😀

    Und, vielleicht habe ich es hier übersehen aber was ist mit den Chefs der Personalbetreuer oder den fachlichen Ansprechpartnern? Gibt es in dieser Diskussion auch solche Teilnehmer? Denn das sind die Leute, die die Spielregeln festlegen. Ich vermeide es sogar Personalbetreuern irgendwelche Vorwürfe zu machen, wenn ich wochenlang keine Infos bekomme. Letzende sind das nicht die Leute, die über die Auswahl entscheiden und kümmern sich eher um die Formalien.

    Vielen Dank und eine schöne Restwoche

    • Puh, BerryLu, das ist jetzt aber alles eine Menge. Und es ist schon so spät 🙂 Vielen herzlichen Dank für diese drei Kommentare. Ich sage mal, Du hast vollkommen Recht. Warum sollten wir einander etwas vorspielen? Ich finde Bewerbungsratgeber auch für die Tonne. ABER: Es ist leider so, dass Bewerberauswahl immer noch nach diesen schlechten Mustern läuft. Ehrlichkeit ist ein rares Gut und führt eher zu Irritationen. Habe dazu drei Artikel hier geschrieben. Der erste ist dieser http://www.hzaborowski.de/2013/10/08/warum-unsere-personalauswahl-nichts-taugt-und-bruche-die-neuen-geraden-sind/

      Zu Deiner Frage, wann ich kündigen soll: Ich habe meinen ersten Job gekündigt, ohne einen neuen zu haben. Ich weiß nicht, ob ich das nochmal machen würde … Da baut man sich selber einen unnötigen Druck auf, der einen schnell in eine schlechte Verhandlungsposition bringt. Klar, Termine finden, wenn man im aktuellen Job stark eingebunden ist, ist schwierig. Daran habe ich schon einige Gespräche scheitern sehen. Auf der anderen Seite geht eigentlich immer irgendwas, wenn beide Seiten wollen. Ich habe viel für die Beratungsbrache recrutiert. Beratungen wissen selber, dass ein Projekt Vorrang hat. Aber klar, manche Unternehmen finden es eben nicht toll, immer zu verschieben. Auch das baut Druck auf. Wir leben in keiner idealen Welt …

      Zur Rolle der Fachbereiche: Auch das siehst Du richtig! HR wartet oft Wochen auf Rückmeldung vom FAchbereich. Das kann dem Bewerber gegenüber echt peinlich sein. Schlecht, wenn HR das „durchgehen“ lässt. Aber eben oft auch Realität. Weil HR nicht das standing hat, um sich durchzusetzen. Aber woran das liegt, das Fass macht ich jetzt nicht mehr auf 🙂
      Herzlichen Gruß, Henrik

      • BerryLu sagt:

        Hallo Henrik,

        vielen Dank für deine Ratschläge.
        Dieses Thema kommt in meinem Freundeskreis immer wieder hoch. Und man versucht dabei ständig die Absichten der HRs sich selbst und den anderen logisch zu erklären 😀 Meine Eltern sagen mir auch ständig: „Wir hatten es einfacher. Man schließt die Uni ab und hat schon eine sichere Stelle. Ihr müsst hart kämpfen und leider mit der Unsicherheit leben.“ …und wir kommen unserer Generation irgendwie nie nach. Während des Studiums gehörten wir zur Generation Praxis, am Anfang unseres Berufslebens sind wir die Generation Verkäufer 😀 Die Studenten von heute müssen wahrscheinlich jetzt schon verkaufen können, anstatt zu studieren 😀
        Ja, dafür haben wir aber andere Vorteile in der heutigen Zeit. Also muss jetzt nicht alles schlecht sein 😉

        Und zum Thema Ehrlichkeit: Natürlich kann und sollte man nicht zu ehrlich sein aber man sollte möglichst bei der Realität bleiben, da ist was zu wünschen.
        Ich lese mir auch andere Artikel durch aber ein anderes Mal, weil es jetzt wirklich sehr spät geworden ist.

        Danke nochmal und viele Grüße

  35. BerryLu sagt:

    … und kurz zum Kommentar: “ Ich denke, dass die jungen Absolventen sich selbst überschätzen. “
    @Herr Nicolas Scheidtweiler , die meisten Absolventen sind gezwungen sich selbst zu überschätzen. Man verlangt nach immer mehr Selbstbewusstsein. Ich war selbst auch auf Jobmessen. Der Recruiter empfohl mir eine tolle Stelle bei einem Top Arbeitgeber, der bis heute mein Traum bleibt. Ich hatte Erfahrungen in dieser Branche aber als Werkstudentin und die Stelle war für Senior Leute. Jetzt im Berufsleben weiss ich besser, wie man zu Senior wird aber damals war ich so was von optimistisch und dachte mir: Wieso nicht, es gibt Leute, die können mit nichts überzeugen. Warum ich nicht auch? 😀 😀 😀 Ich lache jetzt darüber 😀 Er versicherte mir ich soll mutiger sein und mich darauf bewerben. Das ist nicht so wichtig, wie die Bezeichnung die Stelle lautet. 😀 Ich habe mich auch beworben. Das Anschreiben war TOP!!! War so stolz darauf. Habe es 1 Tag lang geschrieben und habe das Duden Handbuch und die Zeitschrift Zeit Campus benutzt 😀 😀 😀 Habe auf jedes Detail geachtet. Ich wurde nach zwei Wochen angerufen. Bin aber mit dem Verhalten des Personalers sehr zufrieden. Er war freundlich und hat mir immerhin eine Chance gegeben aber es hat von meiner Seite einfach nicht gereicht. Was soll ich machen, kann halt nicht Äpfel als Birnen verkaufen.

    Und eine Frage zum Punkt, wie man Lücken im Lebenslauf decken kann 😀 😀 😀 Nicht, dass ich in meinem Lebenslauf welche habe aber jetzt mal ehrlich, wenn man die Standard Aussage nimmt: „Ich bin durch die Welt gereist. “ Hahahaha 😀 😀 Kann mir jemand bitte erklären, woher ein Absolvent dieses Geld hat? Sind es echt viele, die ein Jahr lang durch die Welt reisen, anstatt sich zu bewerben? 😀 😀 😀 Ich meine, allein der Flug zum Beispiel nach Asien kostet eine Menge, wenn man nur als Rücksacktourist in Malaria Gebieten zeltet. Die meisten Leute müssen doch Bafög zurückzahlen. Ok, man kann auch jobben hier und da aber wieviele haben so was wirklich gemacht? Ich meine, Abenteuerer gibt es schon aber kann man nicht stattdessen einfach mal sagen, dass man von dem ganzen Stress bei der Abschlussarbeit und Prüfungen abschalten wollte? Jeder weiss, was man da alles durchmacht und keiner kann mich überzeugen, dass er dabei nicht unter leichtem Burn Out gelitten hat. Kann man das bitte mit dem Weltreisen nicht einfach rauslassen? Ich wollte schon immer durch die Welt reisen aber irgendjemand musste hier während meiner abenteuerlichen Abwesenheit meine Miete zahlen 😀

  36. BerryLu sagt:

    …und jetzt Spass bei Seite. Ich bin natürlich nicht der Meinung, dass Personaler nicht ihre Anforderungen an die Bewerber haben sollten. Letzende möchte man anspruchsvolle Aufgaben übernehmen und man steht halt in (bestenfalls gesunder) Konkurrenz zu seinen Mitmenschen. Doch wenn man ungerade Lebensläufe oder irgendwelche persönliche Schritte im Leben begründen sollte, bin ich der Meinung, dass man diese einfach möglichst ehrlicher aussprechen soll. Und meiner Meinung nach können die Personaler die Vorantreiber sein, denn die meisten Bewerber versuchen euch alles recht zu machen. Wenn man das akzeptiert und sich keine banalen, aus dem Finger gesaugten Ausreden, sogar erfundene Lügen hören möchte, wird man eine Menge an bunte Bewerber gewinnen 🙂
    Warum ich zum Beispiel erst mit 30 mein Berufsleben gestartet habe? Ich habe nach dem Studium die Pause gebraucht (bin nicht durch die Welt gereist :D). Habe noch ein bisschen gejobbt und mich mental, in einer gesunden Verfassung auf das Bevorstehende vorbereitet. Vielleicht werde ich bis zu meinem 70sten die Ehre haben mich meinem Berufsleben zu widmen (kleiner Scherz).
    Und wenn der Bewerber jetzt einfach mal nicht passt, dann passt er halt nicht! So ist es nun mal.

    Und liebe Mitbewerber, mir hat es jedes Mal weh getan, wenn ich eine Standard Absage bekommen habe aber einfach weil es eine Absage war. Es tut auch immer noch weh und habe das bis heute nicht so leicht überwinden können. Aber es ist immer besser, wenn immerhin eine Antwort von dem entsprechenden Unternehmen zeitgemäß kommt. Für mich muss sie sogar überhaupt nicht persönlich formuliert sein. Das ist ein potenzieller Arbeitgeber und die die uns trösten sind unsere Freunde, unsere Familie. Ich persönlich möchte, dass Beides getrennt bleibt. Man verkraftet solche Sachen schnell und macht weiter.

  37. Eva Lutz sagt:

    Ich schließe mich karrierebibel an und sehe die genannten Verhaltensweisen als Reaktion. Bewusst wurde mir das auch durch die Lektüre von „Generation Z: Wie sie tickt, was sie verändert und warum sie uns alle ansteckt“ von Prof. Scholz (ISBN-10: 3527508074). Vor einem Monat erschienen und absolut wachrüttelnd für Personaler. Und ich dachte noch, es wäre ein Scherz, als er in Frankfurt bei DIE ZEIT Chancen und Karriere sagte: Wissen Sie – für mich als Wissenschaftler ist das erst mal interessant – für Sie als Personaler ist das ein Problem“.

    Wir sollten immer bedenken, dass wir erst am Anfang der Neuverteilung der Aufmerksamkeit und am der Auswirkungen der Gleichaltrigenorientierung („Kuschelkohorte“) stehen. Es könnte gut sein, das das Konzept des (festen) Arbeitsvertrages sich auflöst und beide Seiten engmaschig die nächsten 10 Tage im Blick haben, die der Mitarbeiter vielleicht (Resturlaub, Krankheit) noch da ist. Beschäftigen wir uns also mit diesen Generationen und schaffen einen Rahmen in dem alle Arbeiten können. Keine Sorge – Lichtblicke und klare Handlungsimpulse sind auch im Buch – also, lesen und handeln, z.B. Generationenübergreifende Büro´s, Zumutungen auf alle Generationen gleichermaßen verteilen und (darum geht es ja): Zusammenarbeiten!

    Viele Grüße aus München, Eva Lutz

    • Moin Frau Lutz, danke für den Hinweis zum Buch. Werde ich mir mal ansehen. Zum Thema „Generationsübergreifend“ empfehle ich im übrigen sehr gerne das Netzwerk http://www.masterhora.de Die Gründer beschäftigen sich auch sehr intensiv mit dieser Fragestellung.
      Herzlichen Gruß und einen guten Start in die Woche,
      Henrik Zaborowski

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