Was Jobsucher wollen 2Was Jobsucher wollen, sollte eigentlich jeden Recruiter interessieren, oder? Und es gibt natürlich Experten, Berater und Dienstleister, die Ihnen erzählen, was Sie unbedingt machen müssen, um für Jobsucher und Bewerber attraktiv zu sein. Ganz ehrlich: Vor allem die hippesten Empfehlungen / die neusten Trends sind für die meisten Unternehmen nicht relevant. Behaupte ich. Stattdessen sollten sie lieber mal die basics wirklich umsetzen. Das passiert noch viel zu wenig, meiner Erfahrung nach. Ich habe ein paar persönliche Theorien, was für Jobsucher wirklich wirklich wichtig ist. Und das ist nicht hipp, sondern gesunder Menschenverstand. Und um diese Theorien zu überprüfen, durfte ich im Dezember 2017 eine eigene kleine Umfrage starten. Mit freundlicher Unterstützung von softgarden. Tja, und was soll ich sagen … nicht nur ich finde die Ergebnisse sehr spannend. Schauen Sie doch mal selbst. 

Was Jobsucher wollen – die Idee der Umfrage

Was müssen Arbeitgeber heute nicht alles, um Jobsucher auf sich aufmerksam zu machen, oder? Da wird Ihnen doch Angst und Bange, wenn Sie nicht alles umsetzen, was auf Konferenzen, in Fachartikeln und in Verkaufsstories so erzählt wird. Kennen Sie solche Aussagen?

Was, Sie sind noch nicht auf Insta und Snapchat? Und auf Facebook ist auch nicht viel los? Na, wie wollen Sie denn in zwei Jahren noch Nachwuchs finden?“

Sie haben keine starke Arbeitgebermarke? Na, jetzt aber ran, sonst wird das nix mehr!“

Nicht Ihr Ernst, Sie kommunizieren Ihre (tolle) Unternehmenskultur noch nicht? Und Ihr Bewerbungsprozess wird auch nicht erklärt? Na, da ist doch klar, dass sich niemand bewirbt.“

Tja, wenn das alles stimmen würde, dann würde kaum ein Unternehmen überhaupt noch erfolgreich Stellen besetzen.  Was aber ja nicht der Realität entspricht. Es ist vielleicht doch alles nicht ganz so wichtig? Ich wollte das genauer wissen und habe mal ein paar „gefühlte Gegensatzpaare“ aufgestellt. Mit der Frage an die Jobsucher: „Was ist wichtiger? Das eine, oder das andere?“ Daraus wurde in Zusammenarbeit mit softgarden eine kleine Umfrage konzipiert und kurz vor Weihnachten über die Kanäle von softgarden an Jobsucher/Bewerber ausgespielt. Und ein Teil der Ergebnisse präsentiere ich Ihnen heute. Der zweite Teil kommt in einem weiteren Artikel.

Noch kurz die genauen Zahlen: In der Zeit vom 18.-21.12.2017 haben 316 Jobsucher (die sich auch tatsächlich aktiv in einem Bewerbungsprozess befinden) bei 5 Gegensatzpaaren das jeweils für sie Wichtigere ausgewählt. Am Ende haben wir die Teilnehmer noch gebeten, eine Priorisierung der insgesamt 10 Items vorzunehmen. Diese Priorisierung haben dann noch 208 Teilnehmer vorgenommen. An dieser Stelle herzlichen Dank an alle Teilnehmer!

Und damit kommen wir jetzt zu den Ergebnissen.

 

Was Jobsucher wollen – Aufgabe vor Arbeitgebermarke

Sie haben keine starke Arbeitgebermarke? Ihr Unternehmen ist völlig unbekannt? Macht nix. Solange die Aufgaben des Jobs spannend sind und passen! Das finden zumindest knapp 90% der Teilnehmer.

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Sehen Sie also zu, dass die Aufgaben klar und ansprechend formuliert sind. So, dass die Zielgruppe sie verstehen, nicht Ihre Fachbereiche! Eigentlich logisch, aber scheinbar schwierig umzusetzen. Über das Thema (schlechte) Arbeitgeberkommunikation können Sie sich übrigens bei Employer Telling schlau machen! Und wenn Sie das haben, sollten Sie noch was anderes unbedingt machen! Wirklich unbedingt.

 

Was Jobsucher wollen – vor allem einen Ansprechpartner

Sie können soviel auf und in den Sozialen Netzwerken rumtanzen wie Sie möchten- solange Sie nicht einen Ansprechpartner (der auch erreichbar ist) mit Kontaktdaten zur Verfügung stellen, machen Sie sich nur selbst was vor. Wie viele tolle und teure SoMe Aktionen sind im Sand verlaufen, weil am Ende kein Interessent wusste, an wen er/sie für Rückfragen wenden kann. Viel Geld für bunte Bilder und Kampagnen, aber keinen persönlichen Kontakt anbieten. Ein Klassiker, den ich nie verstehen werde. Stattdessen dürfen sich Interessierte vermutlich nochmal selber durch die Jobbörse wühlen, den richtigen Job suchen und müssen sich womöglich dann durch das fiese Online Bewerbungsformular quälen.

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Arbeitgeberleistungen UND Chef/Team!

Die Idee, seine Arbeitgeberleistungen (auch Benefits) genannt, zu kommunizieren, sollten Sie auf jeden Fall umsetzen. Noch etwas wichtiger ist allerdings was anderes: Stellen Sie den Chef und das Team vor! Das können Sie mit einem kurzen Video machen, einem kleinen Interview eines Mitarbeiters, dem kurzen Werdegang des Chefs oder oder oder. Es gibt so viele Möglichkeiten. Benefits finde ich inzwischen auf fast jeder Karriereseite. Und auch 2-4 Mitabeiter. Aber den direkten Vorgesetzten für den jeweiligen Job? Sehr selten.

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Wie wichtig Bewerber das persönliche Kennenlernen des direkten Vorgesetzten (und Kollegen) ist, zeigt übrigens auch eine aktuelle Stepstone Studie „Kandidaten im Fokus“.  96% sind eine eindeutige Zahl, oder? Warum kommen Sie den Jobsuchern dann nicht entgegen und stellen Chef und Team schon vorher vor?

Was Jobsucher wollen

Kleiner Tipp: Wenn Sie unsicher sind, ob dann nicht Ihre Fachkräfte noch einfacher abgeworben werden … da kann ich Sie beruhigen: Das werden sie so oder so! Und Sie müssen das ja auch nicht unbedingt für jeden Job machen. Aber je spezieller der Job ist, um so eher sollten Sie zu „diesem Mittel“ greifen. Spezialisten wollen wissen, mit wem und für wen sie arbeiten.

Was Jobsucher wollen – vor allem regionale Nähe

Die Diskussion über Sinn und Unsinn vom Home Office schlägt immer mal wieder Wellen. Ich rekrutiere ja häufig für Unternehmen „auf dem Land“. Und da kann ich nichts beschönigen. Die wenigsten (IT) Spezialisten sind heute noch bereit, für den Job umzuziehen. Und noch weniger „aufs Dorf“. Warum auch? In der Regel gibt es im engeren Umkreis genug Jobalternativen. Und wenn umziehen, dann eher in eine andere Metropole. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel. Wenn Sie zu diesen Unternehmen „auf dem Lande“ gehören, dann sollten Sie sich ernsthaft Gedanken machen, wie Sie (einigen) Mitarbeitern das Arbeiten vom Home Office aus ermöglichen können. Daran wird auf Dauer kein Weg vorbeiführen. Und Sie sollten zusehen, dass Sie NOCH bekannter in Ihrer Region werden. Denn: Regionale Nähe/einfache Erreichbarkeit schlägt immer noch flexibles Arbeiten. Würde ich sagen.

Was Jobsucher wollen

Und auch diese Erfahrung wird durch die Stepstone Studie gestützt. Gerade IT’ler und Ingenieure reißen sich nicht unbedingt darum, für den Job umzuziehen.

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Was Jobsucher wollen – sich einfach bewerben

Dieser letzte Punkt ist der absolute Klassiker. Ich sehe ganz viele Unternehmen, die mit viel Mühe ihren Bewerbungsprozess erklären. Grundsätzlich ist das ja schön, aber es gibt Wichtigeres. Lassen Sie es mich einfach ausdrücken: Machen Sie die Bewerbung so einfach wie möglich! Zumindest, wenn Sie mit nur wenigen Bewerbungen rechnen. Sie können noch so schön Ihren Bewerbungsprozess erklären. Wie viele Gespräche stattfinden, ob es Testverfahren gibt, wie lange es vermutlich dauern wird. Das ist alles völlig egal, wenn sich die Jobsucher gar nicht erst bewerben, weil das Verfahren zu umständlich ist.

Was Jobsucher wollen

Jörg Buckmann hat dazu auch gerade wieder ein schönes Beispiel rausgebracht, wie einfaches Bewerben mit dem „Bewerbungsturbo“ gehen kann. Und vielleicht erinnern Sie sich an meinen Beitrag „Candidate Experience – leicht & locker“, in dem ich ebenfalls eine sehr schlanke Bewerbungsmöglichkeit und die Rückrufbitte vorgestellt habe.

Was Jobsucher wollen – in der Übersicht

So, am Ende haben wir den Teilnehmern die 10 Items nochmal vorgelegt mit völliger Freiheit, sie zu priorisieren. Und Sie sehen, die Items 2-6 liegen sehr nah zusammen. Man könnte auch sagen, sie sind ziemlich gleich wichtig. Die Aufgaben des Jobs schlagen aber natürlich mit deutlichem Abstand alles andere.

Was Jobsucher wollen

Hier die Items nochmal ausgeschrieben in der richtigen Reihenfolge:

  1. Die Aufgaben des Jobs sprechen mich an/passen zu mir.
  2. Mein potentieller Chef und das Team werden vorgestellt.
  3. Es gibt einen konkreten Ansprechpartner mit Kontaktdaten.
  4. Das Unternehmen liegt geographisch günstig/ist für mich gut zu erreichen.
  5. Das Unternehmen ist eine starke Marke/ein sehr bekannterArbeitgeber.
  6. Die Arbeitgeberleistungen für Mitarbeiter werden vorgestellt.
  7. Das Unternehmen bietet Angebote wie Home Office, flexible Arbeitszeiten etc.
  8. Der Bewerbungsprozess ist sehr einfach/es reicht eine One-Click Bewerbung.
  9. Das Unternehmen präsentiert sich auf den neuesten Social Media Kanälen.
  10. Der Bewerbungsprozess wird erklärt und es werden Bewerbungstipps gegeben.

Auch interessant finde ich allerdings, dass im Vergleich aller 10 Items die „One-Click Bewerbung“ es auch nur auf Rang 8 geschafft hat. Genauso abgeschlagen ist der Punkt „Präsenz auf den Social Media Kanälen“. Da ist dann doch wieder eher die Bekanntheit des Arbeitgebers vorne. Aber denken Sie dran: Ein passender Job bei einem eher unbekannten Arbeitgeber „schlägt“ bei einem Jobsucher immer noch einen vielleicht nicht so ganz passenden Job bei einem bekannten Arbeitgeber.

 

Was Jobsucher wollen – Pflicht vor Kür

Also, ich hoffe, diese Mini Studie hilft Ihnen ein wenig, das Wesentliche vom Unwesentlichen zu trennen. Bevor Sie sich verzetteln, setzten Sie erstmal die basics um:

  1. Konzentrieren Sie sich auf eine gute, verständliche Jobbeschreibung
  2. Nennen Sie einen Ansprechpartner mit Kontaktdaten
  3. Stellen Sie ruhig mal den/die Vorgesetzte/n und das Team vor
  4. Sorgen Sie vor allem für eine einfach Bewerbungsmöglichkeit.

Wenn Sie diese vier Punkte umsetzen, haben Sie schon eine Menge gewonnen. Im nächsten Artikel stelle ich Ihnen dann vor, was Bewerbern im konkreten Bewerbungsprozess wichtig ist. Wenn Sie den nicht verpassen möchten und noch nicht meinen blog abonniert haben … einfach schnell nachholen 😉

An dieser Stelle möchte ich ganz herzlich dem Team von Softgarden für die Umsetzung dieser Umfrage danken! Das lief wirklich super. Und wird mit Sicherheit fortgesetzt!

In diesem Sinne – starten Sie gut ins neue Jahr 2018! Wir sehen uns bestimmt auf einem der vielen Events!

Herzlichen Gruß,

Ihr Henrik Zaborowski