Richtig bewerben? Ha! Bewerbungen sind miese Verräter!

18. Februar 2016 | Von | Kategorie: Recruiting

richtig bewerbenRichtig bewerben? Vergessen Sie es! Vergesst Bewerbungen! Das ist mein Ernst. Sollte es „da draussen“ immer noch Menschen geben, die glauben (und behaupten) es gebe die perfekte Bewerbung und (fast genauso schlimm) Recruiting sei ein nachvollziehbarer, kontrollierbarer und objektiver Prozess, denen rufe ich zu: „Hört auf! Erzählt nicht so einen Blödsinn!!“ Denn abgesehen davon, dass ich unwahre Behauptungen einfach nicht mag, haben diese Lügengeschichten auch noch eine verheerende Wirkung. Nämlich auf die armen Bewerber, die das Märchen von der richtigen Bewerbung  und dem „objektiven, vollkommenen Recruitingprozess“ glauben und die Schuld für die unerklärlichen Absagen bei sich suchen. Euch möchte ich heute in aller Deutlichkeit sagen: Es ist nicht Eure Schuld!!!

Richtig bewerben in der Praxis? Dramatisch!

Vor zwei Wochen konnte mich Chris Pyak, Gründer von ImmigrantSpirit mit seiner unnachahmlichen Art spontan für ein Interview auf Englisch über das Recruiting in Deutschland für seinen PodCast überreden (ich frage mich immer noch, wie ihm das gelungen ist, Respekt). Und da warteten sie dann, die top ausgebildeten Menschen aus aller Welt, die in Deutschland einen Job suchen und nun Antworten von mir erhofften, warum das scheinbar unmöglich ist. Wo doch alle fachlichen Anforderungen (und Erfahrungen), zum Beispiel bei (scheinbar?) sehnsüchtig gesuchten Softwareentwicklern, vorhanden waren. Bis auf die Deutschkenntnisse … autsch. Willkommen in Deutschland. Aber das will ich hier nicht weiter ausführen. Und obwohl ich nur grobe, aber echte „basics“ nannte, warum das mit der Bewerbung in Deutschland nicht klappt, war das Feedback sehr positiv. Die Hörer waren dankbar, dass ihnen jemand mal ein paar Dinge erklärte. Und ich dachte: Wie dramatisch! Da sind hochintelligente Menschen, die mental an so etwas „einfachen“ wie einer Bewerbung in Deutschland verzweifeln. Oder besser gesagt: Die am Unerklärlichen verzweifeln! Was läuft da schief?

Dann schrieb Ulrich Jordan im Human Resources Manager in „Erst einmal die Basics, bitte“ über die (miese) Bewerbungserfahrung seine Patenkindes. Und berichtet über Erfahrungen, die niemanden, der sich selbst mal mit Bewerbungen auseinander gesetzt hat, überraschen dürften. Insider (also Recruiter) sollten diese Berichte überhaupt mal gar nicht überraschen. Alles schon tausendmal gesehen.

Dann bekam ich letztes Wochenende eine Nachricht über XING von einem Personalvermittler mit einem Jobangebot, das auf mich passte. Naja, wenn Sie davon ausgehen, dass, wenn ein Wort aus dem Jobtitel auch auf meinem XING Profil zu finden ist, ich den Job kann und will. Der Job passte aber eben nicht und der Nachrichtentext war nett, aber auch komplett allgemein, massentauglich und damit nicht individuell. Macht nix, ich bin da niemanden böse (warum, lesen Sie weiter unten). Aber der Job (übrigens bei einem der ganz ganz großen namhaften Konzerne in Deutschland) passte perfekt auf jemanden, den ich kenne und von dem ich weiß, dass er wechseln möchte. Also: Info weitergeleitet und das schöne Gefühl gehabt, etwas Gutes zu tun. Ca. 5 Minuten lang. Dann kam nämlich schon die Antwort. „Habe ich mich vor vier Wochen drauf beworben. Außer automatischer Eingangsbestätigung nichts mehr gehört„. Also mal nach dem Job gegoogelt und bei einer namhaften Jobbörse gefunden. Die Anzeige ist dort seit Anfang Dezember veröffentlicht. Jetzt also mal langsam: Der Job war sechs Wochen online, dann bewirbt sich mein Kontakt (der aus meiner Sicht perfekt passt) dort und hört vier Wochen lang nichts. Dann (also etwa 10 Wochen nach Veröffentlichung) bekomme ich eine Nachricht von einem Personalvermittler mit genau diesem Jobangebot. Da scheint ja dringend der richtige Kandidat gesucht zu werden. Was ist da los?

Richtig bewerben? Geht gar nicht!

Und jetzt frage ich Sie: Was läuft hier falsch? Bevor ich Ihnen die Antwort gebe, ein letztes Beispiel. Vor zwei Wochen sprach mich eine Kollegin auf meinem Interimprojekt an. „Henrik, mir hat der Herr X geschrieben. Er wartet seit zwei Monaten auf Deine Rückmeldung!“ Bäähm! Erwischt! Es lief mir kalt den Rücken runter. So etwas kann ich gar nicht haben. Da macht mich mein schlechtes Gewissen so fertig, dass ich ganz zittrige Hände kriege. So ein Fehler! Und das mir!!! Wo ich doch ganz viel Wert darauf lege, dass so etwas eben nicht vorkommt. Aber Sie können sicher sein: Das ist mir mit Sicherheit schon ein paar Mal in meinen 15 Jahren Recruitingpraxis passiert. Nur manche  Bewerber melden sich halt nicht mehr, darum fällt es mir dann nicht auf.

Ich werde Ihnen im nächsten Artikel ausführlich darlegen, warum es zu solchen Fällen wie oben beschrieben kommt. Aber hier möchte ich es schon mal auf den Punkt bringen. Es liegt am schwächsten Glied im (angeblich) klaren Recruitingprozess: Dem Menschen. Und weil wir genau diesen Menschen als Individuum nicht heraushalten können, ist jede Bewerbung ein Glücksspiel – und wird es auch immer bleiben.

Noch einmal, ganz deutlich, zum Mitschreiben:

Jede Bewerbung ist ein Glücksspiel!

Und darüber können Sie mit mir diskutieren, so viel Sie wollen. Und alle Leiter Recruiting, die von ihren Prozessen überzeugt sind und meinetwegen sogar Preise für ihren Recruitingprozess gewonnen haben, dürfen hier gerne kommentieren und auf ihr Unternehmen und ihre Jobs hinweisen. Ich werde Ihnen nicht widersprechen. Ich freue mich ja, wenn es so etwas wirklich gibt. Und wer bin ich, irgendjemandes Arbeit anzuzweifeln? ABER: Ich werde nicht einen Millimeter von meiner Meinung abweichen! Zum Einen, weil ich schon zu viel erlebt habe. Zum Anderen, weil Recruiting so gut wie unmöglich fehlerfrei laufen kann! Stolperfallen lauern quasi auf jeden Zentimeter der Prozessstrecke. Stecken Sie einen Menschen in den Prozess – und Sie öffnen den Fehlern und dem Versagen Tür und Tor. „richtig bewerben“ im Sinne von „so, das nichts schief gehen kann“ geht einfach so gut wie nicht.

Und wissen Sie was? Das ist einfach so. Und da können Sie und ich auch niemanden einen Vorwurf machen. Natürlich gibt es Unternehmen, die haben einen wirklich schlechten Recruitingstandard, an dem es definitiv etwas zu verbessern gibt. Und natürlich gibt es Unternehmen, die haben das Thema wirklich gut im Griff und dürfen darauf stolz sein. Aber ich garantiere Ihnen: Auch im besten Unternehmen passieren Dinge, die Sie einfach nicht verhindern können. Warum? Weil Menschen Fehler machen. Bewusst oder unbewusst.

Bewerbungen sind immer unvollkommen!

Und dazu kommt, dass eine klassische Bewerbung einfach Schwachsinn ist! Es gibt keine schlechtere Art, als zu versuchen, mit einem Lebenslauf und einem Anschreiben einen Job zu bekommen! Völlig ungeeignet! Komplett irrsinnig. Es ist auch völlig egal, dass diese Art der Bewerbung seit Jahrzehnten Praxis ist. Das macht es nicht richtiger! Hier wird geraten und interpretiert, dass es der wahre Horror ist. Auf beiden Seiten. Glauben Sie wirklich, Sie können als Recruiter durch die Sichtung von 2-3 Seiten (digitalem) Papier innerhalb von 10 Sekunden (Ergebnis wissenschaftlicher Studien) erkennen, ob jemand den Job kann und ins Unternehmen passt? Vergessen Sie es! Sie können es nicht! Trotzdem machen wir es. Wir alle. Was für ein Blödsinn. Und es funktioniert ja trotzdem irgendwie. Natürlich laden Sie als Recruiter Menschen ein, die passen können und am Ende auch tatsächlich passen. Aber wie vielen sagen Sie ab, obwohl sie passen (und Sie es nur nicht erkennen)?

Wenn Sie meine Meinung zu dem Thema interessiert und Sie zwanzig Minuten Zeit haben … auf meinem Vortrag bei den HR Excellence Days 2015 bin ich darauf eingegangen. Etwa ab Minute 9 wird es konkret.

Und das ist ja noch das nächste Dilemma. Es macht ja nichts, dass Sie passenden Kandidaten absagen. Es bleibt ja (meistens) irgendeiner über, den Sie einstellen können, oder? Und hier muss man einfach sagen: Liebe Bewerber, es gibt den Job halt nur einmal. Oder meinetwegen auch 10 Mal bei einem Arbeitgeber. Warum solltest ausgerechnet DU ihn kriegen? Warum? Genau! Warum nicht auch ein anderer? Es gibt kein Recht darauf, diesen Job zu bekommen, nur weil ich es will. Da kann ich mich so lange richtig bewerben wie ich will.

Wissen Sie, diese ganze Situation, die ist nicht schön, aber sie ist ok. Wir leben in einer unvollkommenen Welt. Ich habe damit meinen Frieden gemacht. Haken dran. Es wird nie perfekt werden. Warum schreibe ich dann trotzdem diesen Artikel? Weil die meisten Menschen die ich kenne, sich immer noch richtig bewerben wollen … und aufgrund der ganzen Absagen an sich selbst zweifeln. Und mir immer wieder diese Szene aus „Good will hunting“ in den Sinn kommt und ich allen Bewerbern (und das sind im Zweifel auch irgendwann mal Sie, meine lieben Leser) zurufen möchte: Du kannst nichts dafür!

In der Regel können die Bewerber wirklich nichts dafür. Ja, es gibt schlechte und unpassende Bewerbungen. Und ja, „man kann sich auch mehr Mühe geben“. Aber am Ende liegt der Fehler im System!!!! Glauben Sie als Bewerber bitte bitte nicht, dass auf der anderen Seite alles richtig läuft! Das tut es nicht! Punkt! Mit jeder Bewerbung lassen Sie sich auf ein Glücksspiel ein. Ob Sie wollen oder nicht. Wenn Sie das nicht wollen, gehen Sie über konkrete, nachvollziehbare, verlässliche Empfehlungen. Dieser Weg ist auch nicht perfekt, erhöht aber Ihre Chancen. Auch davon kann ich demnächst mal berichten.

Also, sollten Sie aktuell in der Bewerbungsphase befinden: Atmen Sie durch. Suchen Sie den Fehler nicht zum 10. Mal bei sich. Sehr sehr wahrscheinlich liegt es nicht an Ihnen. Sondern am System. Vergessen Sie das Mantra des „richtig bewerben“. Und schütteln Sie nicht den Kopf über „die doofen Recruiter“. Die meisten, die ich kenne, machen einen guten Job. Oder versuchen es zumindest. Manchen fehlt die Erfahrung, der breitere Horizont, aber den meisten schlicht das richtige Umfeld. Auch sie sind nur Teil eines Systems, das extrem fehleranfällig ist. Wie ich ganz persönlich mal wieder bewiesen habe.

Und wissen Sie, worüber ich mich jetzt freuen würde? Schreiben Sie doch mal Ihre positiven Erlebnisse (gerne mit Firmennamen) ins Kommentarfeld. Dann fördern wir gleich noch die guten Arbeitgeber, die offensichtlich einen guten Recruitingjob machen. Ich würde mich freuen, wenn da einiges zusammmenkommt 🙂

Ganz herzlichen Gruß – und bis demnächst mit mehr Hintergrundinfos aus dem Alltag eines Recruiters!

Ihr

Henrik Zaborowski

 

 

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13 Kommentare auf "Richtig bewerben? Ha! Bewerbungen sind miese Verräter!"

  1. Gaby Feile sagt:

    Hallo Herr Zaborowsi,

    wie immer, ein sehr schöner Artikel. Wie machen Sie das nur, diese Mengen so regelmäßig zu schreiben?

    Ich stimme Ihnen zu: es gibt keine perfekte Bewerbung. Und es gibt auch keine perfekten Recruiter. Und auch keine perfekten Unternehmen.

    Mensch sein sehe ich als die wichtigste Komponente bei jeder Bewerbung (und bei jeder Form der Zusammenarbeit). Das Telefon hilft ungemein, wenn man menschlich sein will – und zwar für beide Seiten. Zum Hörer greifen, nachfragen, Antworten bekommen – das bringt mehr als Spekulationen oder Googeln. Jede Form von Recruiting-Technologie sehe ich immer nur als Ergänzung. Wobei ich aus eigener Erfahrung sagen kann, dass Technologie nicht unbedingt weniger Arbeit macht.

    Als Recruiter ist es mir ehrlich gesagt lieber, 3 passende Bewerbungen zu bekommen, als 30 unpassende. Und mein Tipp für Bewerber ist deshalb: schreiben sie nur wenige Bewerbungen und zwar für die Jobs, die Sie wirklich wollen. Und dann pfeifen Sie auf das System und seien Sie sie selbst.

    Es gibt nur ein Problem bei diesem Vorschlag: die meisten Unternehmen wollen zwar die besten Mitarbeiter, aber wenn sie sie haben, müssen diese in die Box steigen und drinbleiben. Nichts, von wegen Talente und Stärken einsetzen! Darüber werde ich demnächst mal schreiben.

    Viele Grüße und weiter so

    Ihre Kommplizin Gaby Feile

    • Hallo Frau Feile,
      herzlichen Dank für Ihre „Komplizen“Ergänzung 🙂 Das freut mich. Ich gebe Ihnen Recht mit der Anzahl der Bewerbungen. Aber leider funktioniert das für viele Bewerber nicht. Wie die Erfahrung zeigt: Selbst wenn sie meinen, sie passen perfekt, muss die Unternehmensseite das nciht genauso sehen …
      Freue mich schon auf Ihren Artikel zum Retentionmanagement. Bitte informieren!
      Herzlichen Gruß,
      Henrik Zaborowski

  2. Raik Ludwig sagt:

    Hallo Herr Zaborowski,

    Gestern noch habe ich zum Video „Unsere Fehler in der Personalauswahl“ kommentiert, dass es nicht unmöglich aber schwer ist, aus der Karriereschublade auszubrechen und heute liefern Sie mir den Blogbeitrag, der indirekt das „How-to“ zum Ausbruch darstellt.

    Wir haben uns ja letztes Jahr schon darüber unterhalten, dass ich mich eher in der IT-Beratung sehe. Schon da habe ich auf die klassische Bewerbung verzichtet und bin einfach den direkten Weg über Sie als „Ass im Unternehmen“ gegangen.

    Lustigerweise haben Sie auch hier den Punkt „Schublade“ aufgegriffen und mein eigentliches Ziel -IT-Berater- als, mit meinen bisherigen Erfahrungen, schwer umsetzbar beschrieben.

    Fast forward zum Januar 2016. Mittlerweile habe ich mir den richtigen Ansprechpartner bei einer SAP HCM-Beratung heraus gesucht und hier direkt zum Höhrer gegriffen. Wichtig ist dabei, zumindest einen dünnen roten Faden zu verfolgen (eben das HCM-Modul), um nicht komplett abgewimmelt und ausgelacht zu werden.

    Und tatsächlich: Es kam zum Treffen und, trotz fehlender technischer Erfahrung aber eben aufgrund der Persönlichkeit und aufgezeigten Lernbereitschaft, zum Vertragsangebot. So fange ich demnächst als SAP HCM Junior Berater an und bin überglücklich, meinen Berufswunsch trotz aller Hürden umgesetzt zu haben.

    Bewerben (und Ausbrechen) kann einfacher sein als bewerberseitiges „Post-and-Pray“, aber das bringt einem ja niemand bei. Eventuell ist das ein guter Ansatz für Ihren nächsten Beitrag?! Ich freue mich jedenfalls darauf, den zu Lesen.

    Viele Grüße
    Raik Ludwig

    • Hallo Herr Ludwig,

      ganz herzlichen DAnk für diesen Einblick, wie der Karrierewechsel funktionieren kann. Nämlich genau so! Und natürlich muss man dann auch noch ein wenig Glück haben 🙂 Ich bin begeistert!
      Herzlichen Gruß,
      Henrik Zaborowski

  3. Dolau sagt:

    Hallo Herr Zaborowski,

    Vielen Dank für den interessanten Artikel.
    Ich finde mich in vielem wieder.
    Ich hatte mich auf eine Stelle, die wie perfekt auf mich geschrieben worden war, bei einem großen deutschen Discounter beworben und gedacht, hey einen besseren als mich für die Stelle finden die nicht… Und was kam nach wenigen Tagen eine Absage… WTF…
    Der Lebenslauf zeige zu wenig Kontinuierlichkeit (einige Wechsel).
    Dann sucht man lieber monatelang nach dem „richtigen“ Kandidaten. Fachkräftmangel, dass ich nicht lache.

    • Hallo Herr Laucke,
      vielen Dank für Ihren Kommentar. Ja, leider leider ist das die täglich erlebte Realität. Aber ich bin mir echt unsicher, ob sich das jemals ändern wird 🙁
      Herzlcihen Gruß,
      Henrik Zaborowski

  4. Sehr geehrter Herr Zaborowski,

    vielen Dank für diese – wenn natürlich zum Teil auch überspitzt dargestellte – Zusammenfassung.
    Ich gebe Ihnen in vielem Recht. Das schlimmste ist aber in meinen Augen, dass die meisten Firmen gar nicht merken, dass an Ihren eigenen Prozessen etwas nicht stimmen könnte oder verbesserungsfähig wäre. Als Personalberater habe ich es oft mit Firmenkunden zu tun, die auch nach einer Rückmeldung fragen und dann ganz erstanunt sind, wenn man Ihnen Verbesserungspotential – sagen wir – aufzeigt. Häufig wird Besserung und geblobt und ein Jahr später bei der nächsten Einstellung läuft es dann zum Teil noch schlimmer. Häüfig sind sogar die Recruiter die „Guten“, die dann aber auch an den internen Prozeßen mit den Fachabteilungen „scheitern“. Und hier sei noch dazu angemerkt, dass die Unternehmensgröße meistens keine Rolle spielt.

    Machen Sie weiter so und legen den Finger weiter in Wunde!

    Beste Grüße

    Alexander Walz

    • Hallo Herr Walz,

      vielen Dank für Ihre Ergänzung und Ermutigung zum „weiter den Finger in die Wunde legen“. Da bleibe ich auf jeden Fall dran 🙂
      Und ja, die Recruiter sind oft in der Sandwichposition und könnte selber nur leidend zusehen, was der Fachbereich so verbockt. Aber wie immer im Leben: Da gibt es solche und solche!
      Herzlichen Gruß,
      Henrik Zaborowski

  5. Marc Mertens sagt:

    Lieber Henrik,

    wie ich dich bei unserem letzten Telefonat in Erinnerung habe, so hast du auch hier wieder eine gute Figur abgegeben – kurz, toller Bericht mit schmerzhaften Wahrheiten. Als ex-hauptberuflicher-Recruiter stimme ich dir da sehr zu und als ehemaliger Suchender ebenfalls. ;-))

    Wie gewünscht ein positives Beispiel, nämlich direkt von dort, wo ich gerade bin: http://www.autrado.de.
    Ziel war es, einen neuen Webdesigner (m/w) für unser Team zu gewinnen in 2015.

    Wie oben korrekt von dir dargestellt, hat mir unser Chef hier die Freiheit gegeben, einen neuen Webdesigner nach meinen Ideen zu suchen bzw. den Prozess und die Anzeige zu gestalten. Dabei wurden wir bei einem klassischen Quereinsteiger fündig, der in vielen Abteilungen sicherlich immer falsch gelesen wurde.

    Die Stellenanzeige enthält keinerlei technische Skillanforderungen, sondern nur Hinweise auf unser Team und das Versprechen, dass nicht das „woher“ zählt, sondern das „was & wie“.

    Unser neues Teammitglied ist …
    – eigentlich Ingenieur
    – eigentlich aus dem Chemiebereich
    – stammt nicht aus Deutschland
    – spricht + schreibt aber super deutsch
    – hat (jahre-)lang nach einem Job gesucht
    – kann Webdesign, weil er es sich beigebracht hat
    – kann Webdesign, weil er sich weitergebildet hat
    – hat zuletzt komplett fachfremd gearbeitet
    – wurde glücklicherweise von uns entdeckt

    Es stimmt natürlich, Glück gehört auf beiden Seiten dazu. Aber das wichtigste ist für mich, immer den Menschen hinter dem Lebenslauf zu sehen. Wenn man unsicher ist, einfach mal das Talent anrufen und nachfragen. Geduld haben und nicht erst „auf den letzten Drücker“ den 105%-Kandidaten suchen und dann enttäuscht sein, wenn er/sie nur 85% können oder auch gar nicht zu finden ist.

    Ein Krieg um Talente (… wenn ich das immer lesen muss!!?? …) ist das nämlich eher nicht, sondern das Übersehen der einfachsten Grundtatbestände.

    Ein weiser Organisationsberater hat mal geschrieben, wenn Sie einen Null-Fehler-Prozess haben wollen, dann ist das wichtigste, Fehler überhaupt zuzulassen. Wir Menschen lernen nämlich nur aus Fehlern – oder warum bleiben uns immer die negativsten Dinge im Kopf hängen?
    ;-))

    Also kurz gesagt, immer schön achtsam bleiben und sich am besten jeden Tag auf´s neue hinterfragen. Und ja, eine offene Unternehmenskultur ist jetzt auch nicht so hinderlich. 😉

    Mit wochenendlichen und besten Grüßen aus Süddeutschland.

    • Moin Marc,

      ich freu mich echt über diesen weiteren positiven Bericht. Hatte gedacht, es werden ein paar mehr. Dass Du was beisteuerst, darauf habe ich fast gehofft 🙂
      Super Beispiel von Offenheit für einen nicht ganz passenden Werdegang und fürs „nachhaken“. Und dann muss „man auch mal Glück haben“, genau. Das gehört für beide Seiten dazu.
      Herzlichen Gruß und weiter so 🙂
      Henrik

  6. […] Quelle: Richtig bewerben? Ha! Bewerbungen sind miese Verräter! – hzaborowski – hzaborowski […]

  7. Dennis Haider sagt:

    Hallo Herr Zaborowski,

    vielen Dank für diesen höchst interessanten Artikel.
    Auch ich habe in der Rolle als Bewerber des Öfteren den Schmerz über eine Absage spüren müssen.
    Die bei mir aufkommenden Selbstzweifel und – seien wir ehrlich – das angeschlagene Ego werden nur durch den absoluten Frust darüber überschattet, dass mir niemand den Grund der Absage nennen kann bzw. will.
    Die Möglichkeit, mich selbst verbessern zu können, wird mir dadurch genommen.

    Es heißt, wir sollen aus unseren Fehlern lernen.
    Diese kluge Redewendung wird im Rahmen der Direktbewerbung bei einem Unternehmen im Falle einer Absage ad absurdum geführt.

    Insofern werde ich versuchen, mich im Falle von zukünftigen Absagen an Ihren Beitrag zu erinnern und die Angelegenheit mit den Worten von „Sean Maguire“ in leicht abgewandelter Form

    „Du kannst wahrscheinlich nichts dafür“

    ad acta legen.

    Vielen Dank.

    Mit freundlichen Grüßen

    Dennis Haider

    • Hallo Herr Haider,

      vielen Dank, die Abwandlung in „Du kannst wahrscheinlich nichts dafür“ finde ich super! Und ja, das fehlende Feedback ist bedauerlich. Aber wie schon geschrieben: es liegt selten an den Unterlagen …

      Alles Gute Ihnen weiterhin und herzlichen Gruß,
      Henrik Zaborowski

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