Personalauswahl ist ja eines meiner Lieblingsthemen auf meinem blog. Und es ist einfach immer wieder unfassbar, wie halbwegs intelligente Menschen einfach mal ihren gesunden Menschenverstand ausschalten und lieber an erfundene Mythen und Legenden glauben. Eigentlich habe ich gerade überhaupt keine Zeit zum bloggen, aber diesen Artikel der „Wirtschaftspsychologie heute“ zum Thema kann und will ich Ihnen nicht vorenthalten. Auch, weil ja gerade wieder der Schrott fröhliche Auferstehung feiert und Personaler veräppelt. Also, im Zweifel: Lesen Sie einfach nur den gleich verlinkten Artikel. Der Rest ist meine persönliche Wahrnehmung. 

Personalauswahl – vor allem erfundene Mythen

Für meine Diplomarbeit wühlte ich mich schon um die Jahrtausendwende durch die wissenschaftliche Literatur zum Thema Personalauswahl. Und fand bestätigt, was mein studentischer, noch unerfahrener Verstand ahnte: Personalauswahl, wie sie in Deutschland betrieben wird, ist absoluter Schrott. Diese Erkenntnis hat die Wissenschaft schon seit Jahrzehnten. Aber welchen Praktiker interessiert die Wissenschaft? Richtig! Die wenigsten. Mein kleiner rant von 2013 „Warum unsere Personalauswahl nichts taugt“ erzeugte viel Aufmerksamkeit, aber änderte natürlich nicht viel. Das war mir klar. Veränderungen kommen nur über Schmerzen. Die sollten Fachbereiche und HR Abteilungen in vielen Teilen dank des „Fachkräftemangels“ inzwischen haben. Aber ein Umdenken scheint immer noch nicht in Sicht.

Mein Tipp: Ändern Sie Ihre Personalauswahl! Und fangen Sie schon bei der Vorauswahl an. 30% der Bewerber, denen Sie anhand der Unterlagen absagen, könnten den Job! Versprochen! Wenn Sie in dem Artikel „Schlechte Noten für Personalauswahl in deutschen Firmen“ der „Wirtschaftspsychologie heute“ lesen, welche Kriterien heute immer noch in der Vorauswahl herangezogen werden, da wird Ihnen schlecht! Sollte es zumindest! Ich wiederhole die hier jetzt nicht. Lesen Sie selbst. Das, was deutsche Manager & Personaler als Auswahlkriterien wählen, sind erfundene Wahrheiten. Mythen. Legenden. Aber sie sind so tief in uns verankert, dass wir offensichtlich nicht merken, das sie nicht wahr sind.

Gut verkaufter Personalauswahl Schrott bleibt Schrott!

Und dieser unerschütterliche Glaube an Mythen und Legenden bestätigt wieder mal nur meine Erfahrung: Nicht das beste Produkt „gewinnt“ die Gunst der Käufer, sondern der beste Vertrieb und das beste Marketing. Mit gutem Marketing können Sie auch Schrott erfolgreich verkaufen. Es bleibt aber Schrott. Das erleben Sie in den sozialen Medien massenhaft. Da werden Ihnen dann z. B. Ads eingeblendet mit dem Text „Dieser Persönlichkeitstest wird dein Leben verändern“. Und dahinter steckt nur digitaler Dünnschiss! Aber es wird geklickt und gekauft. Warum? Weil wir alle einfache Lösungen suchen. Auch die Personaler und Manager. „Personalauswahl in 15 Minuten anhand Sprachanalyse? Wie geil ist das denn! Das muss ja gut sein!“

Oder jetzt das sehr prominente Beispiel der geplanten Keynote Speakerin Grieger-Langer, die nach eigenen Angaben auf ihrer homepage nur den Namen, das Geburtsdatum und ein Foto einer Person braucht, um ein Profiling zu erstellen. Das ist ja nicht mal mehr Dünnschiss, sondern kann nur bewusste Verarschung sein. Entschuldigen Sie bitte meine für mich unübliche Wortwahl, aber ich finde dafür keine anderen Worte. Aber: Es funktioniert offensichtlich! Sie wird ja gebucht. U.a. auch für die Social Recruiting Days. Als Keynote Speakerin. Es ist so unfassbar. Und am Ende darf Prof. Dr. Kanning die Scherben aufsammeln. Haben Sie übrigens schon seinen youtube Kanal „15 Minuten Wirtschaftspsychologie“ abonniert? Sollten Sie! Ein Traum!

Naja, das Thema ist ja durch. Dank massiven Protestes, u.a. aus der HR Bloggerszene, ist der Vortrag nun durch eine Podiumsdiskussion ersetzt worden. Danke! Wer die ganze Diskussion nicht mitbekommen haben sollte, hier eine gute Zusammenfassung von Bärbel Schwertfeger, die die ganze Sache dankenswerter Weise überhaupt erst ins Rollen gebracht hat.

Also, so kurz von mir. Ich will mich eigentlich gar nicht mehr über so etwas aufregen. Sie sollten ja eigentlich auch nur den ersten Artikel lesen … Aber es gibt Lichtblicke. Am Montag war ich bei der ManpowerGroup, um mit vier innovativen Köpfen und erfahrenen RecruiterInnen über einen Pilotworkshop von Liza for Jobs zu sprechen. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir damit zumindest die meisten Fehler der bisherigen Personalvorauswahl aushebeln können. Und zusätzlichen Mehrwert schaffen werden! Ich werde berichten.

Falls Ihnen demnächst langweilig sein sollte, können Sie ja mal in zwei podcast Folgen von mir reinhören. Einmal zum Thema Personalauswahl mit dem großartigen Prof. Dr. Hossiep. Und einmal ging es um Künstliche Intelligenz in der Personalauswahl. Mit Sven Semet von IBM und einigen weiteren klugen Recruitingköpfen.

In diesem Sinne – herzlichen Gruß,

Ihr Henrik Zaborowski