IT Recruiting und Active Sourcing / Studie und Praxistest

8. Oktober 2015 | Von | Kategorie: Recruiting

Studie "get started 2015"IT Recruiting wird ein immer wichtigeres Thema, wie mir scheint. Vielleicht bewege ich mich ja auch in einer Blase, aber ich lese nur halb so viel (wenn überhaupt) Studien und Beiträge zum Recruiting von Ingenieuren oder z. B. Geisteswissenschaftlern … (hahaha, sorry, den musste ich einfach bringen, nicht böse sein). Schluss mit lustig, die Lage ist ernst, das Feld weit und die Spezies „IT’ler“ eine besondere. So rauscht es zumindest in den Onlineblätter-Wäldern der gebeutelten Republik, für die das Internet „Neuland“ ist. Wundern wir uns also nicht, sondern gehen wir ans Eingemachte. IT Recruiting für Anfänger und Fortgeschrittene. Ich fahre dann mal fort … 

IT Recruiting – erstmal die Theorie

Sie wissen, ich habe es nicht so mit Zahlen. Und daher auch nicht so mit Studien. Die enthalten nämlich a) viele Zahlen und b) in der Regel Erkenntnisse, die ich persönlich auch ohne Studie hatte (soll nicht arrogant klingen, ich würde es mir ja auch anders wünschen). Trotzdem ziehe ich immer wieder meinen Hut vor denjenigen, die Studien konzipieren und durchführen. Christoph Athanas und Prof. Peter M. Wald würde ich da mal als die informellen Studienpäpste bezeichnen. Mit dem Thema „Candidate Experience“ sind sie schon durch die Lande gezogen (und tun es immer noch). Christoph setzt schon wieder was spannendes Neues auf, die erste deutschsprachige „Cultural Fit“ Studie (hier gehts zur Umfrage, bitte mitmachen) und Peter war auch wieder aktiv, diesmal mit Rainer Weckbach, Gründer und GF von get-in-it. Und bevor Sie sich fragen, wann ich endlich aufs Thema komme … voila, here we are!

get-in-it ist ein Portal für IT-Berufseinsteiger und Young Professionals (so bis 3 Jahre BE), die auf Jobsuche sind. Und unter dieser Zielgruppe hat Peter eine Umfrage durchgeführt. Ergebnis ist die Studie „get started 2015 – Was IT-Fachkräfte von Ihrem Berufseinstieg erwarten“ (hier geht es zum Whitepaper). Unterschieden wird zwischen IT-Einsteigern und denen mit erster Berufserfahrung. Ich gebe mal nur minimal die basics wieder (Sie wissen, ich und Studien …)

Also, IT Einsteiger

  • sind heterogen (genauso wie die GenY, falls das neu ist)
  • möchten intensiv eingearbeitet werden (soweit ich weiß ist das mehr als „hier ist Dein Arbeitsplatz, Mittach ist um 12 Uhr und dann leg jetzt mal los“)
  • legen Wert auf fachliche Entwicklungsmöglichkeiten, dazu eine ansprechende Vergütung, nette Kollegen sowie flexible Arbeitszeiten (und wie sind Sie da so mit Ihren Arbeitgeberattraktivitätsfaktoren aufgestellt?)
  • ziehen die Fachlaufbahn einer Führungskarriere vor (lieber dran bleiben an der IT, die ist beherrschbarer als die lieben Kollegen/Mitarbeiter 🙂 Sehr clever!)

Feine Unterschiede gibt es zwischen Männern und Frauen (ist so, wirklich!).

"get started 2015" StudieWährend den Jungs nämlich die Kohle und die Technik besonders wichtig ist, legen die Mädels mehr Wert auf nette Kollegen und flexible Arbeitszeiten (wieder ein Beweis, dass die Gender Diskussion und -Gleichmacherei Blödsinn ist, aber DAS gehört jetzt wirklich nicht hierher). Denn, verlassen wir die schnöden (aber hübsch aufbereiteten) Zahlen und wenden wir uns dem „schmutzigen Tun“ zu. Einer muss den Job ja machen.

IT Recruiting / Active Sourcing im Praxistest

Kennen Sie den Unterschied zwischen XING, Linkedin, stackoverflow, Twitter, Facebook – und get-in-it? Erstere sind Netzwerke und Communities (und Verdienstgrundlage online-affiner Berater), die, und das ist meine ganz persönliche Ansicht, entweder von ihren Schöpfern oder den Usern für Recruitingszwecke (miss/ge)braucht werden. Mit dem Ergebnis, dass viele User sich inzwischen zurückziehen oder die Jobanfragen ignorieren. Während ich z. B. mit meiner Rücklaufquote auf XING noch relativ zufrieden bin (es kommt aber auf die Jobs an, für die ich suche), berichtet mir ein freiberuflicher Researcher, dass er wieder stärker zurück zur Telefonansprache geht. Weil die Antwortquote auf XING einfach zu schlecht geworden ist. Zugegeben, er sucht auch sehr spezielle Profile (liebe headhunter, jetzt bin nicht wieder kommentieren „wir haben es doch schon immer gesagt“! Danke :-)).

Bei get-in-it ist das naturgemäß anders. Denn wer sich hier als User registriert, tut das, weil er/sie einen IT-Job sucht. Daher auch der Name „get-in-it“ 🙂 (falls es noch nicht aufgefallen ist). Daher ist die Rücklaufquote auch eine ganz andere. Die liegt im Durchschnitt aller Kunden, also Arbeitgebern, bei 40%! Ich lag zwischendurch sogar bei 70%, inzwischen bin ich bei 50% angekommen. 50%!!! Davon können Sie bei XING & Co. nur träumen, oder? So sieht übrigens das Recruiter Dashboard aus. Schick, oder?

get-in-it Dashboard

Ok, dafür sind die absoluten Zahlen mit aktuell gut 7500 Profilen auch geringer als bei XING & Co. Aber wie gesagt: Alles User, die mehr oder weniger stark auf Jobsuche sind. Tendenz: Aktuell kommen pro Woche ca. 100 neue Mitglieder dazu.

Nun kenn ich Rainer Weckbach schon eine Weile und war anfangs skeptisch. Es versprechen doch immer alle nur das Beste, oder? Für mein aktuelles Interimprojekt, für das ich vor allem Entwickler unterschiedlichster Colour suche, kam aber jetzt der Moment des Testens. Und ich muss sagen: Ich bin beeindruckt. Wie ich schon schrieb: 50% Qoute! Und die Kandidaten sind alle gut oder sehr gut. Natürlich, da sind auch junge Leute dabei, die nur eine IT Ausbildung haben (was vielen Unternehmen vielleicht nicht reicht). Oder die erst in zwei Jahren fertig werden und „nur“ ein Praktikum suchen. Und natürlich gibt es nicht 1000 Profile, die in Pusemuckl arbeiten wollen. Und nicht alle Profile sind super aussagekräftig. Manchmal wünsche ich mir mehr Infos. Aber was ist denn der Fokus, wenn Sie IT’ler suchen? Richtig, die Fachkenntnisse (nicht der Lebenslauf)! Und die fragt get-in-it ab und liefert eine schöne Übersicht über die IT Kompetenzen der Kandidaten. Und: Die geben auch an, in welchem IT Bereich sie arbeiten möchten. Auch sehr sehr hilfreich.

Das ganze sind dann so aus (hier aus vier Grafiken zusammengesetzt):

get-in-it Kandidatenprofil 1 Bildschirmfoto 2015-10-08 um 10.52.32 Bildschirmfoto 2015-10-08 um 10.52.52 Bildschirmfoto 2015-10-08 um 10.56.25

 

Also, alles in allem: Von mir gibt es eine Empfehlung! So einfach kann Active Sourcing von IT-Nachwuchskräften sein. Wenn Sie einen etwas umfangreicheren Einblick haben möchten (ohne gleich kaufen zu müssen), dann schauen Sie sich mein kleines „Erklär-Video“ auf youtube an.

Auf meinen youtube Kanal gibt es übrigens auch kurze Mitschnitte meiner Keynote über Personalauswahl, Erfolg, Lebensläufe und das Leben im allgemeinen vom HRInnoDay in Leipzig. Wussten Sie z. B., worum es im Recruiting wirklich geht? Die Antwort hören Sie hier:

 

So, und damit mache ich hier jetzt mal Schluss 🙂 Muss mal wieder arbeiten. Sie bestimmt auch. Wenn Sie noch Fragen zu get-in-it haben: Rainer Weckbach beantwortet die bestimmt gerne. Wenn Sie sich nicht trauen, ich kann zumindest von meiner Erfahrung berichten.

Also, „happy sourcing“, wie Barbara Braehmer zu sagen pflegt – und bis demnächst! Vielleicht auch persönlich? Zum Beispiel am 4.11.15 zu den HR Excellence Days in Augsburg? Würde mich freuen.

Beste Grüße,

Ihr Henrik Zaborowski

Schlagworte: , , , , ,

3 Kommentare auf "IT Recruiting und Active Sourcing / Studie und Praxistest"

  1. Kai G. Werzner sagt:

    Hallo Henrik,
    wie üblich sehr gut und ein spitzenmäßiger Joke! Recruting von Geisteswissenschaftlern, stimmt da ist ein echter Fachkräftemangel zu verzeichnen, vor allem in Firmen, die nur Plug and Play – Eierlegende Wollmilchsäue die Fliegen können 15 Sprachen fliessend auf den Kasten haben mit 30 Jahren Berufserfahrung den richtigen Abschlüssen und Zusatzqualifikationen und nicht älter als 25 Jahre sind einstellen! Jaja die IT, wo sind denn all die IT-Inder die für 35.000 Brutto im Jahr arbeiten wollen? Die Deutschen bekommen ja noch weniger, weil angeblich der Schein oder ein anderer Fehlt und aus Gnade eingestellt wird – sorry – hab da was falsch verstanden – den müste man ja Nachqualifizieren nein – das sind Kosten – das geht gar nicht – wir warten auf die Passgenaue Bewerbung und wehe er oder sie hat in der falschen Branche gearbeitet – fällt glatt raus aus den Schema – kann man nicht einstellen!
    Es ist so eine Krux mit den deutschen Firmen – die deutschen Unis und Hochschulen liefern halt immer noch nicht was der Markt und die Firmen fordert, was für eine Schande über dem deutschen Bildungssystem! Fachkräftemangel bei den Ingenieuren, Medizinern, IT und sonst etwas und ganz Schlimm bei den Geisteswissenschaftlern!
    Henrik bleib wie du bist Spitz und Sarkastisch!
    Danke für diesen Artikel von einem Geisteswissenschaftler!
    Gruß Kai

  2. […] IT-Fachbereich. Wir sehen in unserem Alltag, dass unser Active-Sourcing-Tool (Anm.: hier der Link zum Praxistest durch Henrik Zaborowski) sehr erfolgreich angewandt wird, wenn die Unternehmensstruktur eine […]

Schreibe einen Kommentar

%d Bloggern gefällt das: