Der aktuelle SPIEGEL-Artikel* von Verena Töpper zeichnet ein deutliches Bild des deutschen Arbeitsmarktes im Jahr 2026. Bei einer allgemeinen Arbeitslosenquote, die den höchsten Stand seit 16 Jahren erreicht hat, fühlen sich viele Unternehmen in bestimmten Branchen wieder am längeren Hebel. Auf einige Stellen bewerben sich über 500 Kandidaten, was den Auswahlprozess für Personaler zu einer scheinbaren Lotterie macht.
Als erfahrener Recruiter mit 25 Jahren Branchenerfahrung wird Henrik Zaborowski im Artikel zitiert, der die Situation für Bewerber einordnet: „Klassische Bewerbungen sind ein Glücksspiel.“ Oft würden Lebensläufe nicht sorgfältig geprüft, sondern willkürlich aussortiert – sei es aufgrund von „Bauchgefühl“, dem sogenannten „Nasenfaktor“ oder schlicht weil unter den ersten zehn Bewerbungen bereits passende Kandidaten gefunden wurden. Zaborowski betont: „Es ist nicht eure Schuld.“ Viele Absagen resultieren weniger aus mangelnder Qualifikation, sondern aus planlosem Vorgehen der Unternehmen, sich wandelnden Anforderungsprofilen während des Prozesses oder der Bevorzugung von Kandidaten mit den niedrigsten Gehaltsvorstellungen.
Der Artikel kommt zu dem Schluss, dass der Arbeitsmarkt weniger einem offenen Markt als einem geschlossenen „Club“ gleicht. Die größten Chancen auf eine Anstellung – besonders für Quereinsteiger oder Personen mit Lücken im Lebenslauf – bestehen demnach nicht über klassische Stellenanzeigen, sondern über persönliche Netzwerke und Empfehlungen. Hier zähle der menschliche Eindruck mehr als das perfekte Papier, was oft zu Positionen führt, die nie öffentlich ausgeschrieben wurden.
*Quelle: „Jobsuche 2026 und Bewerbung: Warum viele Absagen nicht die Schuld der Bewerber sind“, DER SPIEGEL, Ausgabe Nr. 18/2026, von Verena Töpper.*

