Recruiting der Zukunft? Das Abseits nutzen!

9. Juli 2014 | Von | Kategorie: Recruiting

Recruiting

Gestern erlebten wir einen grandiosen Fussballabend – mit gar nicht so vielen Abseitsfallen. Heute lese ich im managermagazinonline ein Interview mit BCG Partner Rainer Strack über den globalen Arbeitskräftemangel. BCG hat den Arbeitsmarkt der Zukunft untersucht und stellt fest: „Deutschland braucht 10 Millionen Mitarbeiter zusätzlich“. Upps, na dann mal los. Da ich weder so schlau bin noch so strategisch denken kann wie BCG Berater und die ihren Job sicherlich nicht nebenbei betreiben, „glaube“ ich das einfach mal. Wobei, 10 Mio.? Das ist schon ne Menge, oder? Liest sich dann doch unglaubwürdig. Aber egal, bilden Sie sich selbst eine Meinung. Schön ist, was BCG den Unternehmen empfiehlt: Mehr im Recruiting und für die Mitarbeiter zu tun! Schon mal gehört? Na, da habe ich wieder eine Story für Sie. Und einen Tipp: Nutzen Sie das „Abseits“.

Recruiting der Zukunft – so weiter wie bisher?

Also, BCG hat die Lösung für den Arbeitskräftemangel. Zitat BCG Partner Strack: Wir glauben, dass der Talentmarkt viel intensiver wird. Ich muss mich als Unternehmen viel mehr darum kümmern, dass ich die erforderlichen Ressourcen und Mitarbeiter bekomme. Wir sehen jetzt schon, dass Firmen viel stärker in Employer Branding investieren, um attraktiver zu werden. Für eine offene Stelle bekommen sie vielleicht nur noch zwei Bewerbungen statt bisher zehn.“

Vielen Dank für diese Empfehlung, das hätte ich jetzt nicht gedacht. Obwohl … Ich habe die letzten Wochen eine qualitativ durchaus hochwertige Befragung in meinem HR Netzwerk durchgeführt und bin auf interessante Tatsachen gestossen. Dazu bald hoffentlich mehr. Nur soviel vorab: Davon, dass Unternehmen schon jetzt mehr tun (müssen), merke ich nicht viel. Recruiting scheint noch zu laufen. Naja, dass der Fachkräftemangel nur ein HR Buzzword ist, darüber hatte ich ja schon geschrieben.

Mir scheint eher, nicht die Unternehmen machen etwas falsch, sondern die Bewerber! Und für diese These habe ich wieder einen wunderbaren Praxisbericht. Vor ein paar Wochen sprach mich ein IT Berater aus meinem Netzwerk an, der sich beruflich verändern möchte. Raus aus der Beratung, rein in ein Unternehmen in seiner Heimatregion. Der Mann kann sich die Jobs aussuchen, auch wenn ich diese Plattitüde häufiger gebrauche, stimmt es in diesem Fall wirklich. Top Abschlüsse, drei Jahre Berufserfahrung in denen er mit aktuell sehr gefragten Softwareentwicklungstechnologien gearbeitet hat. Dazu nicht zu teuer und ein netter Typ. Er hat sich auf Stellenanzeigen beworben. U.a. bei zwei namhaften Unternehmen in seiner Region. Eins davon macht immer mal wieder mit innovativen Recruitingaktionen für IT Spezialisten auf sich aufmerksam. Von beiden hat er außer einer Eingangsbestätigung auch nach vier Wochen nichts gehört/gelesen. Und jetzt war er etwas verunsichert, woran das denn liegen könne und was er tun sollte. Ich beruhigte ihn, dass das nichts mit ihm zu tun hat. Und empfahl ihm einen Alternativweg: Er solle einfach auf XING, kununu und Feelgood@work nach Unternehmen in seiner Region suchen, die ihm gefallen. Und dann unabhängig von irgendwelchen Stellenanzeigen den Kontakt aufnehmen. Ergebnis: Nach einer Woche hatte er zwei Vorstellungsgespräche und zwei Telefoninterviews. Diesen Weg habe ich schon 2001 in meiner Diplomarbeit empfohlen, Lars Hahn hat es (in etwas anderer Form)  im Interview mit Jochen Mai auch mal wieder betont – und viele andere können es ebenfalls bestätigen.

Recruiting der Zukunft – das Abseits nutzen!

Was lernen wir daraus? Sicherlich sollte es nicht passieren, dass so ein Top Bewerber vier Wochen lang nichts vom Unternehmen hört. Und auch die Erfahrungen eines Bewerbers auf dem Blog von Robindro Ullah dürften eigentlich nur aus „1001 Nacht“ stammen. Tun sie aber nicht. Das ist die Realität. Also ist es Aufgabe der Bewerber, sich abseits vom mainstream auf Jobsuche zu begeben. Und Aufgabe der Unternehmen, auch „im Abseits“ gefunden zu werden. Google sollte Ihr bester Freund werden, liebe Personaler. Da helfen auch schon mal bunte Bilder, wie Henner Knabenreich jüngst schrieb. Über Google, SEO und Konsorten lerne ich durch meine Interimtätigkeit bei Feelgood@work auch gerade wieder einiges. Und die meisten Unternehmen stehen in der Hinsicht nicht mal am Anfang des Weges, sondern stolpern noch über das Geröll der Steinzeit mühsam daher. Ich verspreche ihnen schnelle Hilfe. Aber auch dazu mehr zu einem anderen Zeitpunkt.

Also, genießen wir gemeinsam in stiller Freude das grandiose Ergebnis des Fussballspiels gestern (arme Brasilianer) – und machen Sie sich Gedanken, wie Sie das Abseits für sich nutzen können.

Herzlichen Gruß,

Ihr Henrik Zaborowski

 

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6 Kommentare auf "Recruiting der Zukunft? Das Abseits nutzen!"

  1. Stefan Nette sagt:

    Hey Henrik,

    ich habe das Interview eben auch gesehen. Mal abwarten ob das wirklich so kommt, vermeintlich müsste heute schon das Arbeitnehmerland in dem Milch und Honig fließt bestehen, wenn man den Berichten von vor 10 Jahren Glauben schenkt.

    Ich weiß nicht ob sich das alles so kalkulieren lässt.

    Was deinen Blogbeitrag insgesamt anbelangt stimme ich dir voll zu und dein Tipp für Bewerber ist bestimmt Gold wert ;).

    Herzliche Grüße
    Stefan

  2. Chris Pyak sagt:

    Lieber Henrik,

    Du bringst es mal wieder auf den Punkt. Abseits der bekannten Plattformen finden sich großartige Kandidaten – die noch dazu dankbar sind Ihre Fähigkeiten in das Unternehmen einbringen zu dürfen.

    Ein Beispiel? „Trailing Spouses“. Das sind die mitgereisten Angehörigen von internationalen Fachkräften. Meist sind sie ebenso gut ausgebildet wie Ihre Partner – und bekommen in Deutschland keinen Fuß in die Tür. Ihre oft hervorragende Berufserfahrung wird kaum geschätzt.

    Ist ein Unternehmer dann so klug und zeigt diese Wertschätzung: Dann gewinnt er Mitarbeiter die sich ein für ihn ausreißen. Denn Wertschätzung wird ERWIDERT.

    Leider erlebe ich jeden Tag dass nur wenige Personaler / Unternehmer so klug sind.

  3. Chris Pyak sagt:

    „ein Bein“ fehlt da noch vor ausreißen.. Sorry. 🙂

  4. Anika Zeimke sagt:

    Hallöchen,

    ich komme erst jetzt dazu, diesen – wieder mal – wundervollen Artikel zu lesen!

    Eigentlich würde das Statement „Word!“ völlig ausreichen, aber gerne gebe ich auch ein paar Beispiele in die Runde! Wie vielleicht einige wissen, arbeite ich in einer SAP-Beratung. Der IT-Markt ist schon hart umkämpft und der Bereich SAP ist gar ein Haifischbecken, in das ich jeden Tag meine Angel auswerfe – keine Angst, ich trage dabei keine Gummistiefel! 🙂

    Auch ich betreibe Active Sourcing auf den bekannten Plattformen. Der Output ist schon ganz ok, aber könnte wie immer besser sein. Man hat ja schon den Vorteil, dass man als „Nicht-Headhunter“ erkannt wird und es den ein oder anderen neugierig macht.

    Was mich dennoch verwundert ist folgende Begebenheit: Ich bekomme ein Profil von einem Headhunter vorgelegt. Tolles Profil! Freelancer, der sich jetzt in die Festanstellung begeben möchte. Immer noch toll. Was mich allerdings hat stutzig werden lassen, war die Tatsache, dass er seit einigen Jahren mit drei unserer Kollegen in ein und demselben Projekt zugegen war.

    Mir tun sich jetzt zwei Fragen auf:
    1. Warum bewirbt der Kerl sich nicht direkt bei uns?
    2. Warum sprechen meine Kollegen nicht darüber, dass wir neue leute brauchen?

    Zu 1. kann ich zumindestens den Gedanken der „Bequemlichkeit“ und „keine Zeit für eigene Bewerbungen“ ansatzweise nachvollziehen. Dass sich der Kandidat keinerlei Gedanken darüber macht, was das Vorlegen eines Profils durch einen Headhunter allein monetär nach sich zieht und dass es unter diesen Umständen vielleicht auch ein bisschen einen bitteren Beigeschmack hinterlasst, dass verstehe ich absolut nicht!

    Zu 2. muss ich mal ein sehr deutliches Gespräch mit meinen etwas schnarchnasigen Kollegen führen 🙂 Diejenigen, die mich kennen, wissen, was da auf die Kollegen zukommt! 🙂 Zumal wir ja auch ein Mitarbeiter-Empfehlungsprogramm haben… kopfschüttel…

    Ich selber habe 90% meiner bisherigen Jobs durch mein Netzwerk und ungewöhnliche Wege bekommen und ich arbeite stark daran, nicht zu einem solchen Recruiter/Personaler zu werden, die ich in meinen Bewerbungsphasen nicht gerade hab lieben gelernt!

    Fachkräftemangel haben wir weiß Gott noch nicht! Auf beiden Seiten muss nur endlich ein Umdenken stattfinden! Post-and Pray auf Recruiterseite funktioniert schon lange nicht mehr. Send-and-pray auf Bewerberseite allerdings auch nicht! 🙂

    Ich befürworte definitiv den Aufruf, sich auch mal initiativ zu bewerben, auf anderen Wegen Kontakt aufnehmen, sich kundig machen, welche „Hidden-Champions“ sich in meiner Umgebung befinden, die ich vielleicht noch gar nicht kenne und sich nicht immer nur auf die großen Namen stürzen – die kochen auch nur mit Wasser!

    Soweit das Wort zum Donnerstag! 🙂

    Herzliche Grüße
    Anika Zeimke

    • Hallo Frau Zeimke, die armen Kollegen … 🙂 Aber da wundert man sich tatsächlich, wieso die drei sich nicht einfach mal unterhalten. Schon komisch. Ich vermute, dass die meisten Fachbereiche das Thema Recruiting einfach gedanklich weit von sich weisen. Und deshalb gar nicht auf die Idee kommen. Wo Sie „Mitarbeiterempfehlung“ erwähnen – ich habe letzte Woche mit einem Startup aus der Schweiz gesprochen und mir deren Mitarbeiterempfehlungssoftware zeigen lassen. Sehr durchdacht, schick und „easy2use“! http://www.firstbird.eu/ Vielleicht hilft das den Kollegen beim „drandenken“? Herzlichen Gruß, Henrik Zaborowski

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