In einem aktuellen Beitrag für Haufe habe ich im Interview mit Simone Flattich davor gewarnt, das Thema Nachhaltigkeit angesichts politischer Diskussionen wie dem EU-Omnibus-Paket vorschnell zu den Akten zu legen. Meine Einschätzung ist klar: Wer jetzt denkt, Purpose und CSR seien nur „Nice-to-haves“, handelt kurzsichtig. Zwar beobachten wir momentan, dass Bewerber aufgrund der wirtschaftlichen Lage primär auf Gehalt und Sicherheit achten, doch der demografische Wandel wird das Blatt bald wenden. Bis 2035 fehlen uns in Deutschland bis zu 7,2 Millionen Arbeitskräfte – dann haben wieder die Bewerber die Wahl.

Ich weise in dem Interview daraufhin, dass sich viele Unternehmen auf einseitige Umfragen verlassen, die oft nur politisch korrekte Antworten liefern. Viel entscheidender ist, was Unternehmen konkret unter Nachhaltigkeit verstehen. Für Mitarbeitende sind soziale Faktoren wie echte Gesundheitssicherung, vertrauensvolle Führung statt Kontrolle und gelebte Flexibilität im Alltag oft relevanter als abstrakte Klimaziele. Leider attestieren Studien vielen deutschen Arbeitgebern hier noch Nachholbedarf.

Mein Rat an Unternehmen lautet daher: Hören Sie auf, mit Schlagworten wie „flexibles Arbeiten“ um sich zu werfen, ohne sie mit Leben zu füllen. Zeigen Sie konkret, wie Ihr Arbeitsalltag aussieht – etwa wenn es darum geht, ein krankes Kind zu betreuen. Lassen Sie Ihre eigenen Mitarbeitenden zu Wort kommen. Vertrauen und eine starke Employer Brand entstehen nicht durch einmalige Aktionen auf Karrieremessen, sondern durch jahrelange, authentische Ausdauer. Wer soziale Nachhaltigkeit jetzt ernst nimmt und sichtbar macht, sichert sich langfristig die besten Fachkräfte.

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