Glück schlägt Geld? Oder: Die Generation (Y), auf die niemand gewartet hat

15. Mai 2014 | Von | Kategorie: Gesellschaft, new work

2014-01-10 Henrik Zaborowski #171_HQSEs tut mir tatsächlich ein wenig Leid, liebe Leser, dass Sie auch von mir jetzt was über die Generation Y lesen müssen. Brauchen wir wirklich noch einen Artikel dazu? Eigentlich nicht. Aber es geht fast nicht anders. Ich fühle mich innerlich getrieben. Ob zu Recht, dass müssen Sie selbst entscheiden. Aber ich empfinde die Verantwortung, natürlich aus einer ganz subjektiven Sicht heraus, einmal einen klare Ansage an die Generation Y zu machen. Und das, weil ich eine sehr hohe Sympathie für meine Nachfolgegeneration empfinde und ebenfalls sehe, dass sich die Arbeitswelt ändern muss (und irgendwann vielleicht auch wird). Ich würde es der Generation Y so sehr wünschen, wenn sie Recht hätte mit all ihren Hoffnungen, Meinungen und Wünschen. Aber ich muss leider klar sagen: „Liebe Generation Y, die Welt hat nicht auf Euch gewartet! Und manche von Euch wissen das auch!“

Jetzt ist die Generation Y ja aktuell eines der Buzz Words schlechthin, mit dem man in den Medien pauschal Aufmerksamkeit erregt. Und fast widerstrebt es mir, darüber ebenfalls zu schreiben. Aber in den letzten Wochen gab es zwei Gründe, mich noch mal selber mit Generation Y zu beschäftigen. Nee, das ist falsch formuliert. Ich beschäftige mich schon ein paar Jahre mit den menschlichen Vertretern dieses Buzz Words. Also, zwei Gründe, mir konkreter Gedanken zu machen. Zum Einen durfte ich einen Beitrag über den Ehrgeiz, oder wie ich meine „zu großen Erwartungen, der Generation Y“ für das Magazin KM Kultur und Management im Dialog verfassen. Diese Ausgabe beleuchtet das Thema „Ehrgeiz“ in der Kunst- & Kulturszene und enthält tolle Beiträge, die sich mit den positiven und negativen Seiten des Ehrgeiz hinsichtlich unserer Suche nach Anerkennung, Konkurrenzdenken oder auch Karriere befassen (u.a. auch mit einem Beitrag von Prof. Dr. Kanning). Ein Thema, das uns alle angeht, auch in der Wirtschaft.

Zum Anderen liegt bei mir seit ein paar Wochen das Buch „Glück schlägt Geld“ von Kerstin Bund auf dem Wohnzimmertisch. Kerstin Bund beschäftigt sich als „Betroffene“ mit der ganzen Berichterstattung über ihre Generation und schildert ihr eigene Sicht der Dinge. Und vor allem erklärt sie, wie ihrer Meinung nach die junge Generation arbeiten und leben will. Laut Christoph Fellinger ist dieses Buch ein absolutes MUST für alle, die die Generation Y besser verstehen wollen. Persoblogger Stefan Scheller sieht das Werk etwas differenzierter, grundsätzlich aber auch eher positiv. Und ich? Nun, ich stimme allen dreien in vielen Punkten zu. Vor allem auch der Tatsache, dass es, wie Christoph Fellinger schon richtig schrieb, „die“ Generation Y so nicht gibt. Und dass der Generation Y bestimmte Persönlichkeitseigenschaften zugeschrieben werden, die aber über alle Generationen hinweg schon immer ähnlich verteilt waren. Sehr interessant ist dazu auch die virtuelle Diskussion, die aufgrund des Artikels von Thomas Eggert „Babyboomer schuften, Generation Y chillt“ auf dem blog von Stefan Nette entstanden ist. Absolut lesenswert!!! Aber ich habe ein ganz anderes Problem: Mich stört, dass die Generation Y sich eine Zukunft vorgaukelt, die nicht der Realität entsprechen wird! Und niemand widerspricht!!! Und dass sie sich selbst das Wasser abgräbt, bevor sie überhaupt schwimmen gelernt hat! Und ich möchte Euch, liebe GenY, bitten: Tretet noch mal einen Schritt zurück – und schaut Euch das reale Leben an. Stefan Nette hat absolut Recht, wenn er erkennt „wir sind Kinder„!

Glück schlägt Geld – Schaumschläger und rosa Elefanten

Der Generation Y wird ja immer vorgeworfen, sie sei zu selbstbewusst und zu fordernd. Zu Recht, wie Kerstin Bund meint und es mit der Aussage auf den Punkt bringt „wir kommen auf den Markt und sind viele“. Was heißt das? Wartet auf diese Generation das Arbeitsparadies? Wo jeder arbeiten kann, wann, von wo, was und wie es ihm gefällt? Zwischendurch mal ein Sabbatical einlegt, mal „was Soziales“ macht und dann mal wieder Geld verdient? Eine Welt, in der es egal ist, was ich studiere, weil ja eh jeder gebraucht wird (oder auch nicht?)! Und in der das Gehalt auch keine Rolle spielt, weil, weil, … ja, warum eigentlich?

Ach ja, weil ich ja so ein sparsamer Typ bin, mein Partner auch arbeitet, Kinder und ihre Betreuung kein Geld kosten, mein Urlaub eine Mischung aus sozialem Engagement in Timbuktu, Strandcamping und housesharing ist und ich mir die Anreise mit meiner Mitarbeit auf einem Bananenfrachter finanziert habe? Die gemachten Fotos poste ich danach auf meinem blog und verdiene damit noch ein paar Euronen. Nein, viel nachhaltiger, ich mache damit einen Spendenaufruf für die hungernden Kinder in Afrika auf meiner Facebook Seite, die dann natürlich 100.000fach geklickt wird, der Bundespräsident wird durch seine Teilzeit Social Media Beauftragte (die kleine Kinder und Katzen liebt) auf mich aufmerksam gemacht, lädt mich ins Schloss Bellevue ein, wo ich vor hochrangigen Vertretern aus Politik, Kultur und Wirtschaft eine mitreißende Rede über die elementare Bedeutung der Chancengleichheit von Schwänen und Weißkopfseeadlern beim Fliegenfischen halte und gerade beim dramaturgischen Höhepunkt klingelt mein FairHandy und mein Chef teilt mir mit, dass ich Ehrenmitarbeiter auf Ewig bin und immer nur noch arbeiten brauch, wenn ich Lust dazu habe, weil er so froh ist, einen so sozial engagierten Mitarbeiter zu haben. Über mein Gehalt brauche ich mir natürlich gar keine Gedanken machen, er mache zwar immer noch keine Gewinne, aber das würde ja sowieso total überbewertet. Seine Investoren hätten gerade meine Facebook Seite gesehen, auf der ich von meinem tollen Chef geschwärmt habe und haben ihm darum auch die 12. Finanzierungsrunde anstandslos bewilligt, solange er mich beschäftigt. Und als ich wieder auflege, fragt mich Tim Benzko gerade über Twitter, ob ich nicht mit ihm die Welt retten wolle. Er kenne da in Berlin einen kleinen Stadtteil, der einen neuen Stadtteilbürgermeister braucht. Das wäre doch was für mich.

Willkommen in (m)einer Welt, die ich nach meinen Vorstellungen gestalten kann, weil ich ja gelernt habe, total flexibel zu sein und alle nur auf mich gewartet haben!

Glauben wir das wirklich? Ist das unsere greifbare Zukunft? Definitiv nicht! Und natürlich habe ich gerade komplett überzeichnet. Und provoziere damit bewusst. Und mache mich angreifbar. Oute mich als „Ewiggestriger“, der die Generation Y einfach nicht verstehen will und darum über Dinge halluziniert, die die doch so nie behauptet hat. Der wieder nur Steine in den Weg legt auf dem Weg in eine bessere Welt. Der nur das Negative sieht. Wer mich kennt weiß, dass das nicht stimmt. Und natürlich, meine Meinung ist absolut subjektiv und vielleicht bin ich auch einfach nur ein kaputter, desillusionierter Geist, der nicht mehr an das Gute im Menschen glaubt (was ich im Übrigen wirklich nicht tue). Vielleicht liege ich aber auch gar nicht so falsch?

Die Gefahr die ich sehe ist: Hier wird pauschal auf eine ganze Generation ein Druck aufgebaut („Du kannst Dein Leben frei gestalten“) –  dem viele nicht werden standhalten können. Ich finde das unverantwortlich! Darum schreibe ich diesen Artikel. Und wenn Sie der Meinung sind, „Zaborowski, geh in Rente. Du peilst ja gar nichts mehr“, dann sagen Sie mir das bitte, liebe Leser. Ich werde dann zwar nicht in Rente gehen (wovon soll ich leben?), aber nicht mehr über dieses Thema schreiben.

Glück schlägt Geld – auf der Flucht vor der Realität?

Also, „Glück schlägt Geld“! Nicht wirklich, oder?! Das ist die nette Realität der Jugend und sicherlich auch mancher Persönlichkeitstypen. Umgesetzt haben es früher maximal einige „Aussteiger“, wie die Surferjungs“, die lässig mit freiem Oberkörper die Zehen in den Strand bohren (wenn sie nicht gerade auf dem Surfbrett stehen) und ihre von Wind und Wellen gestählten Körper nachts nur mit einem dünnen Strandlaken bedecken, während das Lagerfeuer die Dose Bohnen aufwärmt und einen orangenen Schimmer auf den rostigen Wohnwagen in den Dünen wirft, der seit 50 Jahren nicht mehr dort wegbewegt wurde.

Umgesetzt haben das vielleicht auch die „Künstler und Freidenker“ unter uns, die entweder vom persönlichen, künstlerischen Ehrgeiz getrieben ihren Beruf tatsächlich als Berufung sehen (und dieser Berufung alles unterordnen) oder aber sich dem Druck des schnöden Wirtschaftslebens nicht stellen wollen und eher in die Schönen Künste „fliehen“.  Und umgesetzt haben es auch die ganzen hippen Jungs und Mädels in den Startups, die mit Dingen (kein) Geld verdienen, die früher (und heute?) eigentlich niemand braucht. Und im Zweifel von Geldern derjenigen leben, die das in der guten alten Zeit erwirtschaftet haben und nun machen können, was sie wollen. Aber beschäftigen wir uns mit den „Normalen“ unter der Generation Y. Die nicht von einer „Berufung getrieben“ sind und sich ein BWL Studium genauso (nicht) vorstellen können wie eine Ausbildung zum Arzthelfer. Die einfach einen Job machen, aus den verschiedensten logischen Gründen. Und die wie 90% aller Arbeitnehmer vor, um und nach ihnen (wie Gudrun Happich in ihrem Buch „Was wirklich zählt“ schätzt), auch nicht so richtig wissen, was sie eigentlich wollen. Auch oder obwohl sie eigentlich erfolgreich sind.

Laut der embrace Studie zur Generation Y wollen über 50% der Befragten nach drei Jahren im Job Kinder haben. Das finde ich super! Ich bin selber Vater und möchte das Glück nicht mehr missen. Aber liebe GenY, vertut Euch nicht! „Glück schlägt Geld“ ist nicht das Motto des jungen Vaters, dessen Freundin/Frau unbedingt schon ein Kind haben wollte („Schatz, das ist doch heute alles parallel möglich. Dein Gehalt alleine reicht doch oder wir arbeiten beide reduziert“). Der nach der ersten Euphorie und der Glückshormonausschüttung feststellt, dass beide Gehälter aufgrund reduzierter Arbeitszeit (weil, man möchte ja auch Zeit mit dem Kind verbringen) vom Kinderbetreuungsgeld, den Windeln, Babynahrung, dem größeren Auto und davon unabhängig den steigenden Lebenshaltungskosten schneller aufgezehrt werden als der Monat vergeht. Dessen Chef auf die Uhr schaut, wenn er wieder eher gehen muss, obwohl die Arbeit noch nicht erledigt ist. Der dann von zu Hause weiterarbeiten will, wenn das Kind schläft, was es aber nicht tut, sondern schreit, denn ein Kind ist keine Maschine mit „Aus“-Knopf. Der nachts oder früh morgens hoch muss („Schatz, das Kind schreit“) und dann also unkonzentriert ist und nach einigem Wochen in diesem Zustand immer schlechtere Leistung zeigt. Worauf der eingeplante Bonus in Gefahr ist, was er natürlich seiner Freundin nicht sagt, die möchte doch dieses Jahr unbedingt Urlaub in der Sonne machen, nach all der Doppelbelastung mit Kind und Job und überhaupt. Also muss er sich entscheiden, wem er mehr gefallen will: Dem Chef oder der Freundin. Er entscheidet sich für den Chef, denn er hat bald gelernt: Ich muss von was leben – und mir schenkt niemand etwas! Erst Recht nicht mein Chef!

Jetzt können Sie, liebe Leser, mir gerne erzählen, dass deswegen ja die Unternehmen alle Betriebskindergärten eröffnen oder Zuschüsse zu den Betreuungskosten bezahlen. Und das „Karriere“ ja ganz neu definiert wird und sich nicht mehr aus langer Anwesenheit ableitet. Ja, meine Lieben, erzählen könnt Ihr mir viel! Aber wie sieht die Realität aus?

Und ich könnte jetzt noch einige anderen Themen ansprechen. „Arbeit soll Sinn machen“, „Flexibles Arbeiten möglich sein“, „Karriere neu definiert werden“. Das ist alles richtig. Und ich wünsche mir das auch alles! Falls es Sie interessiert, liebe Leser: Fast alles, was reißerisch der Generation Y an Wünschen und Hoffnungen zugeschrieben wird, gilt auch für mich! Ich könnte sagen, ich bin Pre-GenY! Und damit ein Hinweis darauf, dass alle Generationen gleich ticken! Es gibt in allen Generationen alle Persönlichkeitstypen! Aber so wie die GenY es sich wünscht, tickt diese Welt nicht!! Das habe ich in meinen 13 Jahren Arbeitsleben gelernt. Was ist trotzdem anders als früher und welche Konsequenzen müssen wir ziehen??? Ich werde es Ihnen erklären!

Glück schlägt Geld – in einer entzauberten Welt!

Kurz vor Ende meines Studiums war die Hoch-Zeit des „War for Talents“. Die old economy brummte, die „DotComs“ drängten auf den Markt, beflügelt von wilden Expansionsphantasien und befeuert durch blinde Kapitalgeber. Jeder, der IT nur sprechen konnte, bekam einen Job! Der Markt war leergefegt! Zu der Zeit schrieb ich meine Diplomarbeit und rief den Arbeitnehmern zu: „Jetzt könnt ihr endlich fordern, was ihr wollt! Einen Job, der für euch maßgeschneidert wird! Freiheit in der Arbeitszeitgestaltung! Bessere Führung“ Ihr habt Macht! Macht was draus!“ Aber das alles interessierte niemanden! Alle wollten nur zwei Dinge: viel viel Geld und schnelle Karriere! Und die Unternehmen gaben es ihnen. Zumindest das Geld. Dafür dann aber auch Arbeiten und nicht Mucken. Klar. Auf eine andere Idee wären die Arbeitnehmer damals aber auch gar nicht gekommen.

Aus der schnellen Karriere wurde leider nichts. Denn dann platze die DotCom Blase … und dann kam der 11. September … und dann war alles vorbei! Die schöne neue Welt des schnellen Reichtum und leichten Lebens war entzaubert. Es ging nicht immer „höher, schneller, weiter“. Alle wussten es auf einmal. Aber keiner sprach es aus. Es wurden wieder kleine Brötchen gebacken. „Man“ war froh, einen Job zu haben oder zu bekommen. Was in den nächsten Jahren an Krisen folgte, ist uns allen präsent. Und deswegen hat Kerstin Bund absolut Recht mit der Diagnos, dass die Arbeitgeber ihr „Arbeitsplatzversprechen“ aufgelöst haben – und darum die Arbeitnehmer auch nicht mehr klaglos schuften müssen bis zum Umfallen. Und nochmal: Alle Wünsche, wie Arbeit funktionieren sollte, sind gut und richtig. Und wir werden dahin kommen. Einen spannenden Einblick dazu finden Sie u.a. im „Offenen Brief an Microsoft“ von Guido Bosbach. Exzellente Gedanken, wie sich die neue Arbeitswelt entwickeln muss.

Aber: Wir sind da noch lange nicht!!! Wir sind da auch in fünf Jahren noch nicht! Und liebe Generation Y, das solltet Ihr wissen!!! Und wenn Ihr von den Personalleitern lest, die wegen Euch eine Krise bekommen und sich fragen, wie sie nur mit Euch umgehen sollen – dann lasst Euch nicht täuschen! Ich möchte pauschal sagen: 80% aller Geschäftsführer, Manager, Abteilungsleiter und Personaler interessiert überhaupt nicht, wie Ihr tickt!!! Die lesen keine Blogs, die surfen nicht im Netz. Die schauen mal in die ZEIT und lesen einen Artikel über diese komische Generation, aber nächste Woche ist alles wieder vergessen. Das ist die nackte Wahrheit!

Ich habe gestern privat mit einem Laborleiter eines mittelständischen Chemieunternehmens gesprochen. Seine drei Kinder studieren alle. „Generation Y? Was ist das? Habe ich noch nie gehört.“ Wer sitzt heute und auch noch in den nächsten 10 Jahren auf den Chefsesseln? Die 45+ Jährigen. Und die bleiben noch lange. Und im Notfall holt man halt ein paar Ruheständler zurück. Und wir sollten nicht vergessen, dass durch Automatisierung auch viele Jobs schlicht und ergreifend aussterben. Neue Technologien ermöglichen neue Arbeitsweisen, aber bringen manche Jobs auch „um die Ecke“. Was die einen also freut („Hurra, ich kann auf von Ibiza aus programmieren“), treibt anderen den Angstschweiz auf die Stirn („Wie, McDonalds ersetzt seine Verkäufer durch Terminals“). Und dann gibt es noch die Rente mit 67, ach ne, 63. Egal. Wir werden alle länger arbeiten müssen. Ich mindestens bis 70. Und ein Haus abbezahlt habe ich dann immer noch nicht. Der Laborleiter hat das heute schon längst. Na gut, als seine Firma Konkurs ging, hat er auch einen neuen Job angenommen – mit 65 km Entfernung einfache Fahrt! „Home Office?“ (er guckt mich an) „Ja, wenn ich nen Arzttermin habe und der dauert länger, dann arbeite ich mal von zu Hause. Aber regelmässig? Nee, nee, Zaborowski, Sie müssen vor Ort sein. Da geht sonst zu viel an Ihnen vorbei“. Er weiß bestimmt nicht, was heute schon alles geht – aber völlig Unrecht hat er auch nicht. Ich will die Diskussion jetzt hier auch nicht führen. Es werden noch 10-20 Jahre vergehen, bis die Vertreter des „alten Arbeitens“ weg sind. Und die richtig Erfolgreichen, die Mächtigen, die interessiert überhaupt nicht, was eine GenY fordert. Auch wenn es fünf prominente Vertreter dieser Gattung gibt, die was anderes behaupten. Die Mehrheit tickt anders. Versprochen.

Ich will sagen: Die Wirtschaftswelt sieht heute noch anders aus als wir es uns wünschen. Als es sein muss, um den Veränderungen der Welt richtig zu begegnen. Und das wird sie auch noch im Großen und Ganzen mindestens 10 Jahre bleiben. Hand drauf! Und es stimmt nicht, dass alle Vertreter der Generation Y gefragt sind. Einige von ihnen sind sehr begehrt. Viele andere aber eben nicht. Sprich: Da ist wenig Macht auf Seiten der Generation Y. Leider!

Glück schlägt Geld – nur über Umwege

Was ist mein Rat? Liebe Generation Y, zeigt Leistung! Umarmt Eure „Feinde“, die ihr nicht als Feinde sehen wollt. Spielt das Spiel mit! Kommt an die Macht! Durch Leistung. Macht Euch unverzichtbar! Werdet Führungskraft. Werdet der erfolgreichste Sales Manager, der pfiffigste Controller, der beste Social Media Profi. Dann werdet Ihr geliebt – und dann könnt Ihr was verändern. Aber da müsst Ihr erst einmal hinkommen. Also verschreckt Eure Gesprächspartner doch nicht gleich mit Forderungen aus einer anderen Welt! Das ist nicht clever! Das funktioniert bei Euresgleichen. Oder bei mir. Wir verstehen uns. Aber es gibt noch zu viele, die verstehen Euch nicht! Und müssen das auch gar nicht!

Ich rede nicht nur aus eigener, persönlicher Erfahrung, sondern ich schöpfe auch aus zahlreichen Gesprächen mit erfolgreichen und gescheiterten Führungskräften und Spezialisten! Schöne Gedanken, tolle Ideen und „nett sein“ – wenn das zählen würde, wäre ich einer der einflussreichsten Menschen Deutschlands (ok, etwas übertrieben …). In unserer Welt zählt (noch) nur Leistung. Sichtbar, messbar, nachvollziebar. Ich weiß, Ihr wollt was leisten. Aber anders. Aber anders ist „böse“. Anders macht denen Angst, die noch an der Macht sind.

Sag Deinem Gegenüber, was er hören will – er wird Dich lieben!

Sag Deinem Gegenüber, dass Du der Beste bist und ihm alles gibst, was er will – er wird Dich fürstlich bezahlen!

Sag Deinem Gegenüber die Wahrheit – und Du kannst gehen.

Sorry, aber so tickt diese Welt. Wir können das ändern. Aber das braucht Zeit. Und Ihr, liebe Generation Y, werdet in die Geschichtsbücher als „Puffer-Generation“ eingehen. Ihr müsst die sein, die jetzt noch mit den Wölfen heulen, um dann in 10 Jahren als Leitwolf die Regeln zu ändern. Und Euren Nachfolgern den Weg bereiten. Tut Euch den Gefallen: Seid schlau und spielt nach den heutigen Regeln. Ihr werdet Euch sonst nur verbrennen – und nichts ändern.

Viel Erfolg – ich unterstütze Euch gerne. Dieser Artikel ist ein Anfang.

Herzlichen Gruß,

Ihr Henrik Zaborowski

 

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29 Kommentare auf "Glück schlägt Geld? Oder: Die Generation (Y), auf die niemand gewartet hat"

  1. Brigitte sagt:

    Super, lange nicht einen so guten Kommentar zu Gen Y gelesen!
    und ich fürchte, er ist die Wahrheit. Habe selbst zwei Kids dieser Generation,
    in der es solche und solche gibt.

  2. Stefan Nette sagt:

    Hey Henrik,

    im Prinzip führst du viele Punkte aus, die ich so ähnlich schon gesagt habe im zitierten Blogeintrag. Nur eines kann und will ich nicht, mich selbst verkaufen um am Ende dann ein bisschen was bewegen zu können, weil ich den Rest vergessen habe ;)….

    Ich soll mit den alten Wölfen heulen und das tun was sie wollen? Irgendwann ist man so sehr in deren Trott drin, dass man am Ende die meisten eigenen Einstellungen nicht mehr auf dem Schirm hatte. Gefressen von der Realtiät. Versteh mich nicht falsch, natürlich mache ich was mein Job verlangt. Aber wenn mein gegenüber nicht bereit ist, auch mal auf mich zu hören und offen zu sein für meine Konzepte, Ideen, Wege.. Sorry, dann bin ich da falsch. Ich hab mir nicht umsonst Gedanken gemacht, ich bin immer bereit Positione zu überdenken, auch dazu mal zu scheitern oder Rückschläge zu haben. Aber wenn ich nicht als Mensch zähle, dann braucht niemand auf meine Arbeitskraft zählen.

    Ist vielleicht auch ein bisschen hart, aber ich hatte schon immer den Grundsatz „Ich möchte Abends in den Spiegel schauen können“ und das kann ich nur wenn ich mir treu bleibe.

    Und KInder, ach hör doch auf. Dafür bräuchte ich erstmal eine einigermaßen passende Frau…. von dem Thema fangen wir jetzt garnicht an. Ich habe offen gesagt den Glauben an die Beziehungsfähigkeit meiner Gen Y verloren. Die Zukunft mag mich lügen strafen aber im Moment ist von Partnerschaft, gar Kindern nichts zu sehen und zu hören… Also kann es mir auch egal sein, ob ich irgendwann mal das Geld brauche um Hälse zu stopfen, in absehbarer Zeit wohl eher nicht.

    Liebe Grüße, dein Y-Stefan 🙂

    • Hallo Stefan, jaaaa, jetzt wird es interessant, denn hier betreten wir die Grauzone der harten Wirklichkeit. Ich versuche mal eine strukturierte Antwort:
      1) „im Trott gefangen“: Ja, genau das kann passieren. Und hier eben nicht seine Ideale zu vergessen, das ist die große Kunst und Herausforderung. Aber ich glaube, dass es nur so funktionieren kann. Denn wenn ich von Anfang an nur den Job nehme, in dem ich alle meine Ideale wiederfinde – ich befürchte, da muss ich lange warten. Ausnahmen gibt es natürlich immer, sind meiner Erfahrung nach aber nicht die Regel.
      2) Du sollst ja nichts verbotenes tun. Ich konnte immer noch in den Spiegel schauen. Glücklich war ich deswegen aber trotzdem nicht. „Grau“ trifft es eher. Und ganz schwierig, aber ich stehe dazu: Als Mensch zählt Du im Job echt wenig. Nicht falsch verstehen! Dein Chef findet Dich nett, schätzt Dich, mit den Kollegen kommst Du gut klar – es ist alles gut. Aber wenn es schwierig wird, wenn Dein Chef anderer Meinung ist, wenn Du vielleicht Recht hast aber das nicht ins Konzept des Unternehmens passt, dann zählst Du als Mensch nicht. Liest sich extrem, sorry. Aber am Ende ist es so. Und das ist auch kein Vorwurf, sondern ein Prinzip des Systems.
      3) Naja, zu dem Thema Beziehungsfähigkeit Deiner Generation kann ich wenig sagen … Da warte ich mal, bis meine kids so weit sind. Wie würde Hape sagen? „Ehe ist Arbeit, Arbeit, Arbeit“ 🙂
      Herzlichen Gruß, Henrik

  3. Stefan Nette sagt:

    Hey Henrik

    zu 1) Ich habe aber auch nie behauptet, dass alles stimmen muss ;). Es sollte nur keine zu große Gap geben, ich denke das ist realistisch. So ist es auch aktuell. Nicht einer Meinung sein, mal eine Pillen schlucken müssen. Das gehört doch überall dazu.

    zu 2) Ich hasse Schwarz Weiß, die Welt ist ein Ort von Nuancen, aber nirgends in der Natur wirst du Schwarz und Weiß finden. Hellgrau, Dunkelbraun… Aber nie Weiß und Schwarz. Wie oben schon gesagt, es gibt Punkte an denen man Pillen schlucken muss. Aber wenn ich über einen längeren Zeitraum sagen würde: „Ich bin nicht zufrieden“ dann stimmt etwas nicht. Denn wer mich kennt, der weiß das meine innere Ruhe und Ausgeglichenheit fast unerschütterlich ist. Ich war 98% meiner Lebenszeit zufrieden. Wenn das nicht mehr so ist, dann würden bei mir die Sirenen schrillen…. Dann wird es Zeit für eine Exit Strategie und da würde dann auch ein Unternehmen nicht mehr für mich zählen. Aber vorgekommen ist das bis heute noch nie 😉

    3) Das wäre auch ein Thema für andere Blogs 😉

    Lass es dir gut gehen!

    Stefan

  4. Stefan Nette sagt:

    Eins muss ich noch los werden:

    „Mich stört, dass die Generation Y sich eine Zukunft vorgaukelt, die nicht der Realität entsprechen wird!“

    Aber mein lieber Henrik, so war das doch schon immer. A hat Ziel a, B hat Ziel b… Am Ende einigen sich A und B auf den KGN c… Natürlich wird nicht alles klappen was GEN Y so erträumt, aber ohne die Träume wird warscheinlich garnichts dergleichen passieren. Abgerechnet wird am Schluss. Ich schlage vor wir reden noch mal in 15 Jahren, dann bin ich 45 und du alt und Grau :P… Wie gemein von mir. Aber das sollte ein realistischer Zeitrahmen sein um Vergleiche ziehen zu können.

    • Ach Stefan, grau bin ich doch jetzt schon … Aber das mit dem Vorgaugeln, ich würde das nicht so runterspielen. Ich nehme eine viel größere Untersicherheit der jungen Generation wahr als das vor 10 Jahren war. Wenn ich dann als junger Mensch überall lese, dass ich zur begehrten Generation gehöre – und das selber in meinem eigenen Arbeitsleben nicht erlebe – dann baut sich bei mir ein ziemlicher Druck auf. Nach dem Motto „ich bin der einzige, bei dem es nicht läuft“ oder „was mache ich falsch“. Aus meiner Sicht ist dieser ganze Hype und die einseitige „wir sind most-wanted“ Hudelei eher kontraproduktiv. Und da wollte ich einfach mal einen Gegenpunkt setzen. Und klar machen: Ganz so einfach wie immer geschrieben wird, wird es nicht werden.
      Herzlichen Gruß, Henrik

  5. Stefan Nette sagt:

    Hmmm… Nicht in meiner Wahrnehmung Henrik. Wenn ich die Bilder sehe, gepart mit unserem Gespräch… Ich sehe nur einen jungen, lustigen Kerl der sein Business aus Spaß an der Freude betreibt (und um vielleicht ein Brötchen essen zu können). Also mal ernsthaft, du kommst schon recht jung rüber.

    Ja, das mag sein, aber die Most Wanted Hudelei kommt ja nicht nur von uns ;)… Und dass die Leute unsicher sind.. Ich bringe nur die Heli-Eltern an. Vielen fällt es extrem schwer auf eigenen Beinen zu stehen, sie haben es schlicht nicht gelernt. Jedenfalls nehme ich das so wahr. und ich nehme mich hier nicht mal raus ;).. Obwohl ich schon glaube, verzeihung, „Eier zu haben“ und meinen Weg zu machen.

    Im übrigen mal ein dickes Danke, dass ich von dir Zitiert werde. Auch Herr Eggerts Reaktion auf meinen Beitrag war ein breites verteilen des Links. Das is als absolut unbeschriebener Newcomer sofort auf derartige Resonanz stoße macht mich ein wenig Verlegen und auf jeden Fall ganz schön happy 😉

    • Das „grau“ bezog sich auch nur auf meine Haare. Das kriege ich regelmässig von meinen Kinder zu hören … Und mit dem Zitieren: Herzlich gerne! So muss das. Guter Contant gehört geteilt 🙂

  6. Super-Beitrag, wir diskutieren das Thema auf der Personal Süd am Dienstag, da werden wir diesen Blogbeitrag referenzieren!

  7. Lieber Henrik (ich bleibe mal Y-mäßig beim „du“ und hoffe, das ist okay),

    danke für diesen kritischen Beitrag. Ich (selbst GenY und sogar beruflich zum Thema unterwegs) freue mich immer, wenn ein Dialog zustande kommt – und genau das ist ja hier geschehen 🙂

    Ich will gar nicht auf alle Punkte eingehen, die du ansprichst – aber gerne noch einen Aspekt ergänzen: Transparenz.. Ich glaube, die wird zunehmend wichtiger in der Arbeitswelt, und zwar auf Seiten der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer. Eben weil nicht alle gleich sind, und „wir“ auch keine Lust haben, ständig den Job zu wechseln, weil es uns im aktuellen Job nicht gefällt. „Wir“ wollen ja durchaus Geld verdienen, loyal sein und uns beruflich engagieren – aber eben am liebsten, wenn wir auch hinter dem stehen, was wir tun (macht einfach mehr Spaß 😉 ). Dazu ist es wichtig, dass wir das formulieren (und das, bitte, jeder für sich – was aber ob der vielen Möglichkeiten gar nicht so leicht ist) und kommunizieren. Auf der anderen Seite denke ich, es ist ebenso wichtig, dass Unternehmen deutlich kommunzieren, wie sie ticken, was sie bieten können und was auch nicht. So können, in einer vielleicht im Moment noch naiv geträumten, aber wirtschaftlich min. ebenso effektiven Welt wie der jetzigen, die zusammenfinden, die zusammen passen – das müssen doch auch jetzt schon alle wollen!? Und dass auch neuartige Dinge wie Selbstbestimmung und Eigenverantwortung der Mitarbeiter in der Arbeitswelt funktionieren, zeigen ja schon einige Beispiele – ich denke an dm, erfolgreiche Start-ups wie Jimdo und myboshi…

    Ich jedenfalls hoffe und glaube, dass wir nicht als „Puffer-Generation“ enden – nicht zu letzt, weil alle Kritiken von „Älteren“, damit enden, dass unsere Forderungen und Erwartungen eigentlich ja schon nicht verkehrt wären… 😉

    Herzliche Grüße aus Hamburg,
    Isabelle

    • Moin moin Isabelle,
      vielen Dank für Deine Anmerkungen. Ja, ich bin ganz bei Dir. Gerade hinsichtlich der Transparenz. Ich arbeite sogar gerade daran, diese Transparenz im Recruiting / Bewerbung besser herzustellen.
      Es ist halt nur so (und sorry, das liest sich echt blöd): Ich „kenne“ die Arbeitswelt. Viele denken ja, das sind da alles vernünftige Menschen und logisch und überhaupt … Stimmt oft aber leider nicht. Und darum wird dieser „Umbruch“ in der Praxis länger brauchen als Du und ich es uns wünschen! Und mehr will ich mit dem Artikel eigentlich nicht sagen. Viele der GenY müssen sich darauf einstellen, die nächsten 10 Jahre noch nach den alten Regeln zu spielen. So leid es mir tut. Aber das können wir ja nochmal diskutieren 🙂
      Herzlichen Gruß ins schöne Hamburg,
      Henrik

      • Hallo Henrik,

        so ein ähnliches Gespräch hatte ich in der letzten Woche schon mit Prof. Schwaiger (der in der Zeit vor ein paar Wochen auf Kerstin Bunds Buch hin eine Replik geschrieben hat) – und das war echt eine nette Diskussion. Geschrieben klingen vermutlich beide Seiten blöder und verbohrter, als sie letztlich sind 😉

        Aber was ich in der Tat spannend finde ist, wie du die Transparenz im Recruitingprozess erhöhen willst! Vielleicht kannst du mir das bei Gelegenheit mal näher erläutern?

        Sonnige Grüße,
        Isabelle

  8. Lilly sagt:

    Lieber Henrik,

    meine Generation ist wirklich sehr „realitätsscheu“, da stimme ich voll und ganz zu. Wie in jeder Generation wird einfach eine Extremhaltung eingenommen, um den Vorgängern den Spiegel vorzuhalten. Das ist für die oft unangenehm, weil sie auch von Idealen geträumt haben, die sich mit der Zeit wieder in Luft auflösen. Die Reibung ist trotzdessen wichtig, weil die Gesellschaft immer wieder gemeinsam auslotet, wo die Reise hingeht. Würden wir den Vorgängern einfach nur zustimmen, dann wäre das ein Vorwurf, den man uns machen könnte.

    Keine Sorge, wir werden auch zu Realisten (in 10 Jahren) und warten darauf, wie uns die Generation Z angreift.

    Die Y-Lilly

    • Liebe Y-Lilly, absolut richtig! Und die Kunst ist jetzt, den gangbaren Weg zu finden, um Veränderungen unter realistischen Bedingungen einzuleiten. Ohne sich zu verbiegen.
      Herzlichen Gruß, Henrik

  9. Hallo Herr Zaborowski,

    wie immer ein gelungener Text und ganz in meinem Sinne. Ich stimme Ihnen in vielerlei Hinsicht zu – obwohl man das mit den 10 Jahren-Überbrückungdauer und der Puffer-Generation als Vertreter der Y-er nicht so gern hören möchte.

    Sie beschreiben die aktuelle Situation sehr treffend. Ich würde die Lage nur noch etwas weiter zuspitzen: Ob Angepasstheit oder Y-ertum – die Integration in den Arbeitsmarkt ist für beide Individuen schwer.

    Sie kennen meinem Fall. Ich spreche für die Geisteswissenschaftlicher.

    In den ganzen Debatten um unsere Generation wird nämlich eines häufig vergessen – die Herkunft unseres Denkens! Was meine ich damit: Ich habe das Gefühl, dass die Generation Y oftmals mit einem naiven, bequemen und neuen Denken „betitelt“ wird, welches ihnen in die Wiege gelegt wurde.

    Falsch (oder zumindest für einen beachtlichen Teil nicht zutreffend)! In meinem Fall (und das ist an dieser Stelle subjektiv) bin ich ein Y-er GEWORDEN, weil ich an der Angepasstheit gescheitert bin.

    Vom Studium motiviert gestartet: Mit Bildung und Noten, mit renommierte Namen und Praktika und dem Auslandsaufenthalt habe ich zahlreiche Gespräche gehabt, auf die ich mich mit Coachings, Bewerberbüchern und Püttjer und Schnierda tagelang vorbereitet habe, um in diesem System der Angepasstheit optimal zu funktionieren.

    Und?

    Ich bin gescheitert – immer und immer wieder! Und das war gut so, denn sonst hätte ich dieses System nicht infrage gestellt und den Mut gehabt ein Y-er zu werden.

    Es gibt immernoch zuviele Unternehmen, die nach dem stringenten, roten Faden suchen. Jeder von uns hätte sich seinen roten Faden gerne selber etwas umfangreicher geknüpft – wenn man die Chance dazu bekommen hätte. Vor 10 Jahren war es sicherlich einfacher, mehrere dieser bewusst einseitigen und geradlinigen CVs zu finden. Heute sind es die „Glückspilze“ oder sehr gut vernetzte Kandidaten (in welcher Form auch immer), die dieses Privileg noch haben. Die Gesellschaft hat sich verändert – die jungen Akademiker (insbesondere der Geisteswissenschaften) meiner Generation haben keine berufliche (Aus-)Wahl mehr.

    Wir nehmen was wir bekommen – Und das passt nicht immer zusammen.

    Und das macht uns zu Y-ern:
    Für jede meiner gemachten Erfahrungen in einer fachfremden Umgebung bin ich dankbar, denn genau dass ist es, was mich auf eine Gesellschaft ohne Sicherheiten, die sich jede Sekunde durch technischen Fortschritt, Schnelllebigkeit und Informationsflut wandelt, optimal vorbereitet hat. Meine Generation hat sich angepasst und profitiert gleichermaßen auch davon. Ideen, die durch andere Perspektiven entstehen, die Entwicklung einer ganz anderen Selbstmotivation und ein Leistungsprinzip, welches fachunabhängig existiert sind nur einige Bespiele.

    Diese Denke muss forciert werden! Stattdessen aber müssen wir uns in alte Raster pressen, begründen was wir in 2 Monaten Leerlaufzeit getrieben haben, warum wir so viele unterschiedliche Tätigkeiten „ausprobiert“ haben und wieso wir nach dem Studium nicht direkt in den Beruf eingestiegen sind!

    Das kann man irgendwann nicht mehr hören.

    In einem Recruiting-Prozess muss man Kriterien und Standards finden – nur würde ich mir wünschen, dass man diese endlich an die heutige Zeit und die aktuelle Generation anpasst.

    Ich verstehe ihre Argumentation, dass man jetzt noch die Füße still halten sollte, aber bedenken Sie, dass heutige Führungskräfte auch ihre Kaderschmieden haben, um ihren Nachwuchs heran zu „züchten“. Stichwort sollen hier bspw. die Business Schools und Eliteschulen sein.

    Daher muss dieses Thema präsent bleiben – es muss jemanden geben, der für Veränderung kämpft, auch heute schon. Und das sind die (wenn auch nur als Puffer) , die sich trauen – die Y-er!

    Mit besten Grüßen an Sie aus Berlin,

    Franziska Mülller

    • Hallo Frau Müller, Ihre Gedanken sind ein Traum.

      Sier ergänzen perfekt, was ich gedacht aber nicht geschrieben habe. Weil es für mich schon zu selbstverständlich ist. Sie haben vollkommen Recht: Das „naive Denken“, das der GenY zugeschrieben wird, ist ein Kind der Zeit und keines dieser Generation! Und dieses „über den Tellerrandschauen“ der GenY, das sich vor allem aus den Umständen entwickeln musste, ist das, was wir für die Zukunft der Arbeit brauchen.

      Wir müssen in der Tat neue Kriterien für die Stellenbesetzung finden. Der „rote Faden“ funktioniert nur noch bei wenigen. Ich bin dran, vielleicht können Sie mir helfen?

      Und ja, das Thema muss präsent bleiben. Wir dürfen nicht so tun, als ob alles in Ordnung ist. ABER: Dafür muss ich erst einmal in der Position sein, etwas zu ändern. Und das wird zumindest in den nächsten 10 Jahren niemand schaffen, wenn er beim 1. Vorstellungsgespräch den 50jährigen Personaler fragt „was kann ihr Unternehmen denn für mich tun“ 🙂 Denn dann kommt er/sie nicht in die „Mitte der Macht“, in der er/sie etwas ändern kann. Naja, es wird zumindest schwierig. Deswegen mein Tipp: Macht es eurem Gegenüber nicht so schwer und spielt ein wenig mit. DAnn haben sie auch nicht so viel Angst und Widerstand.

      Lassen Sie uns doch bitte die Tage mal telefonieren. Ich würde mich freuen.

      Herzlichen Gruß,
      Henrik Zaborowski

  10. […] auch wenn Henrik Zaborowski sicherlich recht hat, wenn er in seinem großartigen Einwurf “Glück schlägt Geld? Oder: Die Generation (Y), auf die niemand gewartet hat” sagt, die – die – Generation Y möge sich doch bitte darauf einstellen, dass bis auf […]

  11. Axel Müller sagt:

    Lieber Herr Zaborowski,
    Ihre und Frau Bund´s Einschätzungen zur Generation „Y“ teile ich, nur sollte diese Generation nicht in Selbstmitleid ertrinken, sondern kämpfen. Die Rahmenbedingungen zur Selbstverwirklichung in der Arbeitswelt sind nicht einfacher oder schwieriger geworden als zu meiner Zeit (Jahrgang 1961) – sie sind anders. Anspruch und Wirklichkeit stehen momentan dabei nicht immer im richtigen Einklang. Jeder strebt heute nach maximaler (leider nicht immer optimaler) Bildung, es entstand/entsteht eine Inflation der Qualifikationen in deren Ergebnis eben nicht jeder ad hoc eine Führungsposition (viele auch nie) in der Wirtschaft bekommt. Und trotzdem schaffen es einige, sich in dieser Welt zu etablieren, dazu bedarf es neben der entsprechenden Qualifikation aber auch Fleiß, Disziplin und einer großen Portion Demut (man muss dabei nicht unbedingt „mit den Wölfen“ heulen). Die scheinbare Härte des Alltags unserer Generation „Y“ entsteht auch durch den immensen Konkurrenzdruck z.B. durch viele hochmotivierte und bestens qualifizierte Asiaten, deren „Leidensfähigkeit“ deutlich stärker ausgebildet ist, denen man sich aber beim Kampf um die „Futtertröge“ stellen muss. Die 10-jährige Entwicklung zum „Leitwolf“ sollte man dabei eher als Entwicklung des eigenen Charakters begreifen, denn als Ziel, die bestehenden Rahmenbedingungen
    dann schleunigst wieder zu „harmonisieren“ – gesellschaftlicher Fortschritt braucht zunächst gesunden Konkurrenzdruck und weniger Harmonie …
    In diesem Sinne
    Glück auf und eine schöne Zeit Ihnen
    Axel Müller

    • Hallo Herr Müller, vielen Dank, ein coole (im Sinne von pragmatisch/realistische) Sicht der Dinge. Überrascht hat mich das Wort „Demut“ im Zusammenhang mit Fleiß und Disziplin. Ich bin sehr für mehr Demut, aber ich kenne kaum eine Führungskraft (oder einen erfolgreichen Unternehmer), den ich „demütig“ im Sinne von „ich weiß, das ich auch ein wenig Glück gehabt habe“ nennen würde. Davon gibt es sicherlich einige wenige und von denen kann man auch Berichte lesen. Die Mehrheit dürfte aber vor allem mit Fleiß, Disziplin und einer gewissen Arroganz weit nach oben gekommen sein. Und behält sich letztere auch weiter vor. Bei den 10 Jahren für die Entwicklung des eigenen Charakters und dem Konkurrenzdruck bin ich wieder voll bei Ihnen.
      In diesem Sinne – auch Ihnen weiterhin eine gute Zeit 🙂 Henrik Zaborowski

  12. Anika Zeimke sagt:

    Hallo Herr Zaborowski,

    erst heute komme ich dazu, diesen Blogeintrag zu kommentieren….

    FABULÖS! GROSSARTIGST! LEIDER GEIL!

    Ich danke Herrn Müller für das Wort „Demut“, das er hier in den Topf geschmissen hat und frage mich wie oft das Wort in den Köpfen der Generation Y ist? … Ok, wie auch, wenn ies nicht mal zum Gedankengut oder gar Wortschatz vieler Führungskräfte gehört!

    Meine Oma (Generation Trümmerfrau) hat immer schon gesagt: Nix wird so heiß gegessen wie es gekocht wird! Genauso ist es mit dem Trubel um die Generation Y! Aber es ist ja bekanntlich immer einfacher in das gleiche Horn zu blasen, wie die breite Masse! Daher DANKE DANKE DANKE für diesen Artikel! 🙂

    Sonnige Grüße

    Anika Zeimke

  13. Stefan Nette sagt:

    Liebe Frau Zeimke,

    ich glaube was das Wort Demut anbelangt lege ich Ihnen meinen, von Henrik Zaborowski genannten, Blog mal ans Herz.

    Ausserdem sage ich mal so, die Geister die nun Unterwegs sind haben die Gen X und die Babyboomer doch selbst gerufen… Insbesondere die Babyboomer die ja nunmal i.d.R unsere Eltern sind. Es ist ja alles schön und gut, mit dem kritischen betrachten der GenY. Aber man sollte doch nicht vergessen, durch welche Schule wir gegangen sind….

    Herzliche Grüße

    Stefan Nette

  14. Mike sagt:

    Das ist der BESTE Blog den ich hierüber je gelesen habe! CHAPEAU! Und das absolut berechtigt.
    Man kann es nicht verallgemeinern, auch in dieser Generation gibt es Ausreisser. Aber der Großteil ist gepampered ohne Ende, hat Trophäen für Dinge bekommen wofür es eigentlich keine geben sollte.
    Und verhält sich auch so. Ich möchte hier auch gar nicht weiter ausholen. Es ist in dem Blog alles gesagt. Und das treffend. Ich als Personalentscheider freue mich immer wieder über Interviews mit der Geberation Y. Gerade dann wenn ich eine Kämpfernatur darunter finde, die weiß das man noch was tun muss um was zu erreichen. Und ich freue mich aber auch, Türen zu schlagen zu dürfen mit dem Ratschlag, sich mal ein wenig zu reflektieren.
    Denen, die sich gerade in diesen selbstverwirklichen Selbstfindungstrip befinden (mit 20+) kann man nur sagen: Geht gut um mit Euren Chancen. Nicht das euch irgendwann die Türen verschlossen bleiben.

    • Hallo Mike, vielen Dank für dieses Lob, das freut mich natürlich sehr! Wobei ich etwas „barmherziger“ sein möchte. Denn auch die GenY ist, wie wir alle, Kinder ihrer Zeit und ihrer Eltern.
      Herzlichen Gruß, Henrik Zaborowski

  15. […] Viel schreiben (und lesen) wir alle gerade über die Generation Y, wie sie so tickt, was sie so treibt und vor allem auch, wie sie von die Arbeitswelt von morgen beeinflussen wird (oder auch nicht…). […]

  16. […] Hzaborowski.de Recruitment-Coach Henrik Zaborowski beschäftigt sich in seinem Blogartikel „Glück schlägt Geld? Oder: Die Generation (Y), auf die niemand gewartet hat“ kritisch mit den Forderungen der Generation Y: http://www.hzaborowski.de/2014/05/15/glueck-schlaegt-geld-oder-die-generation-y-auf-die-niemand-gewa… […]

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